Bio-Großhändler in Kornwestheim Wie die Bio-Pasta in die Kantine kommt – Blick hinter die Kulissen beim Großhändler

Holger Jungclaussen leitet den Epos-Standort in Kornwestheim. Foto: Simon Granville

300 Mensen, Kantinen und andere Gastronomie beliefert der Bio-Großhändler Epos Bio Partner von Kornwestheim aus. Der Standortleiter erklärt, warum der Markt wächst, welche Produkte der Renner sind und wie Homeoffice das Geschäft beeinträchtigt.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Seit wenigen Monaten gibt es im Kornwestheimer Gewerbegebiet Holzgrund eine neue Firma. Epos Bio Partner beliefert Restaurants, Kantinen und Mensen mit Bio-Lebensmitteln und hat seinen Stammsitz in der Nähe von München. Der Standort Kornwestheim deckt etwa 300 Kunden vor allem im nördlichen Baden-Württemberg und südlichen Hessen ab, liefert aber auch nach ins Südbadische nach Freiburg.

 

Für den Kornwestheimer Standortleiter Holger Jungclaussen endete mit der Einweihung im Oktober eine fünf Jahre lange Suche nach einem passenden Standort. „Davor waren wir in Möglingen, aber wir wollten mehr Platz“, sagt Jungclaussen. Die Suche nach einem größeren Lager mit Büro und Laderampe war dabei nicht leicht. Deshalb ist Jungclaussen über den neuen Standort in Kornwestheim besonders froh. Zudem hat er von seinem Büro einen unverbauten Ausblick auf ein Maisfeld. „Leider konventionell angebaut. Vielleicht können wir den Nachbarn noch von Bio überzeugen“, sagt Holger Jungclaussen, der in Vaihingen an der Enz wohnt.

Bei Epos sieht man sich in einem wachsenden Markt. „Früher war die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln auf den Einzelhandel beschränkt, das ändert sich aber“, so der Vaihinger. Vermehrt gebe es auch in der Gastronomie den Wunsch, auf Lebensmittel mit dem Bio-Siegel umzustellen, und da kommen dann die Neu-Kornwestheimer ins Spiel. „Das kann von den Mitarbeitern in Kantinen ausgehen oder von der Geschäftsführung, die Nachhaltigkeit vorschreibt. Am wichtigsten ist aber immer noch der Wille des Kochs“, erklärt Jungclaussen.

Hier in der Münchinger Straße in Kornwestheim werden täglich Tausende Bio-Lebensmittel verschickt. Foto: Simon Granville

Mehr als 10 000 Bio-Artikel von frischen Lebensmitteln bis Tiefkühlkost hat Epos im Angebot. Am Standort in Kornwestheim werden etwa 100 verschiedene Artikel gelagert von Milch aus Bayern und dem Schwarzwald bis Pasta aus Italien – Regionalität lässt sich nicht immer realisieren. Am neuen Standort wurde extra ein Kühlhaus eingebaut. Derzeit nutze man dafür 1700 Quadratmeter von insgesamt 2300 Quadratmetern Fläche. Noch ist also viel Platz im Lager.

Mehr Bio-Essen für Schüler

Das Ziel ist es laut Jungclaussen, vor allem mehr regionale Kunden zu bekommen: „Für uns gehört eben auch zu Bio, dass es möglichst regionale Produkte sind und dass die Lieferwege kurz bleiben.“ Mit der kommenden Pflicht zur Ganztagsbetreuung in Schulen könnte der Bedarf nach Bio-Essen für Mensen steigen. Demnächst soll als Kunde das Mitarbeiterrestaurant von Wüstenrot zwischen Kornwestheim und Ludwigsburg dazukommen.

Dabei spürt auch Epos die Veränderungen in der Arbeitswelt. Seit Corona und dem Trend zum Homeoffice nähmen die Kantinen etwa ein Drittel weniger Essen ab. Absolute Nummer eins auf der Beliebtheitsskala bei Kantinenessen sei wahrscheinlich immer noch die Currywurst mit Pommes. „Aber es gibt mittlerweile auch Bio-Currywurst und hoffentlich bald Bio-Pommes aus Deutschland“, sagt Jungclaussen. Nicht immer ließen sich alle leicht von Bio überzeugen, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Weil Bio-Produkte teurer seien, merke man das sofort im Geldbeutel, die Nachteile konventioneller Produkte seien dagegen oft erst viel später spürbar.

Was heißt Bio?

Start
2001 wurde das staatliche Bio-Siegel ins Leben gerufen, um Verbrauchern eine bessere Orientierung zu bieten. Die Vergabe des Bio-Siegels richtet sich nach den Kriterien der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau.

Inhalt
Das Siegel weist auf Produkte hin, die ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln hergestellt wurden. Auch die artgerechte Tierhaltung ist wichtig sowie der Verzicht auf leicht lösliche mineralische Düngemittel und Gentechnik.

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