Bildband der Erlacher Höhe Gesichter erzählen Geschichten

Der Fotograf Edgar Layher vor dem Cover des Bildbands Foto: Gottfried Stoppel
Der Fotograf Edgar Layher vor dem Cover des Bildbands Foto: Gottfried Stoppel

Die Erlacher Höhe aus Großerlach betreut seit rund 125 Jahren gestrandete Menschen. Ein neuer Bildband des Aspacher Fotografen Edgar Layher erlaubt einen Einblick in die Arbeit der diakonischen Einrichtung.

Rems-Murr: Martin Tschepe (art)

Großerlach - Die Gesichter in diesem Bildband erzählen Lebensgeschichten. Viele dieser Männer und Frauen, die der Aspacher Fotograf Edgar Layher in deren Alltag in den verschiedenen Einrichtungen der Erlacher Höhe porträtiert hat, blicken mit wachen Augen direkt in die Linse. Fast alle schauen freundlich aus, manche ein wenig skeptisch, andere melancholisch.

„Menschen. Leben. Würde. Bilder vom gelebten Leben“ – das ist der Titel des Bildbands, das die diakonische Einrichtung mit Hauptsitz in Großerlach anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens in Auftrag gegeben hat. Die meisten der Bilder sind im Jubiläumsjahr 2016 entstanden. Insgesamt hat Layher ein paar tausend Fotos geschossen, rund 70 sind schließlich in Buch gelandet. Der Fotograf hatte frei Hand. Das hat der geschäftsführender Vorstand der Einrichtung, Wolfgang Sartorius, jetzt am Rande der Präsentation des Werks erklärt.

„Jedes Menschenleben ist ein Meisterstück“

Layher, der bis vor kurzem für die Backnanger Lokalzeitung gearbeitet hat, erzählte, dass er die Menschen in den Werkstätten, in den Wohnheimen und in anderen Einrichtungen an gut zwölf Standorten im ganzen Land spontan angesprochen habe. Die allermeisten hätten sofort eingewilligt, und viele haben dem Mann mit der Kamera von ihrem Leben erzählt, auch von Tiefschlägen, von der Alkoholsucht und von Nächten auf der Straße zum Beispiel, von Krankheiten und von Trennungen. „Aber alle waren gut gelaunt“, so Layher.

Zu den Fotos mit den markanten Köpfen haben Sartrorius und sein Vorstandskollege Peter Ruf Zitate prominenter und weniger bekannter Autoren ausgesucht. Neben dem Porträt eines älteren Mannes, der in einer beschützten Werkstatt arbeitet, steht: „Jedes Menschenleben ist ein Meisterstück göttlicher Geduld, Weisheit, Gnade und Liebe“ – ein Satz des vor rund 100 Jahren verstorbenen Theologen Elias Schrenk. Diese Worte, so Ruf, der ehemalige Pressesprecher des Diakonischen Werks Württemberg, bringe das Anliegen der Erlacher Höhe auf den Punkt: „Achtet die Würde jedes Menschen – selbst dann, wenn er ein bisschen verschlampert aussieht.“

Fotoausstellungen am 16. und 17. Dezember in Erlach

Die Diakonie wolle den Menschen „zu Freude verhelfen“. Wer sich durch das gut 100-seitige Fotobuch blättert, der sieht ganz viele Männer und Frauen, mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen. Der grauhaarige Herr auf der Seite 72 schaut allerdings weniger glücklich aus. Und neben den Foto stehen diese schönen Sätze von Antoine de Saint-Exupéry: „Bewahre mich vor dem naiven Gedanken, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenk mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.“

Layher sagte, er hoffe, dass dieses Buch die Augen der Leser und Betrachter für die porträtierten Menschen öffne. Ruf und Sartorius schreiben in ihrem Vorwort, der Bildband hätte seinen Zwecke erfüllt, wenn sich weiter herumspreche, dass „jeder Mensch eine ganz individuelle, von Gott geschenkte Würde hat“.

Rund 25 der Fotos aus dem Bildband sollen fortan großformatig bei Ausstellungen zu sehen sein, erstmals beim Adventsmarkt der Erlacher Höhe am 16. und 17. Dezember.




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