Bilder aus Ruanda Ungewollte Kinder

Von Anja Wasserbäch 

Vor 25 Jahren fielen fast eine Million Menschen dem Völkermord in Ruanda zum Opfer. Schätzungen zufolge wurden 250 000 Frauen vergewaltigt, viele wurden schwanger. Der Fotograf Olaf Heine zeigt das Schicksal dieser Mütter und Kinder.

In Ruanda wird der Bildband nicht veröffentlicht. Es wird verzichtet, die Namen der Frauen zu nennen, um ihre Persönlichkeitsrechte zu schützen. Die Mutter auf dem Bild oben wollte abtreiben, ein eigenmächtiger Versuch scheiterte. Foto: Olaf Heine 8 Bilder
In Ruanda wird der Bildband nicht veröffentlicht. Es wird verzichtet, die Namen der Frauen zu nennen, um ihre Persönlichkeitsrechte zu schützen. Die Mutter auf dem Bild oben wollte abtreiben, ein eigenmächtiger Versuch scheiterte. Foto: Olaf Heine

Stuttgart - „Meine Zukunft soll nicht von der Vergangenheit bestimmt werden.“ Das war ein Satz, den Olaf Heine bei seinen Reisen in Ruanda immer wieder von den Töchtern der Vergewaltigungsopfer gehört hat. Während des Völkermords 1994 in dem ostafrikanischen Land wurden laut Schätzungen rund eine Viertelmillion Frauen vergewaltigt. „Es ist kein Geheimnis, dass Frauen in bewaffneten Konflikten oft die wahren Opfer sind“, sagt der Berliner Fotograf. Und: „Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe.“ Viele der Opfer wurden schwanger, ihr Schicksal war bestimmt. Olaf Heine reiste mit der ora-Kinderhilfe mehrmals in das Land, das auch „Land der 1000 Hügel“ genannt wird, um Mütter mit ihren Töchtern zu treffen. „All diese Kinder waren nie gewollt, wurden oft nur widerwillig akzeptiert, manchmal geliebt und selten respektiert in einer patriarchalischen Gesellschaft, die sie nicht als Opfer, sondern als Kinder von Mördern sieht“, sagt Heine. Er berichtet zudem, dass viele Frauen ihre Kinder nicht wollten, versucht haben Geburten abzubrechen, Babys zu töten.

„Und: „Es ist eine große Ungerechtigkeit. Männer zerstören das Land, die wahren Opfer sind die Frauen.“

Genau diese Zerrissenheit zeigen die Bilder von Olaf Heine, der die Mütter und Töchter meist dort fotografiert hat, wo das Verbrechen vor 25 Jahren stattfand. „Wir gingen an den Nullpunkt, an den Ort, wo das Schicksal der Mutter seinen Lauf nahm“, erzählt Heine. Es gab emotionale Momente, es kam vor, dass die Frauen vor der Kamera zusammengebrochen sind. „Alle wollten das bewusst machen. Sie wollen gehört werden“, sagt Heine. Und: „Es ist eine große Ungerechtigkeit. Männer zerstören das Land, die wahren Opfer sind die Frauen, die das Land dann wieder aufbauen.“ Und wie können diese Frauen, die dann Mütter werden, eine Liebe zu dem ungewollten Kind entwickeln?