Biografie von Steve Jobs Ein Perfektionist mit Marotten

Von Frank Herrmann 

Am Donnerstag erscheint in Deutschland die autorisierte Biografie des verstorbenen Apple-Mitgründers Steve Jobs.

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Palo Alto - Er hat alles Mögliche ausprobiert, um den Krebs zu bekämpfen, Fruchtsäfte, Kräuterkuren und Akupunktur. Neun Monate verschleppte Steve Jobs die schließlich fällige Operation, nachdem Mediziner bei einer Routineuntersuchung einen Tumor in seiner Bauchspeicheldrüse entdeckt hatten.

"Ich wollte nicht, dass mein Körper geöffnet wird", vertraute er Walter Isaacson an, dem Journalisten, der seine autorisierte Biografie schreiben sollte. Isaacson hat eine andere Erklärung für das fatale Zaudern, nämlich ein Phänomen, das Jobs selber "magisches Denken" nannte. Der rebellische, gegen den Strich bürstende Unternehmer habe geglaubt, er könne die Realität gleichsam verbiegen, sich eine eigene Wirklichkeit schaffen.

Dazu müsse er nur ignorieren, was ihm nicht passe, störende Fakten praktisch wegzaubern. Auf diese Weise habe er seinen Tüftlern bei Apple Termine gesetzt, die eigentlich nicht zu halten waren, habe er Einwände mit einem energischen "Yes, you can" abgeschmettert. Auch den Krebs wollte er durch magisches Denken besiegen, glaubt Isaacson.

Jobs beauftragt Isaacson mit seinen Memoiren

Als sich der Krebskranke endlich operieren ließ, neun Monate nach der Diagnose im Oktober 2003, hatte der Tumor bereits auf benachbartes Gewebe übergegriffen. Dabei waren die Mediziner anfangs noch voller Hoffnung gewesen. Es sehe gut aus, die bösartigen Zellen wucherten nur langsam, machten sie ihm Mut. Er gehöre zu den fünf Prozent Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die geheilt werden könnten.

Es gleicht einer Lebensbeichte, was Walter Isaacson in "Steve Jobs: A Biography" aufgeschrieben hat und die seit Donnerstag auch in deutscher Übersetzung auf dem Markt ist. Im Laufe von zwei Jahren konnte er mehr als vierzig Gespräche mit dem Protagonisten führen, das letzte Mitte August, sieben Wochen vor dem Tod des Hightechgenies. Jobs schätzte den ehemaligen Chefredakteur des Magazins "Time", der seit geraumer Zeit das angesehene Aspen-Institut leitet.

2004 fragte er ihn bei einem Spaziergang in Colorado, ob er nicht Lust habe, ein Buch über ihn zu schreiben. Isaacson, der bereits Albert Einstein und Benjamin Franklin porträtiert hatte, fand es amüsant, dass sich Jobs offenbar in derselben Liga sah. Er wunderte sich, warum jemand mit Ende vierzig bereits über seine Memoiren nachdachte. Was er damals nicht wissen konnte, dass Jobs' erster chirurgischer Eingriff unmittelbar bevorstand. Am Montag erschien das Buch in den USA und parallel dazu spielte Isaacson im Fernsehmagazin "60 Minutes" bemerkenswerte Tonbandaufnahmen vor, Auszüge aus den Unterhaltungen mit Jobs.

Steve Jobs lebte in bescheidenen Verhältnissen

Zu hören ist die heisere Stimme eines kompromisslosen Perfektionisten, der schonungslos offen Kritik übte, wenn er nicht zufrieden war. "Gott, dieses Design haben wir wirklich vermasselt", gibt Jobs eine Kostprobe. "Ja, wir haben uns oft angeschrien", nicht jedem habe das gefallen.

In seinem ersten Job, beim Computerspiele-Hersteller Atari, wurde er zur Nachtschicht eingeteilt, weil seine Kollegen ihn für einen Sonderling hielten. Vor allem roch er schlecht, weil er irgendwie glaubte, sich dank veganischer Ernährung nur selten duschen zu müssen. Eine siebenmonatige Indienreise, motiviert durch die Suche nach spiritueller Erleuchtung, schildert Jobs als immens wichtigen Lebensabschnitt. In Indien habe er gelernt, Instinkten zu vertrauen und nicht nur dem rationalen Verstand - später bei Apple sein Erfolgsrezept.

In Palo Alto wohnte der mehrfache Milliardär mit seiner Familie bis zuletzt in einem vergleichsweise bescheidenen Haus in einer vergleichsweise einfachen Straße, ohne sich von Pförtnern bewachen oder von hohen Zäunen abschotten zu lassen. Seine Kinder sollten normal aufwachsen, "ich wollte nicht, dass das Geld mein Leben ruinierte", erzählte er Isaacson. Bei Apple habe er abschreckende Beispiele gesehen. Aus netten, unkomplizierten Menschen seien bizarre Typen geworden, die es plötzlich für nötig hielten, sich einen Rolls-Royce zu kaufen und ihre Frauen zu Schönheitsoperationen zu schicken.

Ahnungslos im Lokal des Vaters

Dann sind da noch die leiblichen Eltern, die Jobs nach der Geburt zur Adoption frei gaben. Seine Mutter Joanne spürte Steve Jobs in Los Angeles auf. Diese wiederum erzählte ihm von einer Schwester, von deren Existenz er bis dahin nichts wusste: Mona Simpson, eine Schriftstellerin. Im Duett mit Mona wollte er den biologischen Vater finden, Abdul Fattah Jandali, einen Amerikaner mit syrischen Wurzeln, einen promovierten Politikwissenschaftler, der die akademische Laufbahn abbrach, um Restaurants zu betreiben. "Ich habe recherchiert, und mir gefiel nicht, was ich über ihn erfuhr", sprach Jobs ein wenig kryptisch - und sehr kompromisslos - auf Isaacsons Band.

Er ließ Mona allein zum Vater fahren, bis zuletzt legte er keinen Wert darauf, ihn kennenzulernen. Einmal hat er ihn freilich getroffen, in einem Lokal im Silicon Valley, allerdings ahnungslos. Jandali war der Besitzer, Jobs der prominente Gast, dem man gern persönlich die Hand schüttelte.