Biodiversität und Nachhaltigkeit Summen für die Wissenschaft

Von Christoph Kutzer 

Die Firma Drees und Sommer hält ihre eigenen Bienen in Stuttgart-Vaihingen. Sie liefern Honig und Daten für die Wissenschaft. Das Ziel: mehr Biodiversität und Nachhaltigkeit.

Rund 20 Kilogramm Honig haben die Bienen bei Drees und Sommer produziert, ein  willkommener  Nebeneffekt des Projektes. Foto: Drees & Sommer/BeeOdiversity (z)
Rund 20 Kilogramm Honig haben die Bienen bei Drees und Sommer produziert, ein willkommener Nebeneffekt des Projektes. Foto: Drees & Sommer/BeeOdiversity (z)

Vaihingen - Gesammelt von unseren kleinsten Mitarbeitern“ steht auf dem Honigglas mit dem Drees und Sommer Etikett. Seit Februar tummeln sich Tausende Bienen rund um die vier Bienenstöcke, sogenannte Beuten, die das Bau- und Immobilienunternehmen für seinen Standort in Stuttgart Vaihingen angeschafft hat. Rund 40 000 Hautflügler pro Stock seien es, erklärt Sebastian Beck, Senior Teamleiter Smart Infrastructure und Wabenfan der ersten Stunde.

Die rund 20 Kilogramm Honig, die die Insekten im ersten Jahr produzieren, sind ein willkommener Nebeneffekt. Längst arbeiten sie auch im Dienste der Wissenschaft: In einem gemeinsamen Projekt von Drees und Sommer und dem belgischen Start-up BeeOdiversity, das die Erfassung von Pflanzenarten und die Schadstoffbelastung der Luft analysieren soll. Qua Pollenanalyse.

Belastung mit Schwermetallen wird gemessen

„Anhand der Pollen lässt sich nachvollziehen, welche Blüten innerhalb der vier Messperioden angeflogen werden“, erklärt Nathanie Ursinus-Vasiliadis, Senior Innovation Managerin beim Immobilienspezialisten. „Wir sehen, was hier wächst, und können darüber hinaus die Belastung mit Schwermetallen oder Pestiziden messen.“

Beim Partner BeeOdiversity habe man sich zunächst auf das Imkergewerbe spezialisiert gehabt, dann aber festgestellt, wie viele Informationen die fleißigen Insekten en passant sammelten und mitlieferten. So änderte man das Geschäftsmodell Richtung Auswertung von Bienendaten. „Das ist für uns spannend, da sich der Ansatz auch auf Bauprojekte anwenden lässt“, so Ursinus-Vasiliadis. Sie denkt an die Auswahl von Pflanzen für die nachhaltige Begrünung von Gebäuden und Rückschlüsse für Stadt- und Quartierplanung. Drees und Sommer selbst will erste Ergebnisse möglichst bei der Bepflanzung eines Neubaus in Vaihingen einbeziehen.

„Wir wollen die Welt enkelfähiger machen“, postuliert Sebastian Beck seinen Anspruch. Dazu gehöre auch die Bewahrung und Förderung der Biodiversität. Ganz so einfach sei das allerdings gar nicht, räumt er ein: Es lasse sich nicht beeinflussen, wo die Bienen hinflögen.

Überhaupt seien die Tierchen komplizierter als man denke. „Ich lebe ziemlich ländlich“, gibt er zu verstehen. „Ich habe mir nie weiter Gedanken um Bienen gemacht. Sie waren eben da.“ Jetzt weiß der Hobby-Imker, wie sich bei den Brumseln Krankheiten ankündigen oder was droht, wenn die Schwarmtriebkontrolle nicht sauber ausgeführt wird. „Dann kann es passieren, dass ein Schwarm plötzlich am Baum oben hängt, weil sich eine zweite Königin etabliert hat, die in der Beute sitzt und weil die Vorgängerin mit ihrem Gefolge ausgewandert ist“, so der Fachmann, der begeistert ist, welche Möglichkeiten die Kunst der Bienenzucht, die sich über mittelalterliche Klöster und die Antike bis zu 12 000 Jahre zurückverfolgen lässt, für die heutige Wissenschaft bietet.

Deutschlandweit haben viele Firmen Bienenstöcke

Angefangen hat alles mit einer Veranstaltung der Uni Hohenheim, wo sich auch der Sitz der Landesanstalt für Bienenkunde befindet. Rasch war das Interesse einiger Mitarbeiter von Drees und Sommer geweckt, selbst zu imkern. Es gebe deutschlandweit mehrere Firmen, die Bienen hielten, sagt Beck. Meist ließen sie ihre Schützlinge allerdings extern betreuen. „Das kam für uns nicht in Frage“, hält er fest. Fachlich beraten von Uwe Weingärtner, dem Vorsitzenden des Imkervereins Remstal, kümmerten sich zehn Bienenfreunde selbst um alles.

Das erleichtert auch die Projektarbeit mit BeeOdiversity. Die ersten Erkenntnisse lassen hoffen: Die Schwermetallbelastung sei gering, verrät Nathanie Ursinus-Vasiliadis. Bei den Pestiziden gebe es zwei unterschiedliche Messungen. Man vermute, der höhere Wert sei wohl auf den Düngemitteleinsatz eines Kleingärtners zurückzuführen. Weitere Erkenntnisse werden noch im November erwartet.




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