Bildung Didacta diesmal noch internationaler

Von Barbara Czimmer-Gauss 

Am kommenden Dienstag, 14. Februar, beginnt die weltgrößte Bildungsmesse Didacta in Stuttgart. 90 000 Besucher werden erwartet, 840 Aussteller zeigen Produkte und neue Trends. Am letzten Ausstellungstag sind vor allem Familien eingeladen.

Die Didacta präsentiert Materialien und Methoden für neue Wege in der Bildung. Foto: dpa
Die Didacta präsentiert Materialien und Methoden für neue Wege in der Bildung. Foto: dpa

Stuttgart - Bildung ist zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor Deutschlands geworden, und die Didacta 2017, die weltgrößte Bildungsmesse, trägt dem Rechnung. Sie bündelt 850 Aussteller aus 47 Ländern von Dienstag bis Samstag, 14. bis 18. Februar, auf dem Messegelände in Stuttgart. In mehr als 1500 Workshops, Vorträgen und Seminaren tauschen sich Fachleute aus. Auf rund 75 000 Quadratmetern Fläche in sechs Hallen zeigen Firmen und Institutionen neue Produkte und Bildungsperspektiven.

Der Messegeschäftsführer Ulrich Kromer ist sich sicher: „Hier im wirtschaftlich starken Südwesten mit seinen innovativen Unternehmen und qualitativ hochwertigen Lehreinrichtungen findet eine Bildungsmesse den idealen Nährboden.“ Wirtschaftlich gesehen ist die Didacta für die Messe kein Wagnis. 90 000 Besucher werden erwartet, und es sind Zugpferde aus Politik und Wissenschaft im Programm: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat für Freitag seinen Besuch angesagt, Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wird die Messe am Dienstagmorgen eröffnen und als diesjährige Präsidentin begleiten. Das Bundesbildungsministerium, die Landesspitze und die Landtagsfraktionen sind vertreten.

Allein Spracherwerb reicht nicht zur Integration

Vier große Themenbereiche kündigte Kromer bei der Eröffnungspressekonferenz an. Eines der wichtigsten sei die Digitalisierung, so der Didacta-Präsident und Wissenschaftler Wassilios Fthenakis. „Wir müssen uns fragen: Wie geht man mit Medien um?“ Nicht die Technologien selbst, sondern der Umgang mit ihnen verursacht Probleme. Längst lägen Studien vor, dass mittels neuer Technologien ein effizienter Zugang zu Informationen erreicht werden könne und auch das kooperative Lernen von Kindern mit ihresgleichen, Eltern, Großeltern gefördert würde. Den Rückstand bei der Digitalisierung der Bildung in Deutschland belegte Wilmar Diepgrond mit Zahlen: „Trotz hoher Investitionen beträgt der Umsatz nur drei bis fünf Prozent, in Holland liegt er bei 25 Prozent“, sagte der Vorsitzende des Verbands Bildungsmedien. Oftmals fehlten in Schulen die technischen Voraussetzungen wie WLAN oder ein Betreuer fürs Netzwerk. „Wir brauchen keine Leuchttürme, sondern Nachhaltiges.“

Die Messe beschäftigt sich selbstverständlich mit den aktuellen Entwicklungen in der frühen Bildung, der Bildung in Schule und in Hochschule. Nicht mehr die Wissensvermittlung, sondern die Stärkung kindlicher Entwicklung und Kompetenzen sowie eine „Konsistenz im Bildungsverlauf“ sind laut Fthenakis Gebote der Stunde. Er appellierte an die Bundesregierung, Haushaltsüberschüsse in den Umbau des Bildungssystems und den Ausbau der Bildung in den ersten zehn Lebensjahren zu stecken. Insbesondere die Inklusion, vor allem aber die Integration von Flüchtlingskindern, sei eine Herausforderung: „Allein mit der Stärkung der Sprachkompetenz erreichen wir Integration nicht. Sie müssen lernen, das System zu verstehen, soziale Kontakte zu knüpfen und den Anschluss an die Arbeitswelt zu finden“, so der Experte.

Erstmals ein Familientag

Neben neuem Material und neuen Methoden bietet die Messe auch Einblick ins Klassenzimmer der Zukunft, Digital Youngsters präsentieren neue Berufe, 35 Start-up-Unternehmen ihre Innovationen. Zudem bietet das Rahmenprogramm einen Hochschultag oder befasst sich mit der Familie, die als Ort nicht nur früher Bildung ernst zu nehmen ist. Wichtig sei, auch ein „normales Publikum“ einzubinden, „Menschen, die nicht in der Bildung arbeiten, aber interessiert sind“, sagt Reinhard Koslitz, der Hauptgeschäftsführer des Didacta-Verbands. Am Samstag, 18. Februar, 10.30 Uhr, findet erstmals ein Familientag statt. Er soll Eltern und pädagogische Fachkräfte ins Gespräch bringen, es gibt Vorträge, Mitmach-Aktionen und Beispiele dafür, wie Eltern spannende Lerngelegenheiten schaffen können.

Bildung made in Germany ist bei allen Schwächen heute schon ein Exportschlager. Der Didacta-Verband wird in diesem Jahr an sieben Standorten weltweit, von Mexico City bis Shanghai, mit einem deutschen Pavillon vertreten sein, und im September findet in Kooperation mit dem Verband in Florenz die erste Didacta Italia statt. Die italienische Bildungsministerin Valeria Fedeli wird zur Eröffnung nach Stuttgart kommen.

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