Biologie Konkurrenz für den Osterhasen

Von Kerstin Viering 

Wenn es ums Verstecken von Leckereien geht, sind andere Tiere deutlich talentierter. Eichhörnchen und Eichelhäher stellen jeden Osterhasen in den Schatten.

Eichhörnchen graben viele Verstecke - zur Sicherheit, falls eines geplündert wird. Foto: dpa
Eichhörnchen graben viele Verstecke - zur Sicherheit, falls eines geplündert wird. Foto: dpa

Stuttgart - Der Osterhase ist eigentlich eine Fehlbesetzung. Schließlich sieht sein Stellenprofil vor allem eine Aufgabe vor: Leckereien verstecken. Und dafür sind Feldhasen einfach nicht qualifiziert. Denn statt ihr vegetarisches Menü irgendwo zu verbergen, fressen sie es lieber direkt. Für österliche Versteckspiele hätte die Tierwelt ein paar deutlich bessere Kandidaten zu bieten.

Viele davon stellen ihre Talente allerdings nicht an Ostern, sondern im Herbst unter Beweis. Eichhörnchen zum Beispiel verbringen dann jeden Tag Stunden damit, Nüsse und andere Nahrung für den Winter in Astgabeln und Rindenspalten zu deponieren oder im Boden zu vergraben. Auch Eichelhäher machen sich viel Arbeit, wenn sie ihre Wintervorräte an den verschiedensten Stellen verbergen. So hat ein einziger Vogel in Sachsen-Anhalt in nur drei Wochen nachweislich 2200 Eicheln versteckt. Ähnlich fleißig ist der Tannenhäher Nucifraga caryocatactes, der in den Alpen und anderen nadelwaldreichen Regionen vorkommt. Geschickt pickt er dort die Kerne aus den Zapfen der Zirbelkiefer und verstaut sie in bis zu 10 000 verschiedenen Verstecken.

Nicht alle Eicheln und Nüsse werden wieder ausgegraben

Diese dezentrale Lagerung hat für Eichhörnchen wie Häher einen großen Vorteil: Sollten andere hungrige Eichel- oder Nussfans ein Versteck entdecken und plündern, ist nicht gleich der ganze Wintervorrat dahin. Allerdings hat die Sache auch einen Haken. Denn man muss seine Schätze ja auch wiederfinden. Und das ist deutlich schwieriger, wenn sie statt in einer zentralen Vorratskammer in Hunderten von Verstecken lagern.

Wenn sie mit knurrendem Magen eines ihrer Depots aufsuchen wollen, lassen sich Säugetiere von ihrer Nase leiten. Vögel dagegen merken sich markante Wegweiser wie Steine und Bäume. Vor allem die Rabenverwandtschaft kann sich dabei nicht nur auf ihr gutes räumliches Orientierungsvermögen verlassen, sondern auch auf ein hervorragendes Gedächtnis. So haben US-Forscher das Erinnerungsvermögen des Kiefernhähers Nucifraga columbiana getestet. Diese Vögel, die in den Kiefernwäldern im Westen Nordamerikas leben, konnten sich noch nach mehr als neun Monaten ziemlich genau an ihre Futterverstecke erinnern.

Aber auch ein echter Gedächtniskünstler kann sich nicht alles merken. Und das ist aus ökologischer Sicht ein Glück. Denn aus den vergessenen Nüssen, Eicheln und anderen Samen keimen neue Bäume. Eichelhäher, Tannenhäher und Eichhörnchen spielen daher eine wichtige Rolle für die Samenverbreitung. So könnte sich die Zirbelkiefer ohne die Aktivitäten des Tannenhähers wohl nur talwärts ausbreiten. Da ihre schweren, ungeflügelten Samen mit dem Wind nicht weit kommen.