Bildung Fast jeder Dritte bricht sein Studium ab

Von Claudia Treml 

Einer von drei Studenten bricht sein Bachelor-Studium ab. Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung in Hannover untersuchten die Ursachen. Ein Abbruch ist weniger die Frage von Intelligenz. Ein Umdenken in der Lehre ist gefordert.

Welche Gründe bewegen Studierende, ihr Studium abzubrechen?  Foto: Wavebreakmedia Micro/ Fotolia
Welche Gründe bewegen Studierende, ihr Studium abzubrechen? Foto: Wavebreakmedia Micro/ Fotolia

Die meisten Studienabbrecher machen nach den ersten zwei bis drei Monaten Schluss und die Gründe dafür sind vielseitig. Die Anfangseuphorie flaut ab, der Studienalltag entspricht nicht den Vorstellungen.

Es mangelt an Methoden- und auch fachlicher Kompetenz, beides sind Voraussetzungen, die durch die schulische Bildung hätten vermittelt werden sollen. In den Ingenieurswissenschaften beispielsweise müssen die Erstsemester sofort hohe fachliche Anforderungen bewältigen. Häufig vermissen die Studienanfänger auch die persönliche Ansprache und das persönliche Anleiten durch die Lehrenden, wie sie es aus ihrem schulischen Alltag kennen. Außerdem fehle bei so viel Theorie das „Handfeste“: der Bezug zur Praxis.

Und vor allem Studenten aus Familien, deren Eltern nicht zu den Gutverdienern gehören, kämpfen zusätzlich mit finanziellen Problemen. Das Bafög reicht de facto zum Leben oft nicht aus und die Wohnungsknappheit treibt die Mieten in die Höhe. Den jungen Erwachsenen bleibt nichts anders übrig, als Geld dazuzuverdienen, und das belastet zusätzlich zu den ohnehin hohen Anforderungen des Studiums. Ein Studienabbruch ist in Summe daher oft die Folge.

Es geht auch anders

Allerdings gibt es Alternativen. Das weiß auch die Master-Absolventin Veronika Kulalaeva. Für ihren Bachelor war sie an einer Uni eingeschrieben, merkte aber schnell, dass sie sich für das falsche Studienmodell entschieden hatte. „Ich bin jemand, der sein Wissen gleich in die Praxis umsetzen will.“ Nach ein paar Monaten entschied sie sich für ein berufsintegrierendes Studium und setzte nach ihrem erfolgreichen Bachelor und zwei Jahren Berufserfahrung gleich noch den Master obendrauf. Ebenfalls berufsintegrierend.

Wie ihr Arbeitgeber ist auch die 30-Jährige von dem berufsintegrierenden Studienmodell überzeugt, denn Studierende und Unternehmen profitieren nicht wenig vom dualen System: Nicht nur, dass „frisches“ Fachwissen aus den Hochschulen unmittelbar in den Betrieben ankommt, die dualen Studenten setzen es bei der Arbeit gleich um und geben es auch an Kollegen weiter. Duale Studenten sind häufig sehr zielstrebig, haben ein gutes Zeitmanagement und sind ehrgeizig. Das sollten sie auch, denn Studium und Beruf unter ein Hut zu kriegen, kann schon herausfordernd sein. Doch dafür gibt es keine Geldsorgen. Das Unternehmen zahlt eine angemessene Vergütung, was dem risikoscheuen Studierenden wichtig sein kann, damit am Ende kein offener Bildungskredit droht.

Die persönliche Ansprache an die Studierenden ist durch Hochschule und Unternehmen gewährleistet, sodass es an Unterstützung und Motivation nicht fehlt. Es ist daher kein Wunder, dass die Quoten für einen erfolgreichen Studienabschluss in dualen Studiengängen sehr gut sind.