Bill Murray als Musikproduzent in „Rock the Kasbah“ Talentshow in Afghanistan

Von kah 

In den USA bringt er es zu nichts mehr, also versucht ein abgehalfterter Musikproduzent (Bill Murray) sein Glück in Afghanistan. Leider verpasst der Regisseur Barry Levinson mit „Rock the Kasbah“ die Chance auf eine große Satire.

Richie Lanz (Bill Murray) versucht, in Afghanistan den Überblick zu behalten. Foto:  
Richie Lanz (Bill Murray) versucht, in Afghanistan den Überblick zu behalten. Foto:  

Als Joe Strummer, der Sänger der Punk-Band „The Clash“, hörte, dass das US-Militär 1992 eine mit dem Slogan „Rock the Casbah“ beschriftete Bombe über dem Irak abgeworfen hatte, weinte er. Denn mit diesem nun ins Zynische gewendeten Schlachtruf hatte er zehn Jahre zuvor in einem Song gegen das Verbot westlicher Musik im Iran protestiert.

„Rock the Kasbah“ heißt auch Barry Levinsons Geschichte um den abgehalfterten US-Musikproduzenten Richie Lanz (Bill Murray), der eine Paschtunin in einer afghanischen TV-Talentshow platziert. Das einzige, was Levinsons Film mit der Intention Joe Strummers verbindet, ist die Hoffnung, Musik könne kulturelle und politische Gräben überwinden. Allerdings beginnt „Rock the Kasbah“ ähnlich interessant wie Levinsons Antikriegsdrama „Good Morning, Vietnam“ (1987), in dem er einen Musiknerd in Vietnams Hölle im Jahr 1965 aussetzte.

Simpel und kuschelig

Es ist komisch und absurd, wie nun der Möchtegern-Rocker Richie fünfzig Jahre später mit der fragwürdigen Lässigkeit eines politisch unbedarften Amerikaners durchs instabile Afghanistan flaniert. Auch durch seine Begegnungen mit Landsleuten wie Bombay Brian (Bruce Willis), einem Söldner mit schriftstellerischen Ambitionen, oder der Prostituierten Merci (Kate Hudson) entstehen aberwitzige Momente.

Doch als Levinson Richie auf die musikalisch begabte Paschtunin Salima (Leem Lubany) loslässt, verpufft sein satirischer Ansatz. Nun propagiert der Film ein simples Weltbild, in dem die afghanische Bevölkerung bloß als tumbe, bis unter die Zähne bewaffnete Meute Platz hat und wo Salima, die bei der Musikshow „Afghan Star“ ohne Schleier auftritt, die Zuschauer mit den zuckrigen Friedensbotschaften von Cat-Stevens-Balladen besänftigt. Levinson opfert die Subversion zu Gunsten einer kuscheligen Wohlfühlmoral.

Rock the Kasbah. USA 2015. Regie: Barry Levinson. Mit Bill Murray, Bruce Willis, Kate Hudson, Leem Lubany. 106 Minuten. Ab 12 Jahren.