Bistros in Paris Frieren für den Umweltschutz

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In Paris werden die beheizten Außenterrassen verboten – andere Städte wollen nachziehen

Die beheizten Außenterrassen gehören in Paris bald der Vergangenheit an. Ab dem kommenden Frühjahr sind sie aus Gründen des Umweltschutzes verboten. Foto: AFP/PIERRE VERDY
Die beheizten Außenterrassen gehören in Paris bald der Vergangenheit an. Ab dem kommenden Frühjahr sind sie aus Gründen des Umweltschutzes verboten. Foto: AFP/PIERRE VERDY

Paris - Ernest Hemingway hat sie geliebt. „Als wir nach Paris zurückkamen, war es klar und kalt und schön (…) und vor vielen der guten Cafés waren Kohlebecken aufgestellt, sodass man draußen sitzen und es warm haben konnte,“ pries der Schriftsteller vor knapp einem Jahrhundert in seinem Roman „Paris – ein Fest fürs Leben“ die wohlige Wärme auf den „terrasses chauffées“. Noch heute gehört es zum französischen Lebensgefühl, auch in der kalten Jahreszeit auf den Stühlen vor den Bistros Platz zu nehmen – zumal man dort auch rauchen darf. Doch damit ist nun Schluss.

Bistros bekommen eine Galgenfrist

„Man kann nicht mitten im Winter eine Terrasse mit voller Kraft beheizen, um seinen Kaffee im Warmen zu genießen“, sagt die französische Umweltministerin Barbara Pompili und verkündet das Ende der Beheizung von Außenterrassen. Angesichts der drastischen Umsatzeinbußen durch den mehrmonatigen Corona-Lockdown, wird den Bistro-Besitzern in Paris allerdings noch eine Galgenfrist eingeräumt. Das Verbot soll erst im nächsten Frühjahr umgesetzt werden.

So viel CO2 wie ein SUV

Das ist ein schwerer Schlag für die rund 12 500 Bistros in Paris, die ihre Gäste auch im Winter auf einer Außenterrasse bedienen und dort im Schnitt rund ein Drittel ihres Umsatzes erwirtschaften. Umweltschützer in Paris haben allerdings schon vor Jahren den Kampf gegen „terrasses chauffées“ aufgenommen und sind nun natürlich hochzufrieden. Ihr Argument: die Strahler auf einer 75 Quadratmeter großen Terrasse stoßen pro Jahr so viel CO2 aus wie ein großes SUV mit einer Fahrleistung von 120 000 Kilometer. Im nordfranzösischen Rennes wurde das Heizverbot schon Anfang dieses Jahres durchgesetzt und auch andere Großstädte wollen nachziehen.

Eine gern genutzte Umweltsünde

Dabei schlagen bei dieser Frage zwei Herzen in der französischen Brust. Das Umfrageinstitut Yougov hat jüngst herausgefunden, dass Zweidrittel der Franzosen die Außenterrassen für eine große Umweltsünde halten. Allerdings nur ein Drittel der Befragten möchte darauf verzichten, den Kaffee auch im Winter im Freien zu genießen. Aus diesem Grund haben die Verantwortlichen im Land des Atomstroms lange gezögert, ein Verbot auszusprechen – zumal das Thema Umweltschutz bisher eine eher nachrangige Bedeutung spielte. Doch die großen Erfolge der Grünen bei den Wahlen zeigen, dass in Sachen Ökologie in Frankreich neue Zeiten anbrechen.




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