Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, ist ein Bildungskonzept, das Menschen befähigt, zukunftsfähig zu denken und zu handeln und die Auswirkungen ihres Handelns zu verstehen. Landesweit gibt es 70 Schulen, die ein BNE-Zertifikat haben, seit kurzem gehört auch die Köngener Burgschule dazu.
„Das Netzwerk wird immer größer – BNE nimmt an Bedeutung an den Schulen zu, dabei spielt auch Demokratiebildung eine große Rolle“, sagte Andreas Schäfer vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung in Baden-Württemberg (ZLS), bei der Übergabe des Zertifikats. Das übergeordnete Ziel dabei ist, die Schüler fit zu machen, um globale Zusammenhänge zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln. Im Fokus stehen neben dem Klimawandel etwa auch nachhaltiger Konsum und Geschlechtergerechtigkeit.
Neue Möglichkeiten für Burgschule Köngen
Als Mitglied des BNE-Schulnetzwerks erhält die Burgschule jetzt regelmäßig Infos zu Wettbewerben, BNE-Veranstaltungen oder Fördermöglichkeiten. Zudem ist es leichter, sich mit anderen BNE-Schulen vernetzen, um neue Impulse zu bekommen. Zum Beispiel haben mit Julia Grundler und Nina Mayer bereits zwei Lehrerinnen der Burgschule an der jährlichen landesweiten Tagung der BNE-Schulen teilgenommen und neue Ideen mitgebracht. „Manches ist sehr simpel, man muss nur darauf kommen“, sagt Grundler – so gebe es etwa eine von Überlinger Schülern initiierte Aktion, kostenlose Zangen um Zigarettenstummel aufzusammeln zu verteilen. „Diese Zangen können ganz einfach hergestellt werden“, sagt die Lehrerin. Auch Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit – etwa über einen Instagram-Auftritt – haben die beiden mitgenommen.
Neues Lernformat an Köngener Schule
BNE ist fest im Bildungsplan des Landes verankert, die Umsetzung ist indes den Schulen selbst überlassen. An der Köngener Gemeinschaftsschule passiert in dieser Hinsicht sowieso schon viel – so gibt es seit diesem Schuljahr das neue Lernformat „SeWi“ – Selbstwirksames Arbeiten. Dabei beschäftigen sich die Schüler der Klassenstufen fünf bis acht wöchentlich zwei oder drei Schulstunden mit Themen rund um Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und globaler Verantwortung. Der Unterricht findet dabei fächerübergreifend statt. Im Fokus stehen dabei die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen. „Mich begeistert der Gedanke an den Schmetterlingseffekt“, lobte Köngens Bürgermeister Ronald Scholz – was in der Burgschule im Kleinen entstehe, habe im Großen Auswirkungen auf das gesamte globale Miteinander. Es gelte, den Nachwuchs gut vorzubereiten, ergänzte Schulleiter Martin Raisch: „Schließlich sind diese jungen Menschen für unsere Zukunft verantwortlich.“
Köngener Schüler leben das Erlernte bereits
Die Schüler übertragen dieses Wissen bereits auf ihren Alltag: Siebtklässler Moritz Stuckert etwa hat seine Familie dafür sensibilisiert, kein Haarwaschmittel mehr in Plastikflaschen zu kaufen und darauf zu achten, das Licht auszumachen, wenn es nicht benötigt wird. „Ich finde das wichtig, wir müssen unsere Ressourcen sparen“, erklärt der Zwölfjährige. Oder Anna Laubach, die beim Einkauf besonders auf die Herkunft der Lebensmittel und die Verpackung achtet: „Nudeln gibt es zum Beispiel auch in Papiertüten und Tomaten müssen nicht aus der Dose kommen, die gibt’s auch im Glas“, sagt die Siebtklässlerin und bekräftigt: „Wir lernen in Sewi nicht für Noten, sondern fürs Leben, das finde ich richtig gut.“
Als Sewi-Jahresprojekt wollen sich die beiden Burgschüler in der Seniorenarbeit engagieren. „Man fragt sich da vielleicht, was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat“, sagt Schäfer vom ZLS, „aber der Schlüssel ist die Selbstwirksamkeit – wenn man einmal spürt, was man erreichen kann, fällt es einem leichter, sich für etwas zu engagieren.“ Und letztlich sei das Ziel, mündige, demokratiefähige Schüler zu entlassen, ergänzt Grundler.