Bitkom-Studie So widersprüchlich verhalten sich Smartphone-Käufer

Von Daniel Gräfe 

Jeder zweite Smartphone-Käufer greift jährlich zum neuesten Modell, Nachhaltigkeit ist fast allen wichtig. Das ist nicht der einzige Widerspruch, den eine aktuelle Befragung aufzeigt.

Smartphone-Nutzer mögen es beim Kauf zeitgemäß: So sehen einige  aktuelle Modelle von Samsung aus. Foto: dpa/Martyn Landi
Smartphone-Nutzer mögen es beim Kauf zeitgemäß: So sehen einige aktuelle Modelle von Samsung aus. Foto: dpa/Martyn Landi

Berlin/Stuttgart - Das Geschäft rund um Smartphones wächst in Deutschland weiter. In diesem Jahr sollen 36,4 Milliarden Euro mit dem Kauf von Geräten, Telekommunikationsdiensten und Apps umgesetzt werden – eine Steigerung von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ergeben Berechnungen des Digitalverbands Bitkom. „Rundherum ist ein milliardenschweres, innovatives Ökosystem aus Geräten, Apps, Diensten und Netzinfrastruktur entstanden, das immer weiter wächst“, sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Hannes Ametsreiter.

Aus Sicht von Produzenten und Handel gibt es beim Geräteverkauf Licht und Schatten. Seit einigen Jahren stagniert der Smartphone-Absatz bei knapp 23 Millionen Geräten in Deutschland pro Jahr. Drei von vier Bundesbürgern ab 16 Jahren nutzen ein internetfähiges Mobiltelefon – das entspricht mehr als 50 Millionen Menschen. Allerdings greifen immer mehr zu hochwertigeren und teureren Geräten. Seit Jahren steigt der durchschnittliche Preis: In diesem Jahr soll er sich nach Bitkom-Prognosen um 17 Euro auf 536 Euro erhöhen. Grund ist der Trend zu großen, randlosen Displays und hochpreisigen Kameras. Damit könnte der Umsatz im Smartphone-Verkauf in diesem Jahr um knapp drei Prozent auf 12,3 Milliarden Euro wachsen.

Die Anforderungen an die Handys steigen

Die Verbraucher vernetzten das Smartphone und damit sich selbst immer häufiger mit Computeruhren und im Auto. Sie nutzen es als Ersatzkamera, als Hifi-Anlage und als Fernseher. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Den allermeisten sind eine möglichst hohe Netzabdeckung, hohe Surfgeschwindigkeiten, aber auch möglichst niedrige Preise wichtig.

Vor allem durch das Streaming von Audios und Videos, aber auch durch Messengerdiensten wie Whatsapp hat sich der mobile Datenverkehr binnen sechs Jahren auf 3500 Millionen Gigabyte verzehnfacht. Das Geschäft mit dem Datenverkehr ist eine der größten Branchen-Hoffnungen. Bereits jetzt gibt jeder zweite Befragte an, dass er mehr Datenvolumen benötige als sein Vertrag beinhalte. Das Gros nutzt derzeit Verträge mit zwei bis drei Gigabyte Datenvolumen. Widersprüchlich sind die Aussagen über die Folgen der datenintensiven Smartphone-Kommunikation: Während sich laut Studie zwei von drei Nutzern dadurch anderen Menschen näher fühlen, beklagen sich drei von vier Nutzern, dass Menschen dadurch immer weniger miteinander reden würden.

Nur jeder sechste hat sein Smartphone länger als zwei Jahre

Auch zwei weitere Trends widersprechen sich: Jeder zweite Befragte hat sein Smartphone innerhalb der vergangenen zwölf Monate gekauft, mehr als die Hälfte der Smartphone-Käufer gab an, immer zu den neuesten Computerhandys zu greifen. Nur jeder Sechste hat sein Smartphone länger als zwei Jahre. „Die Mehrheit macht jede Modellrunde mit“, sagte Ametsreiter. Gleichzeitig sagten neun von zehn Nutzern, dass beim Kauf ihres nächsten Handys die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen werde.

„Hier gibt es einen Widerspruch zwischen Bewusstsein und ausgeübtem Handeln“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Ähnlich sei das Verbraucherverhalten auch, wenn es um Kleidung, Flüge oder Ernährung gehe.