Bildungsmanager Klaus Vogt Geheimnisvoller Doktortitel stammt aus Bratislava

Slowakische Hauptstadt Bratislava: Dorado für deutsche Doktoranden Foto: picture-alliance//Oliver Berg

Woher hat Klaus Vogt, der Chef des Kolping Bildungswerks, seinen Doktortitel? Das Rätselraten ist beendet: er hat in der Slowakei promoviert. Für deutsche Doktoranden bietet das Land Vorteile, aber auch Risiken.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Seine Doktorarbeit war strikte Geheimsache. Niemand wollte verraten, wo und worüber Klaus Vogt (53) promoviert hat. Nicht das Kolping Bildungswerk Württemberg, dessen Chef er ist. Nicht der von ihm geführte Verband Deutscher Privatschulverbände. Nicht die Stadt Stuttgart, der er bis 2011 als Wirtschaftsförderer diente. Und schon gar nicht Vogt selbst. Über einen Medienanwalt ließ er auf einen anderen Anwalt verweisen, der ihm einst bescheinigt habe, dass er den „im Ausland erworbenen Titel“ in Deutschland führen dürfe.

 

Stimmte etwas nicht mit Vogts Promotion? Waren seine wissenschaftlichen Erkenntnisse so dünn, dass sie besser nicht öffentlich würden? Solche Fragen kamen durch die Geheimniskrämerei auf.

Chancen des Handwerks als Thema

Nun wird das Rätsel gelüftet, zumindest teilweise. Im kleinen Kreis nämlich hat der Bildungsmanager schon mal über die Herkunft seines Titels gesprochen: in Bratislava habe er den Doktor gemacht, der Hauptstadt der Slowakei. Es gehe darin um kleine und mittlere Unternehmen, erfuhren (einstige) Vertraute. Doch das Werk selbst bekam kaum einer zu sehen. Wenn Vogt es überhaupt einmal herausrückte, dann nur kurz. Die Arbeit sei nicht allzu dick, heißt es seither.

Ein „Dr.“ aus dem Osten – stimmt das? Die Nachfrage lässt der Kolping-Manager nun nicht mehr vom Medienanwalt beantworten, sondern von einem PR-Berater. Jawohl, bestätigt der, Vogt habe an der Wirtschaftsuniversität Bratislava promoviert. Im Fach Betriebsführung und Betriebswirtschaft sei ihm 1999 der akademische Grad „philosophiae doctor“ verliehen worden. Das Thema seiner Dissertation: „Marktchancen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Bundesrepublik Deutschland und der Slowakischen Republik – exemplarisch dargestellt am Wirtschaftszweig Handwerk.“

Oft sind teure Vermittler im Spiel

Nach der damaligen slowakischen Rechtslage sei die Arbeit nicht zu veröffentlichen gewesen. Folglich bleibe Vogts Promotionsschrift unveröffentlicht – und damit auch „in Deutschland nicht auffindbar“, wie Plagiatsjäger bedauern. In Bratislava hatte Vogt laut dem Sprecher an einem Promotionsstudiengang teilgenommen, der mit der Fachhochschule Rosenheim für „besonders qualifizierte“ Absolventen angeboten wurde. Er habe sich selbst beworben, ein „Promotionsvermittler“ sei nicht im Spiel gewesen.

Ungewöhnlich wäre das keineswegs. Seit Langem gilt die Slowakei als ein Land, in dem man es mit relativ wenig Aufwand zum Doktor bringen kann. Immer wieder gab es Schlagzeilen über gewerbliche Berater oder Vermittler, die für bis zu fünfstellige Summen den Weg dazu ebneten. Die Formulierung „Den Titel erwerben“ bekam so einen doppelten Klang. „Deutschen Doktoranden werden an slowakischen Hochschulen zum Teil erleichterte Promotionsbedingungen eingeräumt“, bestätigt ein Sprecher der Kultusministerkonferenz (KMK), die auch für die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse zuständig ist. Dabei würden „häufig“ die Dienste von Promotionsvermittlern genutzt, „gegen nicht unerhebliche Gebühr“.

Aberkennung des Titels nicht möglich

Die Umstände des Graderwerbs, so der Sprecher, seien „im Einzelfall zu prüfen“. Deshalb stelle man für Doktorgrade aus der Slowakei keine „Zeugnisbewertungen“ aus, die die Gleichwertigkeit der Abschlüsse attestieren. Doch seit 2003 besteht zwischen Deutschland und der Slowakei ein Äquivalenzabkommen, das deren wechselseitige Anerkennung regelt. Der „doctor philosphiae“ wird damit zum deutschen „Dr.“, der ohne jeden Zusatz geführt werden darf. Ein weiterer Vorteil des slowakischen Doktors: er kann praktisch nicht entzogen werden. „Ausführungen zur Aberkennung von verliehenen Graden“, heißt es bei der KMK, seien dem slowakischen Hochschulgesetz nicht zu entnehmen.

Der Nachteil: Hin und wieder wird öffentlich erörtert, was ein solcher Titel eigentlich wert sei. Vor einigen Jahren war das beim Bürgermeister von Haigerloch so, der seinen Doktor im slowakischen Banska Bystrica gemacht hatte. Ein Hamburger Professor durchleuchtete beharrlich die aus seiner Sicht fragwürdigen Umstände. Das Wissenschaftsministerium und die Staatsanwaltschaft wurden aktiv. Doch am Ende wurde dem Schultes attestiert, formal habe alles seine Richtigkeit. Heute ist die peinliche Debatte verblasst – aber der „Dr.“ strahlt vor seinem Namen.

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