Black Jackets Prozess Die Blockade löst sich langsam

21 Angeklagte, doppelt so viele Verteidiger, drei Vertreter der Nebenklage und sieben (zum Teil ehrenamtliche) Richter verhandeln heute zum 85. Mal in Stammheim. Foto: dpa
21 Angeklagte, doppelt so viele Verteidiger, drei Vertreter der Nebenklage und sieben (zum Teil ehrenamtliche) Richter verhandeln heute zum 85. Mal in Stammheim. Foto: dpa

Im Verfahren gegen die Black Jackets zeichnet sich eine mögliche Wende ab. Hinter Gittern kochen derweil die Emotionen hoch.  

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Stuttgart - Als am 2. März vergangenen Jahres der Prozess gegen 21 mutmaßliche Mitglieder der gewalttätigen Jugendbande Black Jackets am Stuttgarter Landgericht begonnen hat, machte sich wohl keiner der Beteiligten eine Vorstellung von den Ausmaßen, die das Verfahren einmal annehmen würde. 21 Angeklagte müssen sich seither wegen dreifachen versuchten Mordes verantworten: Am 26. Juni 2009 sollen sie auf dem Gelände der Waisenhofschule in Esslingen Mitglieder der rivalisierenden Gruppe La fraternidad zusammengeschlagen haben. Das am schwersten verletzte Opfer, ein angehender Fachabiturient, wird kein normales Leben mehr führen können.

Zunächst waren 69 Verhandlungstage angesetzt, um herauszufinden, welcher der mittlerweile 18- bis 25-Jährigen Mitläufer und wer tatsächlich Schläger war. Am Mittwoch, am 85. Verhandlungstag, steckt die 2. Jugendkammer des Landgerichts noch immer in der Beweisaufnahme. Über weite Strecken schien das Verfahren auch aufgrund der schieren Masse der Prozessbeteiligten festgefahren. Doch jetzt kommt tatsächlich Bewegung in die Sache: Nach mehrmaligem Vorstoß aus den Reihen der Verteidigung hat die Kammer Verständigungsgespräche angekündigt. "In denen wird sie eine vorläufige Einschätzung zum Stand der Dinge abgeben", sagt ein Gerichtssprecher. Das könnte womöglich sogar bedeuten, dass die Straftatbestände bei einzelnen Angeklagten abgestuft werden - und der Vorwurf des versuchten Mordes nicht mehr gegen alle 21 aufrechterhalten wird.

"Eine Phase  des gegenseitigen Abtastens"

"Wir befinden uns momentan in einer Phase des gegenseitigen Abtastens", formuliert der Fellbacher Rechtsanwalt Bernd Kiefer es vorsichtig. Auch Jasmin Wanka, die einen der Angeklagten verteidigt, hält sich noch bedeckt: "Bisher hat die Kammer nicht mal in Aussicht gestellt, ob eine Verständigung überhaupt möglich sein könnte." Doch für den Fall, dass es zu einer solchen kommt, wären nach Auskunft ihrer Verteidiger mehrere Angeklagte zu Aussagen bereit - und möglicherweise auch zu teilweisen Geständnissen.

Das trifft allerdings vor allem auf die zu, die nach bisherigem Ermittlungsstand als Mitläufer gelten. Die mutmaßlichen Haupttäter, die von Zeugen und teilweise durch DNA-Spuren schwer belastet worden sind, dürften wenig Veranlassung haben, ein Geständnis abzulegen. Zwar könnten sie sich davon einen ordentlichen Strafnachlass erhoffen, doch so oder so haben die, denen das Gericht die Hauptschuld an der folgenschweren Prügelorgie nachweist, keine milden Strafen zu erwarten.




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