Bitcoin-Kursrallye An den Finanzmärkten ist der „Trump Trade“ in vollem Gange
Kryptoanlagen und US-Aktien sind nach dem Attentat auf Donald Trump gefragt. Anleger setzen jetzt voll auf ein Comeback des früheren US-Präsidenten.
Kryptoanlagen und US-Aktien sind nach dem Attentat auf Donald Trump gefragt. Anleger setzen jetzt voll auf ein Comeback des früheren US-Präsidenten.
Für die Finanzmärkte scheint der Fall schon klar: Nach dem Attentat auf Donald Trump ist dem früheren US-Präsidenten der Wahlsieg gegen Amtsinhaber Joe Biden kaum noch zu nehmen. An den Börsen ist der sogenannte Trump Trade in vollem Gange – Anleger setzen auf Wertpapiere und Kryptoanlagen, die von seiner Rückkehr ins Weiße Haus profitieren könnten.
„Der Mordversuch könnte auf den Ausgang des Urnenganges im November durchaus Einfluss haben“, meint Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Vor allem die ikonischen Fotos, die direkt nach den Schüssen entstanden, könnten Bidens Herausforderer in die Karten spielen. „Gut möglich, dass die gestreckte Faust Trumps unmittelbar nach dem Attentat die Umfragewerte des republikanischen Präsidentschaftskandidaten positiv beeinflusst“, so Gitzel.
Glaubt man den Wettmärkten, so hat das dramatische Ereignis vom Wochenende das Rennen bereits deutlich berechenbarer gemacht. Auf der Online-Wettplattform Predictit schossen Trumps Chancen sofort weiter nach oben, nachdem klar wurde, dass er den Mordversuch überlebte. Allerdings sind die Präsidentschaftswahlen noch vier Monate hin, in denen viel passieren kann. Bislang ist nicht mal richtig klar, gegen wen Trump antreten wird. Der Druck auf den 81 Jahre alten Biden, seine Kandidatur wegen Altersschwächebedenken zurückzuziehen, bleibt hoch.
Trotzdem setzen Anleger bereits in großem Stil auf Trump. Besonders gut ersichtlich wurde dies am Montag an den Kryptomärkten. Die größte Digitalwährung Bitcoin setzte nach dem Attentat zur größten Kursrallye seit Monaten an – sie legte zeitweise um rund fünf Prozent zu und knackte zwischenzeitlich die Marke von 63 000 Dollar.
„Der ehemalige US-Präsident gilt in Anlegerkreisen als Befürworter der Kryptobranche“, erklärt Experte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Trump hatte zuletzt eine Offensive gestartet, um in der Szene Wählerstimmen zu gewinnen. So kündigte er für Ende Juli seine Teilnahme an der großen US-Kryptokonferenz „Bitcoin 2024“ in Nashville an, und traf sich bereits im Juni mit Vertretern der Branche. Künftig sollten alle neuen Bitcoin „MADE IN THE USA!!!“ sein, verkündete er danach auf seiner Internetplattform Truth Social.
„Mit Trump an der Spitze könnten die USA ihre Vormachtstellung in der Kryptobranche sukzessive ausbauen“, sagt Marktanalyst Emden. Sollte Trump die Wahl gewinnen, so dürfe der regulatorische Gegenwind nachlassen. Der angespannte US-Wahlkampf und die damit verbundene Unsicherheit dürfe Kryptowerten ohnehin zugute kommen. „Anleger könnten in Bitcoin und Co. ein Fluchtvehikel sehen, um kurzfristig Liquidität zu parken.“
Noch gefragter waren Aktien von Trumps Medienfirma TMTG, die an der New Yorker Nasdaq in Anlehnung an seine Initialen unter dem Tickerkürzel DJT gehandelt werden. Vorbörslich stieg der Kurs um mehr als 50 Prozent. Allerdings sind die Papiere äußerst schwankungsanfällig, in den drei Wochen nach Trumps Verurteilung in einem New Yorker Schweigegeldprozess Ende Mai halbierte sich der Kurs fast. Trump ist selbst der mit Abstand größte Einzelaktionär des hochgradig defizitären Unternehmens hinter Truth Social, einem Konkurrenten des Kurznachrichtendienstes X (vormals Twitter) von Tech-Milliardär Elon Musk.
Die Aussicht auf ein Trump-Comeback schlug sich auch auf breiterer Front in den großen Anlageklassen nieder. Während langlaufende US-Staatsanleihen angesichts der Erwartung einer laxeren Ausgabenpolitik zunächst im Kurs sanken, legten US-Aktien zu. Wegen Trumps Versprechens sinkender Steuern und Deregulierung rechnen Beobachter bei einer Wiederwahl zumindest kurzfristig mit Aktiengewinnen.
Ökonomen warnen jedoch, dass Trumps Wirtschaftsagenda die Inflation wieder anheizen könnte. Besonders seine angekündigten Zölle halten sie für preistreibend. Steuersenkungen würden außerdem den ohnehin schon stark strapazierten Staatshaushalt weiter belasten, was auf lange Sicht die Gefahr steigender Finanzierungskosten birgt.
Zudem könnte Trump die US-Notenbank unter Druck setzen, die Geldpolitik zu lockern. Niedrigere Zinsen könnten die Börsen weiter antreiben. Allerdings würde er mit einer solchen Einflussnahme riskieren, langfristig das Vertrauen der Märkte in eine unabhängige Geldpolitik zu verspielen.