Bill und Melinda Gates trennen sich Die Spenden dürften weiter fließen

Bill und Melinda Gates gehen getrennte Wege. Foto: AFP/Scotto Olson

Bill und Melinda Gates reichen die Scheidung ein. Wer genau hinhörte, konnte die Zeichen der Ehekrise erkennen. Doch was passiert mit der gemeinsamen milliardenschweren Stiftung?

Seattle - Es gab sie, die Signale, die Probleme vermuten ließen. Vor zwei Jahren, in einem Interview mit der Londoner „Sunday Times“, hat Melinda Gates mehr oder weniger dezent angedeutet, welchen Spannungen ihre Ehe mit Bill ausgesetzt war. Ihr Mann, blendete sie auf die Anfänge zurück, habe lange überlegt, ob er heiraten solle. Die Entscheidung sei ihm schwergefallen, so schwer, dass er auf einer Tafel Punkt für Punkt das Pro und Contra auflistete. Nur sei es dabei nicht um sie gegangen, sondern um seine Zweifel: „Kriege ich die Balance zwischen Arbeit und Familie hin?“ Oft habe er dann 16 Stunden am Tag gearbeitet. Es habe Tage gegeben, an denen die Ehe solchen Belastungen ausgesetzt war, dass sie sich gefragt habe: „Schaffe ich das?“

 

„Unwiderruflich gescheiterte Ehe“

Privates gaben Bill und Melinda Gates so gut wie nie preis. Gerade in Zeiten der Pandemie sprachen sie dagegen oft gemeinsam über die Entwicklung und die gerechte Verteilung von Impfstoffen, ein zentrales Anliegen ihrer Stiftung.

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Außenstehende konnten nicht ahnen, dass diese Ehe vor dem Aus stand. Über die Gründe sagt das knappe Statement, das beide, er 65, sie 56 Jahre alt, parallel bei Twitter verbreiteten, praktisch nichts. „Nach reiflicher Überlegung und viel Arbeit an unserer Beziehung haben wir die Entscheidung getroffen, unsere Ehe zu beenden“, schreiben sie. Die gemeinsame Tätigkeit in der Stiftung wolle man fortsetzen, „wir glauben aber nicht mehr daran, dass wir als Paar in der nächsten Lebensphase gemeinsam wachsen können“. Im Scheidungsantrag, eingereicht in Seattle, ist von einem unwiderruflich gescheiterten Ehebund die Rede. Jennifer Gates, 25, das älteste der drei Kinder, bittet via Instagram darum, die Privatsphäre der Familie zu respektieren. Phoebe Adele, die jüngste Tochter, ist seit September 18. Möglicherweise, spekulieren Amerikas bunte Blätter, haben ihre Eltern mit der längst ins Auge gefassten Trennung gewartet, bis sie volljährig war.

Melinda Gates trat aus dem Schatten heraus

Wie es begann, auch darüber hat Melinda Gates ein paar Anekdoten zum Besten gegeben – in „The Moment of Lift“, einem Buch über ihr gemeinnütziges Engagement, ebenso wie in einem von Netflix produzierten Dokumentarfilm. 1987 fing Melinda French, Absolventin der Duke University in North Carolina, bei Microsoft an. Vier Monate später begleitete sie den Gründer der Firma auf einer Dienstreise nach New York. Zurück in Seattle, stellte Bill Gates bei einem Flirt auf dem Parkplatz die Frage, ob sie in zwei Wochen mit ihm ausgehen wolle. Sie lehnte ab: Das sei ihr nicht spontan genug, er solle sie kurz vor Ablauf der zwei Wochen noch einmal fragen. Eine Stunde später rief er an, um sie noch am selben Abend zum Dinner einzuladen. „Ist das spontan genug für dich?“, zitierte sie ihn. 1994 folgte die Hochzeit auf Hawaii.

Nachdem Bill den Posten des Microsoft-Chefs an Steve Ballmer übergeben hatte und die Bill & Melinda Gates Foundation entstanden war, trat seine Partnerin aus seinem Schatten heraus. 2006 sprach sie im Weißen Haus über den Kampf gegen Malaria, 2010 während der UN-Generaldebatte über den Kampf gegen Armut. Die Stiftung ist mittlerweile die größte private der Welt, global tätig in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Entwicklungszusammenarbeit und Familienplanung.

Wird Melinda Gates die größte Wohltäterin der Welt?

Etwa 55 Milliarden Dollar sind bislang in Projekte rund um den Globus geflossen. Skeptiker wie der Politikwissenschaftler Robert Reich befürchten, die Scheidung könnte Auswirkungen auf kommende Budgets der Stiftung haben. David Callahan, Gründer der Webseite „Inside Philanthropy“, prophezeit dagegen, dass Melinda Gates eine herausragende Rolle im karitativen Sektor spielen wird. Das Vorbild , wäre MacKenzie Scott.

Scott, bis 2019 mit dem Amazon-Gründer Jeff Bezos verheiratet, spendete allein im vorigen Jahr sechs Milliarden Dollar, vor allem für kleinere, wenig bekannte Hilfsorganisationen in den USA. Folgt man „Forbes“, handelte es sich dabei um rund ein Zehntel ihres Besitzes. Es dürfte ungefähr die Größenordnung sein, mit der auch bei Melinda Gates zu rechnen ist. Das Vermögen des Ehepaars Gates wird auf 124 Milliarden Dollar geschätzt. Wird die Trennung nach den Gesetzen des Pazifikstaats Washington vollzogen, steht beiden davon exakt die Hälfte zu.

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