Biopharmahersteller Rentschler steht vor größter Investition im Inland
Das Unternehmen aus Laupheim erweitert die Kapazitäten am Firmensitz. Eine neue Anlage soll einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Baustart ist Frühjahr 2025.
Das Unternehmen aus Laupheim erweitert die Kapazitäten am Firmensitz. Eine neue Anlage soll einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Baustart ist Frühjahr 2025.
Das Familienunternehmen Rentschler Biopharma baut den Firmensitz in Laupheim mit einer Millionen-Investition weiter aus. Die neue Produktionsanlage sei „mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag die größte einzelne Investition in unserer Firmengeschichte“, sagte das für das operative Geschäft zuständige Vorstandsmitglied Christiane Bardroff. Die Anlage sei nicht nur ein Bekenntnis zum Standort Deutschland, sondern auch ein Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Biopharmazeutika. Wie viel genau investiert wird, sagte Christiane Bardroff mit Blick auf Unwägbarkeiten etwa bei der Entwicklung der Baukosten, nicht. In der Anlage werden Puffer- und Medienlösungen hergestellt. Beides sind spezielle Flüssigkeiten. Medienlösungen sollen für ein optimales Wachstum von Zellkulturen sorgen, während Pufferlösungen die Stabilität und Reinheit der produzierten Wirkstoffe sichern sollen.
Begonnen wird mit dem Bau der neuen Anlage mit ihren drei Medientanks und sechs Puffertanks im Frühjahr 2025. Fertiggestellt werden soll sie dann bis Ende 2027. Die größte einzelne Investition in der 150-jährigen Firmengeschichte ist die Produktionsanlage allerdings wohl nur im Inland. In Milford/USA wurde im Juni eine Produktionsanlage in Betrieb genommen, für die schätzungsweise 100 Millionen Euro investiert worden waren.
Rentschler Biopharma beschäftigt weltweit 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 1000 in Laupheim. „Wir ersetzen hier Abgänge, müssen aber nicht in großem Umfang neue Mitarbeiter einstellen“, meint Christiane Bardroff. Neueinstellungen seien allerdings in Milford geplant. Ein weiterer Standort von Rentschler ist Stevenage in Großbritannien.
Der Umsatz wird nach den Angaben der Geschäftsführerin in diesem Jahr wieder leicht wachsen. Im vergangenen Jahr dürfte er wie schon 2022 bei 320 Millionen Euro gelegen sein. Rentschler forscht nicht selbst an Biopharmazeutika, sondern entwickelt und produziert diese für andere Unternehmen. Weltweit hat das Laupheimer Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 170 Kunden, darunter die meisten der 20 größten Pharmaunternehmen, aber auch Start-ups. Biopharmazeutika werden für Behandlungen einer Vielzahl von Krankheiten eingesetzt, darunter auch Krebs, Erbkrankheiten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Als große Belastung für die Pharmabranche sieht Bardroff die Bürokratie, auch wenn das Unternehmen nicht selbst forscht. „Die regulatorischen Kosten sind in Deutschland 20 bis 30 Prozent höher als in der Schweiz oder in Schweden“. Zudem dauere die behördliche Genehmigung für eine klinische Studie für ein Medikament etwa in den Niederlanden „vier bis sechs Monate, in Deutschland zehn bis zwölf Monate“. Lobend hebt sie dagegen die gute Infrastruktur an Universitäten und Forschungseinrichtungen hervor. Diese sei „ein Grund, in Deutschland zu investieren“. Auf jeden Fall sollten ihrer Ansicht nach auch wieder mehr Medikamente im Inland hergestellt werden. „Aber selbst wenn ein Unternehmen das will, dauert es, bis die Kapazitäten aufgebaut und die Lieferketten eingerichtet sind“, meint Bardroff.
Hersteller von Biopharmazeutika wie Rentschler sind ein spezialisierter Teil der Pharmaindustrie, der sich auf die Entwicklung und Produktion biologischer Medikamente konzentriert. Der Anteil der Biopharmazeutika am gesamten Pharmamarkt wächst: Der Pharmamarkt in Deutschland nahm von 2022 auf 2023 um 2,8 Prozent auf 55,7 Milliarden Euro zu. Biopharmazeutika erzielten dagegen ein Plus um 8,9 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro. Das verspricht weiteres Wachstum für das Rentschler auch mit seiner neuen Produktionsanlage die Weichen stellen will. Das Unternehmen aus Laupheim ist Teil eines Pharmaclusters, das mit Unternehmen wie Teva in Ulm, Boehringer Ingelheim in Biberach oder Vetter in Ravensburg von Ulm bis weit hinein nach Oberschwaben reicht.