Bilkay Öney Seite 2: Porträt - wer ist Bilkay Öney?

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

 

Porträt: Eine Ex-Grüne und echte Berliner Pflanze

Sie mag türkische Filmemacher, deutsche Satiriker und britische Teekultur: Bilkay Öney, Baden-Württembergs künftige Integrationsministerin, gibt sich weltoffen und vielschichtig. Um die Integration bemüht sich die Berlinerin seit Jahren - denn die Probleme sieht sie vor ihrer Haustür in Moabit jeden Tag.

Die gebürtige Türkin zählt nicht zur ersten Riege der Berliner Landespolitiker, hat sich aber mit abgewogenen Positionen einen Namen gemacht. Dass viele Deutsche die Türken im Land noch immer wie vor 40 Jahren sähen, kritisierte sie einmal, und dass viele die vollständige Integration nicht wollten. Gleichzeitig machte Öney aber auch den Türken in Deutschland Vorwürfe: „Wir bleiben unter uns, spielen unsere eigene Musik.“

Öney arbeitet mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit in der Steuerungsgruppe Integration beim SPD-Bundesvorstand und vertritt einen breiten Integrationsbegriff: Nicht nur Zuwanderer würden ausgegrenzt, auch Arme, Alte, Arbeitslose, Behinderte. „Ein Patriot ist der, der dafür sorgt, dass Deutschland Heimat wird für alle Kinder, die hier aufwachsen. Das nennt man Integration“, zitiert Öney den Journalisten Heribert Prantl und fügt hinzu: „Ich bin Patriotin und Abgeordnete.“

Mit drei Jahren nach Deutschland gekommen

Geboren wird sie 1970 in Ostanatolien. Im Jahr darauf gehen die Eltern nach Hamburg, 1973 folgt die Tochter nach. Zwei Jahre später zieht die Familie nach Berlin. Die Eltern arbeiten als Lehrer, die Tochter wird Pfadfinderin. Dort prägt Öney nach eigenen Worten ihren Sinn für Gleichberechtigung, soziale Verantwortung und Gerechtigkeit, Antirassismus und Antisemitismus. Sie studiert Betriebswirtschaft, arbeitet als Bankangestellte und Fernsehredakteurin. Den Wechsel in die Politik begründet sie mit Brecht: „Wer gegen die Politik ist, ist für die Politik, die mit ihm gemacht wird.“

In der SPD danken die Genossen der 40-Jährigen für ihren aufsehenerregenden Wechsel von den Grünen zu den Sozialdemokraten vor zwei Jahren, als mehrere Fraktionswechsel das Berliner Landesparlament durcheinanderwirbelten. Zwischenzeitlich war die Mehrheit der rot-roten Regierungskoalition auf eine Stimme geschmolzen. Öney sorgte sich nach eigenen Worten wegen der Schwächung von Rot-Rot inmitten der Wirtschaftskrise. Sie wolle für soziale Gerechtigkeit kämpfen. Die Grünen argwöhnten dagegen, die Abtrünnige fürchte die Konkurrenz einer anderen türkischstämmigen Migrationsexpertin, die zuvor von der SPD zu den Grünen gewechselt war.

Unsere Empfehlung für Sie