Blaubären TSV Flacht Julia Cedeño und der stille Schmerz der Ex-Kapitänin

So kennen die Fans der Binder Blaubären Julia Cedeño – doch derzeit befindet sich die Ex-Kapitänin nach einer OP auf dem Weg zurück in der Sport. Foto: Andreas Gorr

Volleyball-Bundesligist TSV Flacht empfängt am Samstag (19.30 Uhr) die Ladies in Black Aachen. Julia Cedeño schaut zu – aber das schmerzt die verletzte Ex-Spielführerin mitunter.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Julia Cedeño war eine der Korsettstangen der Binder Blaubären, als 2023 der Kader für den Start in der Zweiten Liga Pro aufgebaut wurden. Im Sommer 2025 war klar, dass bei der Kapitänin eine Knie-OP unumgänglich ist. „Ich will aufs Feld zurückkommen“, sagte die 27-Jährige damals. Die Aussage gilt nach der OP noch immer.

 

Frau Cedeño, wie geht es nach Ihrer OP?

Die OP lief sehr gut, meinte der Arzt. Komplikationsfrei. Ich musste nur eine Nacht im Krankenhaus bleiben, also das war echt top. Und bisher habe ich auch kaum Schmerzen – es sieht gut aus.

Toi, toi, toi. Was wurde operiert?

Ich habe ja einen Knorpelschaden im Knie. Da wurden in einer ersten OP Knorpelzellen entnommen und der Knorpel ein bisschen geglättet. Im zweiten Eingriff haben sie diese Knorpelzellen, die vier Wochen lang im Labor vermehrt wurden, dort aufgefüllt, wo der Knorpelschaden existierte.

Julia Cedeno im Oktober 2023 in ihrer ersten Saison bei den Blaubären aus Flacht in der Zweiten Liga Pro Foto: Andreas Gorr

Und wie sieht jetzt der weitere Plan aus?

Der Plan sieht so aus, dass ich das Knie sechs Wochen nicht belasten darf – ich bin erst mal auf Krücken unterwegs. Und dann beginnt die Reha. Ich habe zwar schon Physio, aber dabei kann man derzeit nicht groß was machen. Nach Woche sechs beginnt die Reha so richtig mit Sport und Wiederaufbau. Und das wird sich ziehen ...

... weit bis ins nächste Jahr. Sie sagten vor der OP, Sie wollen aufs Spielfeld zurückkehren. Steht die Aussage noch?

Auf jeden Fall. Das war nicht meine erste OP, man muss natürlich immer gucken, wie sich alles verhält und wie die Reha anschlägt. Ich werde alles dafür tun, dass sie gut läuft. Dann möchte ich mir natürlich jegliche Option offen halten – und hoffe sagen zu können: Okay, ich kann noch, ich will wieder spielen.

Wir haben uns diese Saison in der Sporthalle schon gesehen. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie auf der Tribüne sitzen und Ihrer Mannschaft zuschauen?

Es ist schon komisch, muss ich sagen. Ich würde lieber auf dem Feld stehen, da muss ich kein Geheimnis draus machen. Aber es ist voll beeindruckend zu sehen, was beim TSV Flacht alles passiert. Ich habe das Gefühl, es wurde in der Bundesliga noch mal eine Schippe draufgelegt, was die Organisation rund um die Spiele betrifft. Und die Mannschaft entwickelt sich. Es ist spannend, das Ganze zu beobachten von der Auslinie.

Als ganz besonderer Fan sozusagen.

Aber ich muss zugeben, sobald ich in die Halle komme, tut es schon ein bisschen mehr weh, dass ich nicht spielen kann. Im Alltag verflüchtigt sich das Gefühl, dann bin ich so in meiner Bubble mit der Reha. Aber wenn ich wieder in die Halle komme und die Atmosphäre mitkriege, ist es nicht schön, wieder mit allem konfrontiert zu werden.

Wenn Sie auf der Tribüne auftauchen, werden Sie von den Fans angesprochen?

Ja, auf jeden Fall. Die Fans sind super, super lieb – die haben mir beim Auswärtsspiel in Stuttgart einen lieben Genesungswunsch auf einem Plakat überbracht, als ich dort in der Halle war. Sie fragen immer nach, wie es mir denn geht und wann ich zurückkomme. Da spüre ich viel Support.

Halten Sie sich zum Selbstschutz lieber vom Team ein wenig fern? Oder besteht ein intensiver Kontakt?

Der Kontakt besteht natürlich weiter. Ich bin ja mit einigen aus der Mannschaft gut befreundet. Ich habe die neuen Spielerinnen kennengelernt, das sind alle tolle Mädels, und bin ja auch nach dem Spiel immer wieder mit in der Umkleide. Aber ich fahre natürlich nicht zu den Trainingseinheiten.

Als Julia Wenzel (Mi.) zählte die Volleyballerin 2015 zu den Talenten bei Allianz MTV Stuttgart (mit Julika Hoffman/li. und Viktoria Seeger) Foto: Pressefoto Baumann

Am Sonntag hat das Team beim ETV Hamburg den ersten Bundesliga-Sieg gefeiert. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Ich habe das Gefühl, dass sie jetzt langsam zusammen finden. Klar, der Sieg war gegen Hamburg und nicht gegen Allianz MTV Stuttgart oder den SSC Schwerin. Natürlich muss sich die Mannschaft noch an das hohe Niveau gewöhnen, aber sie findet nun in sich Vertrauen. Ich denke, sie können jetzt mutig und befreit aufspielen. Aber natürlich ist man als Spielerin irgendwie doch nervös, wenn man noch nie gegen Stuttgart gespielt hat oder dieses Niveau noch nicht gewöhnt ist. Ich hoffe zumindest, dass durch den Sieg gegen Hamburg das Gefühl entstanden ist: Hey, wir können auch gewinnen, es geht, es ist möglich – wenn es darauf ankommt und die Chance besteht, dann können wir gewinnen. Die Mannschaft sieht, dass eine Entwicklung stattfindet und sie sich verbessert.

Wie weit kann die Entwicklung gehen? Könnte es passieren, dass die Blaubären gegen ein Team aus dem hinteren Mittelfeld zumindest einen Satz gewinnen?

Ich denke, die Möglichkeit besteht auf jeden Fall. Es ist ja schon auch so: Wir gehen immer als Underdog ins Spiel, aber vielleicht erwischt die andere Mannschaft irgendwie einen Tag, an dem sie nicht ganz so konzentriert spielt oder irgendwie Flacht unterschätzt. Wenn wir dann unsere Leistung bringen, glaube ich, dass auf jeden Fall ein Satzgewinn möglich ist – ich klammere da aber mal die großen Drei Schwerin, Stuttgart und Dresden aus. Aber sonst traue ich dem Team das eigentlich in jedem Spiel zu.

Wie ist Ihr Kontakt zu Cheftrainer Manuel Hartmann?

Wenn wir uns sehen in der Halle, dann quatschen wir mal kurz, aber wir tauschen uns nicht groß aus.

Denken Sie auch schon über die Zeit hinaus, in der Sie Volleyball spielen könnten oder liegt das in weiter Ferne?

Nee, gar nicht. Aber was heißt: Was nach Volleyball kommt? Ich würde sagen, dass Volleyball schon heute nicht den Hauptbestandteil meines Lebens darstellt – in den vergangenen Jahren lief mein Privatleben ja auch. Ich habe jetzt, weil ich mehr Zeit habe, mit dem Master-Studium in sozialer Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg begonnen, weil ich damit beruflich mehr Möglichkeiten besitze. Irgendwann kommt vielleicht die Familienplanung...

Sind Sie Samstag wieder in der Halle?

Ich kann es mir gut vorstellen. Wenn ich jemanden finde, der mich hinfährt, dann komme ich. Ich wohne ja in Stuttgart.

Zwischen Karriere und OP-Tisch

Karriere
 Julia Cedeño (Mädchenname Wenzel) wurde am 12. Januar 1998 in München geboren, wuchs aber in Stuttgart auf. Sie spielte in der Volleyball-Bundesliga für Allianz MTV Stuttgart, Nawaro Straubing, 1. VC Wiesbaden und VC Neuwied.

Verletzungen
 2021 rissen bei Cedeño das Kreuz- und Innenband sowie beide Menisken. Kaum war sie wieder fit, riss der Meniskus erneut – es folgten drei OPs. Die Karriere schien beendet, sie nahm sich eine Studien-Auszeit in Brasilien. 2023 wagte sie einen Neuanfang bei den Binder Blaubären des TSV Flacht in der Zweiten Liga Pro.  

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