Bildband über den Neckar Oft unterschätzt - Sebastian Wenzel liebt den Neckar und zeigt die schönsten Ecken

, aktualisiert am 08.01.2025 - 10:39 Uhr
Fotograf Sebastian Wenzel hat drei Jahre lang Aufnahmen vom Neckar gemacht. Foto: Rainer Schmid-Vasterling

Der Fotograf Sebastian Wenzel hat den Neckar auf seiner gesamten Länge ins Bild – aber auch ins Wort – gesetzt. Den „wildromantischen Gesellen“ gibt es jetzt in edler Buchform.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Er wird weit seltener besungen als der Rhein oder die Donau. Und es gibt nicht allzu viele Gedichte über ihn, mal abgesehen von einer Hölderlinschen Ode. Doch der gute Friedrich war gewissermaßen Partei. In Lauffen geboren, in Nürtingen aufgewachsen, in Tübingen weggesperrt und gestorben: Keine Frage also, dass der Dichter sich mit dem Neckar, dem baden-württembergischsten aller Flüsse, beschäftigt hat.

 

Inzwischen hat sich das geändert – nicht zuletzt, weil der oft unterschätzte Neckar eine Menge zu bieten hat, vielfältig genutzt wird und obendrein ein Fluss mit allen Facetten ist. Eines der jüngsten Werke über den Wasserlauf ist der Bildband „Der Neckar. Ein wildromantischer Geselle“ des Stuttgarter Fotografen Sebastian Wenzel, der im Reutlinger Oertel+Spörer Verlag erschienen ist.

Sebastian Wenzel hat den Neckar erwandert

Bei Nürtingen hat ein Traktor am Neckar seine Spuren gezogen. Foto: Sebastian Wenzel

Wenzel hat die fast 400 Kilometer lange „Lebensader des Ländles“ – mehr als 40 Kilometer davon sind im Kreis Esslingen zu finden – vor allem erwandert. Gut zwei Dutzend Touren hat er dafür unternommen, weitere 50 Male steuerte er einzelne Punkte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zusätzlich an, weil ihm eines der bereits abgelichteten Motive dann doch nicht hundertprozentig gefiel. „Das gesamte Projekt hat mich etwa drei Jahre beschäftigt, inklusive der Reiseführer, die ebenfalls entstanden sind“, sagt er.

Von der Quelle bis zur Mündung nahm der 38-Jährige den Neckar unter die Lupe oder, besser gesagt, vor die Linse. Wobei das mit der Quelle so eine Sache ist. Der Flusslauf entspringt im Verborgenen im Schwenninger Moos, nahe der Grenze zwischen Baden und Württemberg. Er gräbt sich in seinem weiteren Verlauf ins Neckartäle ein, passiert Rottweil, Oberndorf, Sulz, Horb und Tübingen, ehe er zwischen Pliezhausen und Neckartenzlingen den Kreis Esslingen erreicht. Aus dem ursprünglichen Bächle ist bis dahin längst ein Fluss geworden, wobei er von seinem beschaulichen Flair noch nicht allzu viel eingebüßt hat.

Breite Auen zieren sein meist mit mächtigen und gleichwohl alten Bäumen bestandenes Ufer. Links und rechts davon erstrecken sich Felder und Äcker in die Landschaft, von Wenzel auf eindrucksvolle Art und Weise dokumentiert. Mit zahlreichen Panoramaaufnahmen zeigt er prägnante Flussschleifen, malerische Stadtansichten oder monumentale Bauwerke, die dem Neckar sein Gesicht geben. Auch etliche Spots, die der Naherholung dienen, hat der Fotograf mit seiner Kamera eingefangen – und mithin den Wandel, den der Neckar nach und nach erfährt.

So wird aus dem „wilden Kerl“, was sein Name der keltischen Herkunft nach bedeutet, nach knapp der Hälfte der Strecke, die er insgesamt zurücklegt, eine Bundeswasserstraße. Plochingen ist, auf dem weiteren Weg zum Rhein, der erste schiffbare Neckarhafen. Über 202 Kilometer führt diese Schifffahrtsroute bis hinter Mannheim. 27 Staustufen sind jedoch ein Beleg dafür, dass es mit dem Fluss weiterhin mächtig bergab geht.

Im Juni wurde der Neckar bei Plochingen zur Seenlandschaft. Foto: Sebastian Wenzel

Wenzel zeigt demzufolge auch die industrielle Seite des Neckars, die wiederum schon ein gutes Stück vor Plochingen beginnt – und ihre Auswirkungen hat. Allerdings ist es schon längst nicht mehr so, dass nur Fabrik- und Firmengebäude an den Ufern ihren Platz finden und das Neckarwasser wie noch in den 1970er Jahren eine vom Land attestierte „übermäßig starke Verschmutzung“ aufweist. Viel ist in den vergangenen 50 Jahren passiert: an Renaturierung und an ökologischen Verbesserungen. Erholungs- und sogar Badeflächen, Rad- und Wanderwege, Ruhe- und Paddelzonen, teils auch kleine Promenaden sind entstanden, nicht zuletzt in den Neckarstädten und nicht zuletzt durch eine ganze Reihe von kleinen und großen Gartenschauen, wie unter anderem und ebenfalls in Plochingen.

In Esslingen beginnt der Weinbau am Neckar

Einer weiteren Nutzung des Flusses schenkt Wenzel, beginnend in Esslingen, überdies sein Augenmerk, prägt doch der Weinbau an etlichen Stellen den Charakter der Neckarlandschaft. Diese bekommt auch dadurch immer wieder ihren zwar kulturlandschaftlich gewachsenen, aber eben doch wildromantischen Charakter zurück.

Auch der Weinbau hat im Neckartal bei Esslingen seinen Platz. Foto: Sebastian Wenzel/ 

Sebastian Wenzel, das räumt er unumwunden ein, hat „den Neckar kennen und lieben gelernt“. Daran sollen auch die Betrachter seines Bildbands teilhaben.

  • „Der Neckar. Ein wildromantischer Geselle“ von Sebastian Wenzel
  • Oertel+Spörer Verlag
  • 40 Euro (ISBN 978-3-96555-177-0)

Begleitend gibt es einen Dokumentarfilm unter: www.youtube.com/@SebastianWenzel_86

Ein Wander- und Wasserfreund

Vorbestimmung
Seine Leidenschaften sind Familiensache: Venetien an Pfingsten und das Berner Oberland im Sommer. Sebastian Wenzel hat das Wasser und das Wandern im Urlaub schon als Kind kennen und lieben gelernt. Sein Faible fürs Fotografieren kam hinzu – sodass seine berufliche Laufbahn gewissermaßen vorgezeichnet war. Der 38-jährige Stuttgarter arbeitet für das Literaturhaus Stuttgart, für die Werbeagentur Ströer, fertigt Außen- und Innenaufnahmen von Immobilien für Makler.

Autor
Zudem veröffentlicht Wenzel Bücher über Baden-Württemberg. So hat er auch die Reiseführer „Wandern statt fahren an der A 81: Stuttgart – Bodensee“ sowie „Wandern am Neckar – von der Quelle bis zur Mündung“ für die Schriftenreihe „101 Highlights“ erstellt. Der Nicht-Autofahrer konnte dabei seine Neigungen perfekt kombinieren: „Wandern ist für mich die bevorzugte Art der Fortbewegung und Wasser gibt fürs Fotografieren sowieso immer was her“, sagt Wenzel und freut sich sehr, „dass ich mir den Traum vom eigenen Bildband erfüllen konnte“.

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