Bill Evans and the Spykillers bei Jazz Open Jazz ist eine Wundertüte

Von Bernd Haasis 

Begeisterung im Bix: Die Spykillers, eine Band um den US-Saxofonist Bill Evans und den deutschen Schlagzeuger Wolfgang Haffner, haben dem Festival Jazz Open einen ersten Höhepunkt beschert.

Evans Foto: Opus/Wolf Peter Steinheisser 21 Bilder
Evans Foto: Opus/Wolf Peter Steinheisser

Stuttgart - Eigentlich sollte es keine längst keine Überraschung mehr sein, dass die spektakulärsten Konzerte des Festivals Jazz Open am kleinsten Spielort stattfinden: im Jazzclub Bix. Und doch ist es höchst erstaunlich, wie frisch und lebendig Bill Evans and the Spykillers dort am Freitag vor ausverkauftem Haus den Fusion-Jazz sprudeln lassen – dieser Abend gehört schon jetzt zu den Höhepunkten des Stuttgarter Konzertjahres.

Allein die Besetzung spricht dafür: Der US-Saxofonist Bill Evans (61, Miles Davis und Herbie Hancock), nicht verwandt mit dem gleichnamigen Pianisten, ist ein eleganter, mitunter impulsiver Lyriker und erzählt in Motiven, Themen und ganz freien Soloexkursen von den Dramen des Lebens; der deutsche Weltklasse-Schlagzeuger Wolfgang Haffner (53, Peter Herbolzheimer, Chaka Khan, Passport) reiht permanent kleine Kunststücke aneinander, ohne je den satten Groove aus den Augen zu verlieren; und der quicklebendige E-Bassist Gary Grainger (64, John Scofield, Dennis Chambers) pumpt und slappt und unterlegt passgenau zweite Stimmen unter Evans‘ schwebende Narrative.

Immense Spielfreude

Als Wundertüte entpuppt sich aber der vierte Mann: Der erst 21-jährige, aus Aachen stammende Simon Oslender (21) an der Hammond-Orgel. Bei den im Bix üblichen Sauna-Temperaturen – Frage an die Stadt: Wann kommt endlich die Klimaanlage? – spielt er nie einfach nur Noten, Melodien oder Akkorde, sondern lässt Klangwolken erblühen und große Themen vorüberziehen und kostet dabei das charakteristische Gurgeln und Schnaufen seiner B3 voll aus.

Eine immense Spielfreude entfaltet das deutsch-amerikanische Quartett, ganz besonders dann, wenn es in vertrackten ungeraden Rhythmen besonders kompliziert wird und die Musiker es es genüsslich besonders leicht klingen lassen. Kluge dramaturgische Wendungen sorgen für einen durchweg spannungsgeladenen Abend, etwa wenn Evans am Flügel mit rauer Männerstimme singend fragt: „Where is my Soul?“ Die getragene Americana-Nummer heißt „Bones from the Ground“ und soll auf einem bald erscheinenden Album enthalten sein. Bis dahin gibt es die CD „Live Down Under“, allerdings nur exklusiv bei den Künstlern selbst, die nach dem Konzert viel zu signieren haben – begeisterte Stuttgarter bilden eine lange Schlange vor dem Verkaufsstand.