Konstantin Kuld, Küchenchef im Restaurant Im Künstlerhaus, verwandelt die Karte für zwei Wochen und spielt „French Open“. Foto: Lichtgut/ Christoph Schmidt
Endlich kommt sie an in der Stadt: die Bistrokultur. Das Restaurant im Künstlerhaus spielt zwei Wochen lang „French Open“. Und auch die neuen Bars setzen auf erweitertes Essensangebot.
Paté en croûte mit Zwiebelchutney und Bittersalaten, Salade Niçoise mit Thunfisch, La Ratte-Kartoffeln, Böhnchen, Tomate und Ei, als Zwischengang etwa Blutwurst-Croquettas oder eine gebratene Körschtalforelle auf Fenchelsalat, alles getragen von einer sensationellen Buttersauce mit Zitrone und Kapern. Oder doch ein Heilbutt, der auf cremigem Kartoffelpüree thront und mit einer Hummerbisque serviert wird. Darauf ein Muster aus Schwarzem Knoblauch, das man auch mit Balsamicospritzern verwechseln könnte.
Die Karte, die im Restaurant im Künstlerhaus ab dem 16. Februar angeboten wird, liest sich fast wie in Paris. Aber auch amerikanische inspirierte Gerichte sind mit dabei: als Beilage etwa kann man Mac’n’Cheese ordern. Deshalb lautet der Titel für zwei Wochen Essensänderung im Restaurant im Künstlerhaus schlichtweg „French Open“, bestellt wird à la carte, zum Teilen oder als eigenes Gericht.
Nicht nur Menschen mit akuter Frankreichsehnsucht freuen sich über solche Gerichte. Foto: Lichtgut/Christoh Schmidt
Was als spielerisches Experiment begann, entwickelte sich schnell zu mehr als einer Themenwoche. Um die traditionell ruhigeren Wintermonate Januar bis März zu beleben, entstand im kulinarischen Doppel von Küchenchef Konstantin Kuld und Restaurantchef Sebastian Werning zunächst die Idee einer zeitlich begrenzten Themenwoche. Weinabende hatten sich bereits bewährt – also warum nicht mutiger werden? Zwei Wochen, bewusst anders als der reguläre Betrieb, der sonst mit zeitgeistigem Fine-dining überzeugt.
„French Open“ im Restaurant im Künstlerhaus
So entstand die „French Open“, die an zwei Intergastra-Tagen (am Sonntag, den 8. Februar und am Montag, den 9. Februar) erstmals vonstattengeht und dann von 16. Februar bis zum 27. Februar den kulinarischen Ton angibt. Welche Gerichte dürfen da nicht fehlen? „Steak Frites, Paté en Croûte und Muscheln natürlich“, sagt Konstantin Kuld. Weil der Küchenchef aber nicht an Etiketten festklebt, interpretiert er mit seiner Brigade klassische Bistroküche neu: zugänglich, entspannt, geschmacklich klar – und mit Raum für Variationen, gespielt wird auf dem Platz mit Kaffir-Limette oder auch Jalapeño. Serviert werden die adretten Gerichte beispielsweise auf Hutschenreuther-Tellern mit dem ikonischen Zwiebelmuster, gekauft auf dem Flohmarkt auf dem Stuttgarter Karlsplatz.
Man kennt es aus Großstädten wie Berlin: Kopfsalat im Ganzen serviert. Foto: Lichtgut/ Christoph Schmidt
Um zwangloses Genießen, darum geht es wieder mehr. Das lässt sich auch andernorts in der Stadt beobachten. Die Bedeutung der Bar wächst wieder. Und gute Drinks wie auch Weine verlangen nach etwas Essbarem – Pommes, Sandwiches, Chicken Wings oder einfache, gute Snacks. Essen und Trinken werden wieder zusammen gedacht, wie es in vielen internationalen Bars selbstverständlich ist.
Die neuen Stuttgarter Bars und ihr kulinarisches Angebot
Sebastian Werning, der auch den Weinhandel Vins in der Dorotheenstraße 2 betreibt, serviert zu feinen Tropfen in der City auch gerne kleine Snacks: Oliven, Schinken, Käse, alles aus der Markthalle ums Eck. Aber auch Paté en Croûte, eine Pastete im Teigmantel, hat er häufig auf Vorrat. „Wenn man etwas Gutes trinkt, dann soll man dazu auch etwas Gutes essen“, sagt Werning. Selbst bei den eleganten Chips setzt er auf spanische Qualität.
Das Fine-Dining-Restaurant Laesâ am Wilhelmsplatz plant ab 14. Februar wieder mittäglichen Bistrobetrieb (Freitag und Samstag zwischen 12 und 15.30 Uhr). Es wird Kleinigkeiten wie handgeschnittenes Tatar mit Sauerteigbrot und Austern geben – und natürlich eine feine Weinkarte.
Die VE Vinobar im Dorotheenquartier Foto: Engelhard
Auch Janina Baronin von Essen, die seit Dezember 2024 die VE Vinobar im Dorotheenquartier betreibt, serviert Snacks zu den Weinen mit Schwerpunkt Deutschland und Italien. Da sie aber vor allem Weinspezialistin ist, überlässt sie die Kulinarik anderen und arbeitet mit dem spanischen Restaurant José e Josefina aus dem Stuttgarter Westen zusammen. Bei den Gästen, die zu den Weinen Kartoffelwürfel mit hausgemachter Soße, gebratene, grüne Paprika aus Padrón, gefüllte Kroketten oder kleine Tintenfische ordern, kommt das gut an.
Bistroküche im Brother Louis
In der Bar Brother Louis , die unweit des Marienplatzes in die Räume des Restaurants Madagascar eingezogen ist, gibt es auch nicht nur Flüssiges, sondern ebenfalls Snacks wie etwa frittierter Mais mit zweierlei Soßen, Käsewaffel und – ganz klassisch französisch – Tarte Tatin. Samstags ab 13 Uhr steht dann das perfekte Match auf dem Programm: Austern und Schaumwein.
Signature Currywurst in der Kabi Weinbar in Stuttgart-West
Seit bald einem Jahr gibt es die Kabi Weinbar im Stuttgarter Westen, wo die beiden Sommeliers Gabriela Perdatsch und Marcel Truckenmüller nicht nur Weinregionen erkunden, sondern dazu auch kleines Soulfood offerieren. Neben den Kleinigkeiten (Brot, Gruyère, Chorizo, gepickelten Sesamgurken und Suppe) hat sich die Currywurst mit selbstgemachter Sauce zum Signature-Gericht entwickelt. Alle vier Wochen findet sonntags ab 15 Uhr das „Day Drinking“ statt, bei dem Winzer ihre Weine präsentieren und auch kulinarisch stets etwas Passendes geboten ist: am 1. März ist das Weingut Zimmerle zu Gast.
Anchovi-Toast zu Naturweinen
Die Ratto Bar, im ehemaligen Café der Galerie Kernweine in der Liststraße gelegen, verfolgt ein zeitgemäßes Konzept: Es gibt ausschließlich Naturweine, dazu eine kleine Auswahl an Snacks wie Brot von der Brotique, aufgeschlagene Butter, Schinken von der Schwäbisch-Hällischen Erzeugergemeinschaft, Bohnen, Oliven oder Anchovi-Toast mit Ricotta-Creme. Denisa Tanase, eine der drei Betreiberinnen, sagt: „Uns fehlte diese Bistrokultur in Stuttgart.“ Wie schön, dass sie nun ankommt in der Stadt.
Infos
French Open im Restaurant im Künstlerhaus (Reuchlinstraße 4b, 70178 Stuttgart) am Sonntag, den 8. Februar und am Montag, den 9. Februar sowie vom 16. Februar bis zum 27. Februar den kulinarischen Ton angibt.
Die neuen Bistrobars:
RATTO bistrobar , Liststraße 47, Stuttgart-Süd
VE Weinbar im Dorotheenquartier , Eduard-Breuninger-Str. 6, Stuttgart-Mitte