Bischofskonferenz in Vierzehnheiligen Glaube und Macht – die Bischofskonferenz tagt
Im fränkischen Vierzehnheiligen besinnt sich die Bischofskonferenz auf ureigene katholische Aufgaben im Hier und Jetzt.
Im fränkischen Vierzehnheiligen besinnt sich die Bischofskonferenz auf ureigene katholische Aufgaben im Hier und Jetzt.
Stuttgart - Sehr lange schon nicht mehr hat man den Münchner Kardinal Reinhard Marx so kämpferisch, klug und konzentriert erlebt wie jetzt während der zweiten Messe bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im oberfränkischen Vierzehnheiligen. Während eben diese vierzehn Nothelfer von Achatius bis Vitus in der Wallfahrtskirche von Balthasar Neumann naturgemäß keine Miene verzogen, kam Marx im Morgengottesdienst in Fahrt, als er sich rhetorisch auf den suchenden Jesus in der Wüste bezog, der beim Fasten einer Versuchung nach der anderen ausgesetzt wird. Ostentativ oft fällt seinerseits der Hinweis auf das „Reich Gottes“ – ein Hinweis, der, so Kardinal Marx, „in unserem Glaubensbekenntnis“ fehle: „Haben wir das etwa vergessen oder ist es doch mehr ein Zeichen, dass das Reich Gottes in dieser Gegenwart zu finden ist?“, fragte Marx.
Von Anfang an hat die Deutsche Bischofskonferenz, die bis Donnerstagabend vor Ort tagt, keinen Zweifel daran gelassen, dass sie kollektiv eher in die Offensive gehen will. Schließlich war es der Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, der zu Beginn die schwierige Situation im Erzbistum Köln selbst thematisierte, ehe auch nur eine Frage gestellt worden war. Bätzing merkte deutlich an, dass die Verantwortung in Sachen Kardinal Woelki, der dem Papst in seiner Karenzzeit den Rücktritt angeboten hatte, jetzt alleine bei Franziskus und dem Vorsitzenden der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, läge. Allzu lange, das sagte Bätzing auch mit ziemlicher Dringlichkeit, werde man da nicht mehr zusehen können.
Die katholische Kirche Deutschlands hat – neben dem präsent bleibenden Missbrauchsthema – drängende Probleme. Vor allen Dingen befindet sie sich in einer enormen Vertrauenskrise. Der entgegenzuwirken, soll die innerkirchliche Reformdebatte dienen, die erneut vom Synodalen Weg in Frankfurt im Februar angestoßen worden ist. Der Co-Vorsitzende des Synodalforums und der ZdK-Vizepräsident sind in Vierzehnheiligen eingeladen, um nicht wieder hinter die Beschlüsse, die mehrheitlich auch von den Bischöfen mitgetragen worden sind, zurückzufallen. Dabei geht es in fast allen Fällen um mehr Partizipation bei der Machtverteilung, die demokratisiert werden soll. Spätestens im Juni bei der Sitzung des Ständigen Rats der Bischöfe soll eine neue Grundordnung verabschiedet werden, die auch alternative Sichtweisen, zum Beispiel der Initiative #OutinChurch‚ berücksichtigt.
Nicht zufällig hat am Dienstag der Weihbischof Matthäus Karrer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Wort der deutschen Bischöfe zur Seelsorge vorgestellt, das in früheren Zeiten mehrheitlich wohl für überflüssig gehalten worden wäre: Die Schrift „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche“ versucht zu bedenken, wie stark sich die Aufgabenprofile bei ehrenamtlichen und hauptberuflichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern verschoben haben und will neue Standards setzen. Es geht also, im Sinne von Kardinal Marx, nicht um ein besseres Jenseits, sondern um ein besseres Jetzt in der katholischen Kirche.