Bildung Neues Expeditionsziel: die Energiewende

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Die Baden-Württemberg Stiftung schickt ihren „ExpeditionsN-Truck“ auf Tour. Er wurde mir einer neu konzipierten Ausstellung zur Energiewende bestückt.

Strom kann man im Experiment auch mit der Handkurbel erzeugen. Foto:  
Strom kann man im Experiment auch mit der Handkurbel erzeugen. Foto:  

Stuttgart - Franz Untersteller kurbelt nach Kräften. Der baden-württembergische Umweltminister (Grüne) ist im Energiewendespiel für die Stromproduktion zuständig – und die funktioniert eben mit Muskelkraft. Unterstützung erhält er von Sonne und Wind, also von regenerativen Energiequellen. Die anderen Spielteilnehmer müssen den zur Verfügung stehenden Strom möglichst schlau an ihren Bildschirmen verwalten: Ob sparsamer Computer, Strom fressende Geschirrspülmaschine oder vorübergehende Speicherung – wichtig ist, dass immer genügend Energie vorhanden ist, was nur mit gegenseitiger Absprache geht. Klappt dies nicht, droht der Blackout. Beim dritten Anlauf passen Stromproduktion, Verbrauch und Lastmanagement schließlich so zusammen, dass der kurbelnde Minister und sein Team die fünf anvisierten Tagesabläufe durchstehen – und das mit Bravour.

Das Spiel ist zentraler Teil der jetzt an den Start gegangenen zweiten Phase des „Expedition-N-Trucks“ der Baden-Württemberg Stiftung (www.expeditionN.de). Bei der bundesweit einmaligen mobilen Informations- und Bildungsinitiative „Expedition N – Nachhaltigkeit für Baden-Württemberg“ steht nun die Energiewende im Vordergrund. Der erste Teil der vor drei Jahren gestarteten Aktion hatte den Bereich Energie und Umwelt zum Thema. An den besuchten 204 Standorten zog das Nachhaltigkeitsmobil bisher mehr als 300 000 Besucher an.

Neu gestalteter Ausstellungs-Truck

Der neu gestaltete zweistöckige Sattelschlepper hatte bereits zu der Einheitsfeier am 3. Oktober Station auf dem Karlsplatz gemacht. Dort traf er auf großes Interesse – ganz im Sinne des Ministers: „Das Fahrzeug regt an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Ein wichtiges Ziel der Ausstellungsmacher ist, die Menschen zum Nachdenken über die Energiewende anzuregen. Daher geht es auch weniger darum, Wissen zu vermitteln, sondern mit Fragen den Besucher zum Mitmachen anzuregen. „Viele Texte enden daher auch mit einer Frage“, beschreibt Ortwin Renn das Konzept. Der Stuttgarter Nachhaltigkeitsforscher hat zusammen mit einer Reihe anderer Fachleute die Ausstellung entworfen. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) war an der Konzeption beteiligt. „Stromproduktion, Speicherung, Verteilung, Effizienz und Lebensstil – all das kommt hier zum Ausdruck, und zwar ohne erhobenen Zeigefinger“, fasst die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender den Inhalt der Ausstellung zusammen.

Lehrreiche Experimente

Einige nette Experimente erleichtern dabei den Einstieg. So kann der Besucher Wasser hochpumpen, das dann über eine Turbine läuft und dabei Strom produziert. Oder man produziert mit einer Handkurbel Strom, der Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff spaltet. Mit Letzterem kann man dann per Miniexplosion einen Tischtennisball in die Luft befördern. In den folgenden Exponaten sollen die Besucher die Energiewende als Verbraucher, Versorger oder Verwalter betrachten. Dieses Konzept eignet sich besonders gut für Rollenspiele in einer Gruppe, etwa einer Schulklasse. Anschließend lassen sich dann die verschiedenen Aspekte der Energiewende, wiederum in einer Rollenverteilung, im oberen Stockwerk des Trucks diskutieren. Zentrale Botschaft: die Energiewende kann nur gelingen, wenn man die Perspektive des jeweils anderen sieht – und akzeptiert.

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