Bildung Kritik an Sparplänen von Grün-Rot

Von dapd 

Die vom künftigen rot-grünen Regierungsbündnis geplanten Sparpläne in der Bildung stoßen auf heftige Kritik bei den Lehrerverbänden.

Bei gleichen Leistungen bewerten Lehrer einen Kevin schlechter als einen Maximilian. Foto: dpa
Bei gleichen Leistungen bewerten Lehrer einen Kevin schlechter als einen Maximilian. Foto: dpa

Stuttgart - Die vom künftigen rot-grünen Regierungsbündnis geplanten Sparpläne in der Bildung stoßen auf heftige Kritik bei den Lehrerverbänden. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, der Philologenverband und der Landesverband der GEW warfen Grün-Rot vor, ihre Wahlversprechen zu brechen, indem sie noch in dieser Legislaturperiode den Rotstift in der Bildungspolitik ansetzten.

Grüne und SPD hatten am Montag erklärt, zum Abbau des strukturellen Defizits unter anderem Lehrerstellen abzubauen. Zwar sollten die rechnerisch frei werdenden Lehrerstellen durch den Rückgang der Schülerzahlen zunächst in eine Verbesserung der Qualität der Schulen fließen, hieß es. Danach müsse aber ein Teil der frei werdenden Lehrerstellen gestrichen werden.

Rückgang der Schülerzahlen laut Verband nicht abzusehen

Der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Bernd Saur, sagte am Dienstag auf dapd-Anfrage, SPD und Grüne hätten in der Opposition stets Unterrichtsausfälle und eine unzureichende Lehrerversorgung bemängelt. Dass diese Kritik nun in eine Stellenstreichungspolitik umschwenke, sei absurd.

Saur warnte, es sei nicht abzusehen, dass die Schülerzahlen an den Gymnasien in den kommenden Jahren tatsächlich zurückgehen werden. Mit dem von der künftigen Landesregierung angestrebten Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung sei sogar davon auszugehen, dass noch mehr Schüler nach der vierten Klasse auf die Gymnasien wechselten.

„Wir fordern eine 110-prozentige Lehrerversorgung an jeder Schule“, sagte Saur. Nur mit einem leichten Überschuss an Lehrern könne verhindert werden, dass es zu Unterrichtsausfällen komme, wenn Lehrkräfte krank würden oder in Schwangerschaftsurlaub gingen. Zudem hätten die Gymnasiallehrer in den letzten Jahren bereits Überstunden in der Höhe von 800 Deputaten geleistet. „Das ist irgendwann nicht mehr zumutbar“, sagte Saur.

GEW: Eltern und Schüler werden enttäuscht sein

Der VBE-Landeschef Gerhard Brand hielt SPD und Grünen vor, mit dem Versprechen zur Wahl angetreten zu sein, in der Bildungspolitik alles besser als die Vorgängerregierung zu machen. Dieses Vorhaben dürfe sich aber nicht lediglich auf die Streichung der verbindlichen Grundschulempfehlung beschränken, also auf das, was nichts koste.

In der Opposition hätten Grüne und SPD stets Zeter und Mordio gerufen, wenn von der schwarz-gelben Landesregierung bei Lehrerstellen auch nur der Vermerk „künftig wegfallend“ angebracht werden sollte. Wie es mit der nun getroffenen Entscheidung, die aus finanzpolitischer Sicht durchaus zu verstehen wäre, zu weniger Unterrichtsausfall und kleineren Klassen kommen solle, sei unverständlich, sagte Brand.

Die GEW zeigte sich empört. Die Gewerkschaft sei nicht davon ausgegangen, dass das grün-rote Bündnis ausgerechnet bei den Lehrerstellen sparen wolle, sagte ein Sprecher. Werde dieses Vorhaben tatsächlich umgesetzt, seien die bildungspolitischen Ziele der Koalition nicht zu erreichen.