Bildungsreformen in Baden-Württemberg Medienbildung wird Pflichtfach an allen Schularten

Ab dem Schuljahr 2025/2026 soll es an jeder weiterführenden Schulart ein eigenes Fach Medienbildung geben. Foto: /Funke Foto Services//Alexandra Roth

Grün-Schwarz nutzt die Rückkehr zum G9, um die Digitalkompetenz der Schüler im Land flächendeckend zu stärken. Was das Bildungspaket sonst noch enthält, und wie die Reaktionen ausfallen.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Die grün-schwarze Koalition nutzt das an diesem Dienstag im Kabinett beschlossene Bildungspaket mit Reformansätzen für Kitas, Grundschulen und alle weiterführenden Schulen bis zum Gymnasium auch zur Stärkung der Digitalkompetenzen aller künftigen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg. Ab dem Schuljahr 2025/2026 soll es nicht nur, wie bereits berichtet, am Gymnasium sondern an jeder weiterführenden Schulart ein eigenes Fach Medienbildung geben. „Nur wenn wir unseren Kindern die richtigen Kompetenzen und Fähigkeiten für die Herausforderungen von morgen mitgeben, bleibt Baden-Württemberg auch zukünftig ein starkes Land mit hoch qualifizierten Menschen und einer innovativen Wirtschaft“, erklärte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) bei der Vorstellung des Pakets. Ihr sei deshalb neben der Demokratiebildung auch die digitale Bildung besonders wichtig.

 

An Haupt- und Werkrealschulen, Gemeinschafts- und Realschulen wird es nach Schoppers Worten künftig in jeder Klassenstufe eine Stunde Unterricht in Medienbildung, KI und Informatik geben, weil nach Schoppers Einschätzung schon heute kaum ein Berufsfeld ohne Kompetenzen in diesem Bereich auskommt. An den Gymnasien soll dieses Fach von der fünften bis zur elften Klasse durchgängig auf dem Stundenplan stehen, sobald der Wechsel vom achtjährigen zum neunjährigen Weg bis zum Abitur wieder die Regel im Land geworden ist.

Grundschulempfehlung verbindlich fürs Gymnasium

Mit dem Wechsel zum neuen G9 im übernächsten Schuljahr sollen auch die Mintfächer gestärkt und ein besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Kernkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen in der fünften und sechsten Klasse gerichtet werden. Auch die Grundschulempfehlung soll ab diesem Zeitpunkt, wie von der grün-schwarzen Koalition angekündigt, wieder verbindlicheren Charakter bekommen. Wenn Elternwille und Empfehlung der Schule nicht übereinstimmen, soll die erfolgreiche Teilnahme am landesweiten, verpflichtenden Kompetenztest „Kompass 4“ den Ausschlag geben. In Zweifelsfällen kann darüber hinaus ein sogenannter „Potenzialtest“ abgelegt werden, der dann den Ausschlag für die weitere Schulkarriere gibt. Da Haupt-, Gemeinschafts- und Realschulen sowohl zum Hauptschulabschluss als auch zur Mittleren Reife führen, ist eine verbindliche Empfehlung für sie nicht vorgesehen.

Beim zweiten Teil des Reformpakets, der Sprachförderung zu Beginn der Bildungslaufbahn, will die Landesregierung schon früher starten, nämlich im nächsten Schuljahr. Nach den Sommerferien soll der Ankündigung von Schopper zufolge das Programm „Sprach-Fit“ starten, bei dem alle Kinder mit erkanntem Sprachförderbedarf schon im Jahr vor der Einschulung in der Kita ein intensives Sprachtraining bekommen sollen. Schopper kalkuliert damit, dass rund 30 000 Kinder jährlich einen solchen Förderbedarf haben. Festgestellt werden soll dies mit der Einschulungsuntersuchung. Beim Start von Sprach-Fit werden allerdings noch nicht alle Kinder ein solches Angebot erhalten. Dafür sind laut Kultusministerium landesweit rund 4200 Gruppen notwendig. Sie sollen Zug um Zug bis zum Schuljahr 2027/28 ausgebaut werden.

Eltern finden Sprachförderung überfällig

Die Ankündigungen Schoppers lösten ein gemischtes Echo aus. Während die Landtags-FDP von „Trippelschritten“ sprach, bescheinigte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, dem Reformpaket „Potenzial“. Voraussetzung für das Gelingen sei allerdings „eine gute Personalausstattung und eine gute Kommunikation“. Der Philologenverband freut sich über die flächendeckende Rückkehr von G9 , bei der viele seiner zentralen Forderungen berücksichtigt worden seien. Die GEW findet die vierstündige Sprachförderung im letzten Kita-Jahr zu knapp bemessen und spricht sich für das alternative Konzept der alltagsintegrierten Sprachförderung aus. Der Chef des Landeselternbeirats Sebastian Kölsch nannte die Entscheidung zur Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr „überfällig“. Noch besser hätte er ein Kindergartenpflichtjahr gefunden. Verhalten fiel die Reaktion des Unternehmensverbands UBW aus. „Ob mit den Reformplänen die Ziele in der Bildungspolitik erreicht werden können, darf noch bezweifelt werden“ monierte Stefan Küpper.

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