Biomüll in Stuttgart Braune Tonne hat sich durchgesetzt

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Stuttgart ist jetzt flächendeckend mit der Braunen Tonne ausgerüstet. Nur wenige Bürger wollen sich befreien lassen. Der Bau der Biogasanlage in Zuffenhausen verzögert sich.

Auf manchem Grundstück bereitet  die zusätzliche  Tonne Platzprobleme. Foto: dpa
Auf manchem Grundstück bereitet die zusätzliche Tonne Platzprobleme. Foto: dpa

Stuttgart - Jetzt stehen die braunen Tonnen auch in Kaltental. Im letzten Verteilbezirk wurden die Behälter für Küchenabfälle in der Woche nach Ostern aufgestellt. 32 000 Biotonnen zusätzlich zu den bereits vorhandenen ließ das Amt für Abfallwirtschaft (AWS) in den vergangenen zwei Jahren nach und nach in der Stadt ausliefern. Seit 2015 ist die gesonderte Abfuhr von Biomüll und dessen Verwertung gesetzlich vorgeschrieben. Zuvor war die Nutzung einer Biotonne freiwillig. Bisher haben sich nur wenige geweigert, die Biotonne aufzustellen, berichtet AWS-Geschäftsführer Thomas Heß. Zwei oder drei Prozent seien es, die sich von der Nutzungspflicht befreien lassen wollen. Dies ist möglich, wenn man nachweisen kann, dass man selbst kompostiert oder wenn kein Platz für den zusätzlichen Mülleimer vorhanden ist. Allerdings überprüfen die Berater vom Biotonnenteam, ob sich für das Platzproblem nicht doch eine Lösung finden lässt, zum Beispiel durch die gemeinsame Nutzung einer Tonne mit den Nachbarn.

Esslingen und Rems-Murr sorgen für Restmüll

Die Müllmänner kontrollieren stichprobenhaft, ob womöglich leere Konservendosen oder Restmüll im Bioabfall gelandet sind. Bei derartigen Funden bleibt der Eimer stehen und bekommt einen Zettel aufgeklebt, auf dem vermerkt wird, was nicht korrekt ist. „Streng genommen ist das eine Ordnungswidrigkeit, wenn man Restmüll oder Verpackungen dort hinein wirft“ – darauf weist Heß hin.

Die AWS hat sich zum Ziel gesetzt, 30 000 bis 35 000 Tonnen organische Abfälle pro Jahr einzusammeln und in der geplanten städtischen Biogasanlage in Energie umzuwandeln. Für die Müllverbrennungsanlage in Münster, die von der EnBW betrieben wird, hat dies Folgen: „Der Müll brennt jetzt besser, denn Biomüll besteht zu einem großen Teil aus Wasser“, so die erste lapidare Schlussfolgerung, die Heß erwähnt. Aber es fehlt jetzt Müll in Münster, weil der Bioabfall fehlt. Insgesamt benötigt die EnBW 225 000 Tonnen pro Jahr. Ausgeglichen wird der entstehende Mangel durch die Landkreise Esslingen und Rems-Murr. „Die beiden Landkreise kompensieren den entstandenen Mangel“, so Heß.

Vollservice bringt Mehrkosten

Die zusätzliche Tonne schlägt durch die Erhöhung der Abfallgebühren schon jetzt für den Bürger zu Buche. 40 zusätzliche Mitarbeiter sowie weitere Fahrer und Fahrzeuge sind notwendig, um auch für die Braune Tonne den Vollservice anzubieten. Die bisherige Regelung, dass die Anwohner den Biomülleimer selbst an den Straßenrand stellen müssen, führte zu Missverständnissen. Bald sollen das am Abholtag – wie bei der grauen und grünen Tonne – die Müllmänner übernehmen. Die Stadt wird darüber informieren, wann der Vollservice eingeführt wird. Dies wird zwei Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. „Ich hoffe, dass wir 2019 nicht noch einmal erhöhen müssen“, sagt Heß.

Bau der Biogasanlage erst 2019

Und noch eine Hoffnung hat er: Dass im Herbst der Spatenstich für die Biogasanlage in Zuffenhausen gemacht werden kann. Dort werden Kartoffelschalen und Co. in Methangas und somit in verwertbare Energie umgewandelt. Neun Jahre wurde um den Standort gerungen und mehrere Gutachten waren notwendig. „Jeder sagt zwar, dass ist toll, was ihr vorhabt, aber nicht vor meiner Haustür“, fasst Heß die Diskussionen zusammen. „Jetzt warten wir täglich auf die Baugenehmigung vom Regierungspräsidium.“ Der ursprüngliche Plan, dass die 19 Millionen Euro teure Biogasanlage noch 2018 in Betrieb geht, ist keinesfalls mehr zu halten.

Porsche kauft das Biogas

Deshalb werden aktuell Küchenabfälle und Gartenschnitt an verschiedene Firmen im Umkreis von 100 Kilometern geliefert. Wenn die Biogasanlage gebaut und die Testphase mit den Bakterien, die aus Abfall Methangas produzieren, erfolgreich abgeschlossen ist, wird das Biogas über die Stadtwerke an die Firma Porsche verkauft. Der Autobauer will damit einen Teil des Energiebedarfs in der neuen Fertigungshalle für die Produktion von E-Fahrzeugen decken. Ursprünglich sollte das Stadtbad mit der Bioenergie versorgt werden. Aber Erdgas sei hier günstiger, erklärt Heß: „Wir müssen auch wirtschaftlich denken.“. Im Moment kostet die Tonne Biogas halb so viel wie ihre Verbrennung in Münster kosten würde und der AWS-Geschäftsführer blickt positiv in die Zukunft: „Wenn die Anlage erst in Betrieb ist, ist Stuttgart mit der Verwertung seines Biomülls autark.“

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