Biologie Ein Kuckuck im Nest kann helfen

Ein Häherkuckuck hat den Aaskrähen ein Ei ins Nest gelegt. Nun sitzen Kuckuck-  (links) und Aaskrähenküken (rechts) nebeneinander. Foto: Universität Valladolid
Ein Häherkuckuck hat den Aaskrähen ein Ei ins Nest gelegt. Nun sitzen Kuckuck- (links) und Aaskrähenküken (rechts) nebeneinander. Foto: Universität Valladolid

Nicht alle Kuckucke sind gleich. Sie legen zwar alle ihre Eier in fremde Nester. Doch das ist für die betrogenen Vögel nicht immer schlecht. Der Häherkuckuck beschützt sie zum Beispiel vor Nesträubern.

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Stuttgart - Brutparasiten nennen Zoologen Tiere wie den Kuckuck, die ihre Nachkommen fremden Eltern unterjubeln. Ohne zu fragen, bürden sie so den Stiefeltern die Kosten für das Aufziehen des eigenen Nachwuchses auf und outen sich damit als Schmarotzer. Zumindest gilt das für den in Mitteleuropa lebenden Kuckuck Cuculus canorus. Ganz anders sieht es dagegen beim Häherkuckuck Clamator clandarius aus, der eher in Südeuropa zuhause ist. Ziehen Vögel ein solches ungewolltes Kuckuckskind auf, könnten sie davon sogar profitieren, fanden Daniela Canestrari von der Universität im nordspanischen Oviedo und ihre Kollegen heraus und veröffentlichen ihre Ergebnisse nun im Wissenschaftsmagazin „Science“.

16 Jahre haben die Forscher in der spanischen Provinz Asturien Kolonien von Aaskrähen unter die Lupe genommen, den Bruterfolg gemessen und manchmal auch die Eier in den Nestern ausgetauscht. Das Ergebnis ist eindeutig: Plündern viele Katzen, Raben oder Greifvögel die Nester, bringen die Eltern mit Kuckuckskindern mehr eigenen Nachwuchs durch als die Nester ohne fremde Eier und Küken.

Obwohl die Häherkuckucke ein Ei der Aaskrähen aus dem Nest werfen und durch ein eigenes ersetzen, profitieren die Aaskrähen aus zwei Gründen von diesem Brutparasiten. Zum einen werfen die gerade geschlüpften Kuckuckskinder Südeuropas – anders als ihre Verwandtschaft in Mitteleuropa – ihre Stiefgeschwister nicht aus dem Nest. Vor allem aber sondern die jungen Kuckucke schon wenige Tage nachdem sie die Eischale aufgebrochen haben aus ihrer Kloake ein bestialisch stinkendes, schwarzes Sekret ab, das Nesträuber meist erfolgreich in die Flucht schlägt. Damit schützen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Stiefgeschwister. Dadurch steigt der Bruterfolg der Aaskrähen wieder an, den die Kuckucksweibchen zunächst verringert hatten, als sie ein Krähen-Ei aus dem Nest warfen und dafür ihr eigenes einschmuggelten. Die Aaskrähen zahlen zwar mit dem Verlust des eigenen Nachwuchses für das Kuckuckskind, profitieren aber von dessen Chemiewaffen, die es gegen potenzielle Nesträuber einsetzt.

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