Birgit Thoben zum Bosch-Innovationscampus Wieso sich Bosch an der Eliteuniversität Stanford orientiert

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
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Bosch nimmt laut Chef Volkmar Denner die US-Eliteuniversität Stanford zum Vorbild. Ist das nicht ein bisschen hoch gegriffen?
Nein, gar nicht. Gemeint ist die Campusstruktur, die das interdisziplinäre und vernetzte Arbeiten ermöglicht. Bevor wir den Campus gebaut haben, waren wir auch im Silicon Valley. Dort haben wir einige gute Anregungen bekommen. Und doch sind wir unseren eigenen Weg gegangen. Bosch existiert seit 130 Jahren, wir sind ein Unternehmen mit langer Tradition. Darauf nehmen wir bewusst Bezug. Wir haben in der Plattform 12 Originalwerkbänke aus unseren Fabriken. Dort stehen auch umgebaute Scheinwerfer, die von den Kollegen schon vor hundert Jahren produziert wurden. Wir haben eine Herkunft. Aus ihr ziehen wir Kraft für die Zukunft.
Was war Ihre schwierigste Aufgabe?
Die Kommunikation ist immer herausfordernd, zum Beispiel zwischen Ingenieuren, Maschinenbauern, IT-Spezialisten oder auch mit den Künstlern. Wir alle sprechen unterschiedliche Sprachen. Meine Aufgabe ist auch die einer Mittlerin. Wenn ein Künstler etwa das Wort „Sicherheit“ gebraucht, dann meint er etwas ganz anderes als ein Ingenieur. Er reflektiert darüber, was er auf der Straße und in der Gesellschaft erlebt. Wenn wir hier von Sicherheit sprechen, dann denken wir zuerst an unsere Sicherheitseinweisung auf dem Gelände. Darin steckt auch eine Spannung zwischen persönlichem Sicherheitsgefühl und objektiver Sicherheit.
Und was hat am meisten Spaß gemacht?
Es gibt täglich neue Impulse, gerade von den Künstlern. Da erzählt Ihnen auf einmal einer etwas von einer Wurst. Dann kommen Sie auf den Campus und sehen ein riesiges, aufblasbares Ding auf dem Balkon. Natürlich fragt sich da jeder sofort, was das soll. Und das ist gerade das Schöne daran: Kunst regt zum Nachdenken an und fordert dazu auf, die Perspektive zu ändern. Umgekehrt haben auch die Künstler in der Zusammenarbeit mit unseren Forschern Aha-Erlebnisse: Vor einiger Zeit kam ein Künstler ganz aufgeregt zu mir, weil ein Forscher an der Skulptur des Künstlers den Prototypen eines Elektrowerkzeugs ausprobiert hatte. Auf der Plattform 12 darf grundsätzlich mit allen Objekten gearbeitet werden – es sei denn, es gibt einen Zettel mit dem eindeutigen Hinweis, es nicht zu tun. Der Künstler hatte vergessen, diesen Zettel anzubringen.
Und was sind technische Aha-Erlebnisse?
Ich bin in der wunderbaren Position, ständig ganz neue Dinge vorgestellt zu bekommen – und dabei helfen zu dürfen, dass sie vielleicht ein Produkt werden. Ein gutes Beispiel sind Fahrerassistenzsysteme für das automatisierte Fahren. Unsere Forscher haben dem Auto beigebracht, in die Zukunft zu schauen und bei einer drohenden Kollision mit Fußgängern den Fahrer beim Ausweichen zu unterstützen. Kameras im Innenraum erkennen, ob der Fahrer aufmerksam ist oder nicht. Das bietet neue Möglichkeiten für den Fußgängerschutz.
Und wie geht es auf dem Campus weiter?
Wir erhalten zum Beispiel mehr Platz. Bis Ende 2016 entstehen auf vier Stockwerken Büros und Labore für rund 350 zusätzliche Mitarbeiter. Ansonsten denken wir kontinuierlich über neue Themenfelder nach. Lassen Sie sich überraschen.

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