Biotonne in Stuttgart Umweltschutz beginnt in der Küche

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Obst und Gemüse sind gesund und wer viel davon isst, hält nicht nur sich selbst fit – er tut auch noch etwas für das Weltklima: Die Energie, die aus dem Abfall gewonnen wird, kann vielfältig eingesetzt werden, meint Sybille Neth.

Viel mehr als auf den Kompost, darf in die Biotonne – auch Essensreste. Foto: Sigerist
Viel mehr als auf den Kompost, darf in die Biotonne – auch Essensreste. Foto: Sigerist

Stuttgart - Obst und Gemüse sind gesund, und wer viel davon isst, tut jetzt sogar noch etwas für das Weltklima. Das klingt überzogen, ist aber angesichts der globalen Erwärmung gar nicht so weit hergeholt. Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl muss gedrosselt werden, denn durch sie entstehen die Treibhausgase. Die Alternative, mit Mais und Holz Energie zu gewinnen, ist schlecht: Erstens wird so ein Lebensmittel zum Spekulationsobjekt, und die Holzheizung produziert Feinstaub. Ein Teil der Lösung liegt also tatsächlich in der Küche, denn im Bioabfall steckt einerseits Energie für private Haushalte, die Industrie und öffentliche Gebäude – darüber hinaus kann er auch noch den Kunstdünger ersetzen. Der Komposthaufen hinter dem Haus gehörte für Gartenbesitzer schon immer dazu. Doch in den Städten wurde das verwertbare Gut Bioabfall lange Zeit nicht genutzt. Dabei hat die Biotonne für den Nutzer den Vorteil, dass im Gegensatz zum Komposthaufen hier wirklich alles hineindarf von der Bananenschale und dem harten Brot bis zum Kotelettknochen. Die Berliner Stadtreinigung lässt bereits die Hälfte ihrer Müllwagenflotte mit dem Produkt aus diesen Abfällen fahren. Die Lastwagen werden mit Biomethan betankt. Das spart 2,5 Millionen Liter Diesel pro Jahr.

Obst in Kunststoffverpackungen

Das müsste auch den größten Biotonnen-Muffel von der Mülltrennung überzeugen. Nur wenige Verweigerer haben sich bisher bei der Stadt gemeldet. Aber wie viele Bürger die neue Tonne wirklich benutzen, ist nicht bekannt. Und solange der Handel Obst und Gemüse weiter in Plastik verpackt, geht der Gewinn für die Umwelt wieder verloren. In 30 Jahren wird es in den Ozeanen mehr Kunststoffmüll als Fische geben, wenn nichts geschieht. Die Verbannung der Plastikverpackungen wäre jetzt der dringend notwendige nächste Schritt für den Gesetzgeber.

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