InterviewKultusministerin Susanne Eisenmann „,Ersetze Buch durch Laptop’ ist keine Pädagogik“

Von Barbara Czimmer-Gauss 

Digitalisierung ist eine der Herausforderungen in der Bildung. Im Interview mit dieser Zeitung spricht sich Kultusministerin Susanne Eisenmann für den Ausbau digitaler Mittel an Schulen aus, warnt aber davor, Pädagogik durch technische Mittel ersetzen zu wollen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann tauscht den Landtag mit dem Messegelände Foto: dpa
Kultusministerin Susanne Eisenmann tauscht den Landtag mit dem Messegelände Foto: dpa
Sie haben diese Woche zwölf Termine auf der Didacta. Bleibt da Landespolitisches liegen?
Nein. Ich habe auf der Messe ein Büro bezogen und werde von ein bis zwei Mitarbeitern begleitet. Dadurch kann ich zwischen Terminen auch mal Akten bearbeiten und Telefontermine wahrnehmen, damit wichtige Vorgänge weiterbearbeitet werden. Gleichzeitig kann ich eine hohe Präsenz auf der Didacta garantieren, Gespräche und Diskussionen führen. Es ist ja Teil meiner Arbeit, dass ich als Kultusministerin, gepaart mit meiner Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz, an Ort und Stelle bin. Das ist ein klares Bekenntnis für diese Messe. An den Sitzungen des Landtags am Donnerstag nehme ich aber teil.
Welchen Messe-Schwerpunkt setzen Sie?
Es liegen vier Themen auf der Hand. Die Digitalisierung unter dem Stichwort: Technik folgt Pädagogik, nicht umgekehrt. Zum anderen sind die berufliche Bildung, ferner die Bildungsgerechtigkeit und das Thema Qualität entscheidend, da haben wir – siehe Leistungsvergleiche – in den baden-württembergischen Schulen Handlungsbedarf. Dafür erhoffe ich mir von der Didacta neue Akzente und andere Sichtweisen.
Der erste Schritt zur Digitalisierung der Schulen waren Laptopklassen. Waren die Projekte erfolgreich?
Unsere Tabletprojekte an beruflichen und allgemeinbildenden Schulen, werden ­landesweit wissenschaftlich begleitet. Wir wollen analog zum Einsatz der Tablets, je nach Alter und je nach Schulart und Fach, wissen: Mit welcher Pädagogik macht der Einsatz von Medien Sinn? Ersetze Buch durch Laptop oder Tablet ist keine Pädagogik. Wir brauchen noch wissenschaftliche Erkenntnisse.
Es gab einen kleinen Aufschrei, weil grafikfähige Taschenrechner beim Abi 2017 verboten worden sind. Wie passt das mit der Digitalisierungsoffensive zusammen?
Das Verbot bezieht sich nur auf Prüfungen. Ich habe diese frühere Entscheidung bestätigt, weil wir ausschließen müssen, dass jemand, der besonders gut mit solchen Geräten umgehen kann, einen Vorteil hat. Deshalb lassen wir zu Prüfungen Geräte zu, aber eben normierte Geräte wie andere Bundesländer auch. Wie die Prüfungen aussehen, wenn zuvor Laptops im Unterricht eingesetzt worden sind, ist ein anderes Thema.
Welche Summen plant die Landesregierung für die Digitalisierung ein?
Es ist unrealistisch, eine Summe zu nennen. Digitalisierung zieht sich durch den ganzen Koalitionsvertrag der Grün-Schwarzen Landesregierung. Da geht es um schnelles Internet, Breitbandverkabelung im ländlichen Raum und um die Anschlüsse in Schulen, aber auch um die Frage, wie sich Pädagogik mit sinnvollem Medieneinsatz weiterentwickeln kann. Braucht wirklich jeder Schüler einen Laptop? Das gilt es zu prüfen. Diese Punkte müssen wir bewerten und mit den Kommunalen Spitzenverbänden besprechen, weil es um Investitionen geht, die nicht zu unterschätzen sind. Aber wir sollten zunächst wissen, was wir erreichen wollen.
Die berufliche Bildung im Land hat einen ­guten Ruf. Was muss angepackt werden?
Wir wollen vor allem vermitteln, dass eine duale Ausbildung nach dem Abitur ein erfolgreicher Weg sein kann und sich dem Abi nicht zwingend ein Hochschulstudium anschließen muss. Die Integration von Jugendlichen mit Fluchterfahrung, die Inklusion auf dem regulären Arbeitsmarkt, mit diesen Themen müssen wir zwingend umgehen.
Am Samstag ist Familientag auf der Messe. Empfehlen Sie Eltern den Besuch?
Ich empfehle den Besuch sogar sehr dringend. Man bekommt sehr gut Einblick, wohin sich Bildung entwickelt. Eltern sind ganz entscheidende Partner in der Bildung. Welche Einschätzungen sie haben und welche Bedarfe sie sehen, ist deshalb auch wichtig für die Bildungspolitik. Ich glaube, dass wir auf Eltern als Gesprächspartner nicht verzichten sollten. Deshalb würde ich mich über ihren Besuch freuen.