Bitterer Befund Marbacher Ex-Stadtrat muss weiter gegen den Krebs kämpfen
Der Kommunalpolitiker Hendrik Lüdke hatte nach einer Prostata-Entfernung auf Heilung gehofft. Doch der Krebs ist noch da. Der Marbacher ruft nun zur Vorsorge auf.
Der Kommunalpolitiker Hendrik Lüdke hatte nach einer Prostata-Entfernung auf Heilung gehofft. Doch der Krebs ist noch da. Der Marbacher ruft nun zur Vorsorge auf.
Für Hendrik Lüdke war es eine der bittersten Entscheidungen seines Lebens. Er ist Kommunalpolitiker durch und durch, musste im Dezember dennoch dem Marbacher Gemeinderat den Rücken kehren. Nach einer Krebsdiagnose und einer Radikal-Entfernung der Prostata wollte er kürzertreten, sich mehr Zeit für sich und die Familie nehmen. Nun, mehr als drei Monate nach dem Rücktritt aus dem Gremium, wirkt der 72-Jährige tatsächlich erholt. Die Stimme ist wieder energischer, der Händedruck fester. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Lüdke hat im Kampf gegen die Krankheit einen Rückschlag erlitten.
Schon die Kur in Bad Rappenau unmittelbar vor seiner feierlichen Verabschiedung aus dem Gemeinderat hatte unter einem ungünstigen Stern gestanden. „Ich habe die Reha nach zweieinhalb Wochen abgebrochen, weil ich an Covid-19 erkrankt war und auf dem Zimmer hätte bleiben müssen“, sagt er. Noch schlimmer war aber das Ergebnis der Nachuntersuchungen. Um als geheilt eingestuft zu werden, hätte sein PSA-Wert null betragen müssen. Vereinfacht ausgedrückt hätte das bedeutet, dass sich das von der Prostata produzierte Hormon PSA in seinem Körper nicht mehr nachweisen lässt – und sich damit auch keine Krebszellen im Nachbargewebe breitgemacht haben. „Mein PSA-Wert war aber leider bei 0,28“, sagt Lüdke.
Er habe den Befund zunächst relativ gefasst aufgenommen. „Das ist offenbar bei vier von zehn Patienten so, also nicht so selten“, sagt er. Sorgen bereitet ihm jedoch, dass der Wert seitdem bei jeder Untersuchung nach oben klettert, mittlerweile die 0,4-Marke überschritten hat. „Das ist ganz schlecht, wenn das steigt“, erklärt der vierfache Familienvater. Hoffnung war bei ihm gleichwohl kurz aufgekeimt, weil bei einer Computer-Tomografie kein Tumor zu erkennen war. „Da war ich richtig glücklich“, erklärt er. Aber ein Arzt habe ihm im Nachgang verdeutlicht, dass angesichts seiner erhöhten Werte kein Weg an einer Strahlentherapie vorbeiführe.
Das hört sich in der Theorie einfacher an, als es bei Lüdke in der Praxis ist. Sein Dünndarm hat sich nämlich just dorthin geschoben, wo vor der Operation die Prostata angesiedelt war, würde folglich verletzt werden, würde man ihn mit Strahlen beschießen. Bedeutet: der gebürtige Leipziger muss zuvor abermals auf den OP-Tisch. Mediziner in der Filderklinik werden seinen Dünndarm anheben und mit einem Netz in Position halten. Allerdings dauert es ein Weilchen, bis das Krankenhaus den Eingriff vornehmen kann.
Lüdkes Krebs legt bis dahin natürlich keine Pause ein, wütet weiter. Deshalb wird er bis zu der Operation gewissermaßen eingebremst, und zwar per Hormonbehandlung. Lüdke nimmt ab nächsten Dienstag Anti-Testosteron-Tabletten, die das Wachstum der Krebszellen hemmen. „Aber das hat natürlich Nebenwirkungen. Die Brust wird wachsen, das wird vielleicht Schmerzen verursachen“, sagt er. Außerdem werde er wohl zunehmen. Bei einem Gewicht von unter 55 Kilo kann das allerdings kaum schaden.
Wobei Hendrik Lüdke schon vor seiner Prostata-Krebs-Erkrankung nicht viel auf den Rippen hatte. Bei seinen ausgedehnten Radtouren, die er so liebt, ist seine hagere Statur von Vorteil. Und seit einigen Wochen darf er sich auch wieder auf den Sattel schwingen. Das vorübergehende Sportverbot ist aufgehoben. „Ich bin drei bis vier Stunden im Fitnessstudio, mache Krafttraining“, sagt er. „Mir geht es relativ gut. Ich blicke optimistisch in die Zukunft, auch wenn die nächsten drei bis vier Monate hart werden könnten“, erklärt er.
Ein Anker wird ihm in der Zeit der OP, der Hormontherapie und der Bestrahlung wie gehabt seine Frau Gabi sein, die fest an seiner Seite steht. Äußerlich merkt man es ihr kaum an. Doch die Krankheit nimmt auch sie mit, wie sie sagt. „Aber es bringt nichts zu lamentieren und zu heulen“, sagt sie tapfer lächelnd. „Ich muss ihm Kraft geben und ihn unterstützen“, erklärt sie. Hendrik Lüdke nimmt ihre Hand und nickt dankbar.
Sehr zu schätzen weiß der frühere Stadtrat zudem, dass die Ärzte seinen Krebs erkannt haben und man rasch darauf reagieren konnte. Wenngleich dabei der Zufall ein Stück weit Pate stand. Lüdkes Krankheit wurde nicht bei einer klassischen Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Er hatte das Krankenhaus nur aufgesucht, weil er nachts oft Wasser lassen musste. „Ich wollte deshalb eine Ausschabung machen lassen“, sagt er. Ein Arzt wurde dabei hellhörig, wollte den Fall genauer untersuchen, tastete die Prostata ab und meinte: Da stimmt was nicht. Eine Biopsie brachte schließlich die traurige Gewissheit: Es ist Krebs. Auch aus dieser Erfahrung heraus rührt Lüdke nun die Werbetrommel für Vorsorgeuntersuchungen. „Ich gehe deshalb so offen mit meiner Erkrankung um, damit andere das lesen und denken: Oh, ich sollte vielleicht doch eher nachschauen lassen.“
Aufgewachsen
Hendrik Lüdke war rund drei Jahrzehnte Stadtrat in Marbach, erst für die Grünen, später für die Liste Puls. Er wurde in Leipzig geboren, siedelte in den 1950er-Jahren mit seinen Eltern in die Bundesrepublik über und wuchs im Marbacher Stadtteil Hörnle auf.
Ausgeschlossen
Der 72-Jährige ist pensionierter Diplom-Verwaltungswirt und hat erst für die Stadt Bietigheim-Bissingen und später für das Regierungspräsidium Stuttgart gearbeitet. Das politische Geschehen verfolgt er noch intensiv, eine Rückkehr auf die kommunalpolitische Bühne schließt er jedoch aus.