Ein Bild vom Leonberger Pferdemarkt hat der Rutesheimer Helmut Duppel in seiner Scheune gefunden. Entstanden ist es vor 35 Jahren. Es soll für einen guten Zweck veräußert werden.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Mit ein wenig gutem Willen wirkt es ein bisschen wie in einer Galerie. Zumindest aber wie in einem rustikalen Heimatmuseum. Durch das Oberlicht der Scheune fällt das Licht genau an die Wand, an die Helmut Duppel das Kunstwerk gelehnt hat. „Das hab’ ich extra so arrangiert“, sagt er und lacht. Aber eigentlich braucht es gar keine eigene Lichtinstallation. Die Farben des großformatigen Gemäldes leuchten auch ohne Unterstützung. „Fast wie am ersten Tag“, fügt der 70-Jährige hinzu.

 

Das Bild zeigt ein Motiv des Leonberger Marktplatzes zum Pferdemarkt

Jahrzehntelang hat das Werk in der Scheune des Rutesheimers geschlummert. Dabei zeigt es doch eigentlich ein Motiv aus Leonberg. Auf der gut zwei auf knapp 1,60 Meter großen Leinwand ist eine Szene des Pferdemarkts verewigt. Zu sehen sind der Marktplatz, der Brunnen, das alte Rathaus samt Durchgang zur Zwerchstraße. Und natürlich Pferde und Menschen. Signiert ist das Bild ebenfalls: „D. Bischoff 5.2.1990“ steht unten rechts auf der Vorderseite – zwischen Pferdebeinen und -äpfeln.

Versuch der Rekonstruktion führt ins Vereinsleben

Wie aber ist dieses Gemälde in eine Rutesheimer Scheune gelangt und dort fast in Vergessenheit geraten? Immerhin hat es 1990 maßgeblich zum 2. Platz bei der Wagenprämierung beigetragen. Es folgt der Versuch einer Rekonstruktion, gemeinsam mit Beteiligten. Dieser führt tief ins Rutesheimer Vereinsleben – angefangen in den 1970er-Jahren.

Dereinst gründeten sich die Motorradfreunde Rutesheim. Sie brachten es zu einem Verein, der zu seinen Hochzeiten um die 35 Mitglieder zählte. Man unternahm Ausfahrten, besuchte befreundete Clubs und veranstaltete über viele Jahre das legendäre Maikäfertreffen am Flachter Tor. Einmal, als man im Jahr 1992 auf den Platz vor den Bühlhallen auswich, spielte sogar der Schwaben-Country-Star Hank Häberle jr. auf. Es war brütend heiß und das Bier ging zwischendurch aus. „Wir hatten Lärmbeschwerden bis fast nach Weil der Stadt“, erzählt Gerhard Duppel, Helmut Duppels jüngerer Bruder und damals Mitglied, heute Vorsitzender der Motorradfreunde.

Aufstellung bitte! Der Festwagen inklusive Bild in der Umzugsaufstellung 1990. Foto: privat

Das Bild, das nun aufgetaucht ist, war zu diesem Zeitpunkt schon längst eingemottet – inmitten eines Stapels, in dem sich am Ende auch ein paar weitere Gemälde sowie alte Preistafeln der Vereinsfeste finden sollten: Bier 3 Mark, Jack-Daniel’s mit Cola 4 Mark. Ein Zehner war für eine Flasche Sekt fällig.

Die Rutesheimer zog es in den 1980ern und 1990ern derweil auch ein ums andere Mal in die große Stadt – also nach Leonberg, und mit Vergnügen auch zum Pferdemarkt. Doch beileibe nicht nur als Gäste. „Sechs- oder siebenmal waren wir auch beim Festumzug dabei“, erinnert sich Gerhard Duppel. Und man fuhr nicht nur mit den Motorrädern mit. In manchen Jahren gab es auch einen Festwagen.

Und an der Rückseite des Wagens prangte beim Pferdemarkt anno 1990 jenes Bild. An der Seite des Anhängers war zu lesen: „Im Winter macht das Schrauben Spaß, im Sommer geben wir dann Gas.“ Eine Nachbildung des Engelbergturms und ein Zelt komplettierten den Aufbau.

Bild hat wohl um die 400 Euro gekostet

„Wenn man sich die Signatur anschaut, dann muss das Gemälde erst kurz vor knapp fertig geworden sein“, kombiniert Gerhard Duppel. Der Pferdemarkt wird stets am zweiten Dienstag im Februar gefeiert, was 1990 der 13. war. Nur gut eine Woche lag also laut Signatur zwischen Fertigstellung und Präsentation. All das lässt sich heute noch rekonstruieren. Nur wer sich hinter „D. Bischoff“ verbirgt, das weiß Gerhard Duppel nicht. An das Bild kam der Verein über Dritte. „Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass es etwa 400 D-Mark gekostet hat.“

Dass die Farben heute noch strahlen, liegt daran, dass es stabil gefertigt wurde. „Entweder es sind Lackfarben oder es wurde mit Klarlack überzogen“, mutmaßt Helmut Duppel. Schließlich habe es ja auch den Umzug in der Kälte überstehen müssen. „Und beim Pferdemarkt war ja ab und zu ganz schönes Sauwetter“, erinnert sich sein Bruder.

Das Bild soll für einen guten Zweck veräußert werden

Nun wollen sie das Bild in gute Hände abgeben. Dabei herausspringen sollte aber eine Spende für den guten Zweck. Gerhard und Helmut Duppel haben auch schon genau im Sinn, wem der Erlös zugute kommen soll: Ihre Wahl fiel auf den ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche des Hospiz’ Leonberg.

Vielleicht findet sich also jemand, der oder die pferdemarktbegeistert ist, Platz im Wohnzimmer oder anderswo hat und dem Hospiz etwas Gutes tun möchte. Damit das Bild nicht weiter seinen Dornröschenschlaf in Helmut Duppels Scheune fristen muss.

Der Weg zum Bild – und zur Spende

Kontakt
Wer Interesse an dem Pferdemarktbild aus Helmut Suppels Scheune hat, wendet sich per E-Mail an Gerhard Duppel: gerhard.duppel@t-online.de. Er wird bis zum 30. September die Gebote sammeln und dann gemeinsam mit seinem Bruder den Glücklichen oder die Glückliche informieren und die Übergabe in die Wege leiten. „Wer einfach so etwas fürs Hospiz spenden möchte, kann das aber natürlich auch machen“, sagen beide.

Bären-Apotheke?
Was auf dem Bild „Bären-Apotheke“ heißt, müsste wohl eigentlich „Löwen-Apotheke“ heißen. Zumindest hieß sie so, bevor aus der ältesten Apotheke Leonbergs – über 300 Jahre – im Jahr 2012 die h&h Apotheke wurde. Die Bären-Apotheke indes befand sich über viele Jahre in der Eltinger Straße an der Kreuzung mit der Steinstraße.