Blauzungenkrankheit in der Region Stuttgart So viele Betriebe sind betroffen

Immer mehr Tiere im Land infizieren sich mit der Blauzungenkrankheit. Foto: dpa/Peter Kneffel

Die Blauzungenkrankheit breitet sich rasant in Baden-Württemberg aus. 130 Betriebe sind mittlerweile im Land betroffen. Wie ist die Lage in der Region Stuttgart?

Digital Desk: Annika Mayer (may)

Die Blauzungenkrankheit breitet sich aktuell explosionsartig in Baden-Württemberg aus. Schäfern und anderen Viehhaltern bereitet das große Sorgen. „Man weiß nicht, wie sich das entwickelt. Die existenzielle Bedrohung für unsere Schafe und damit die Grundlage der Betriebe ist da und greifbar“, sagt Annette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands. Täglich würden neue Fälle dazukommen. „Immer mehr Betriebe sind betroffen. Das sind Betriebe, die ihre Tiere geimpft haben genauso wie solche, die nicht geimpft haben.“

 

Laut dem Landwirtschaftsministerium ist die Blauzungenkrankheit Stand 27. August in 130 Betriebe im Land ausgebrochen. Die meisten Fälle gibt es den Angaben zufolge momentan im Ortenaukreis.

Das steckt hinter der Blauzungenkrankheit

Bei der Blauzungenkrankheit handelt es sich laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) um eine virusbedingte Krankheit von Schafen und Rindern, an der die Tiere sterben können. Auch Ziegen, Alpakas, Lamas und Wildwiederkäuer können erkranken. Nach Angaben des FLI gehören zu den Symptomen bei Schafen Fieber, Apathie, Schaumbildung vor dem Mund und Lahmheit. Dass sich die Zunge blau verfärbt, ist jedoch selten. Rinder zeigen weniger starke Symptome.

Übertragen wird die Erkrankung durch Stechmücken, sogenannte Gnitzen. Laut dem FLI tritt die Erkrankung daher vor allem in der warmen Jahreszeit und bei feuchtwarmem Wetter auf. Für Menschen ist das Virus nicht gefährlich. Verantwortlich für die aktuelle Epidemie ist laut dem Institut der Serotyp 3 des Blauzungenvirus. Das FLI rechnet damit, dass die Zahl der Erkrankungen in Deutschland bis zum Winter stark zunehmen wird.

Auch in der Region Stuttgart ist die Blauzungenkrankheit bereits angekommen. Am stärksten betroffen ist bislang der Rems-Murr-Kreis. Dort gab es auch den ersten Ausbruch der Blauzungenkrankheit im Land. Acht Betriebe sind laut dem Landratsamt derzeit betroffen, darunter sieben Schafbetriebe und ein Rinderbetrieb (Stand 29. August). 21 Schafe seien bisher nach Kenntnis der Behörde an der Blauzungenkrankheit verendet.

So ist die Situation in Stuttgart und den umliegenden Landkreisen

In anderen Teilen der Region Stuttgart ist die Zahl der betroffenen Betriebe noch überschaubar. Doch die Fallzahlen können angesichts der explosionsartigen Ausbreitung noch in die Höhe steigen. In manchen Landkreisen gibt es aktuell auch Verdachtsfälle, die sich in nächster Zeit bestätigen könnten.

In Stuttgart selbst sind laut Angaben der Stadt vor allem kleinere Hobby-Tierhaltungen angesiedelt. Bisher seien keine Betriebe betroffen (Stand 27. August). Zwei Tierhalter hätten allerdings in den letzten fünf Tagen Verdachtsfälle gemeldet.

Verdachtsfälle gibt es auch im Kreis Esslingen seit Ende vergangener Woche, so das Landratsamt (Stand 27. August). Betroffen seien zwei schafhaltende Betriebe, darunter eine Hobbyhaltung. Im Kreis Göppingen gibt es aktuell zwei Verdachtsfälle in Schafhaltungen, wie das dortige Landratsamt mitteilt (Stand 28. August).

Bestätigte Fälle gibt es im Landkreis Böblingen: Zwei Ausbrüche in schafhaltenden Betrieben, wie das Landratsamt mitteilt (Stand 27. August). „Wir rechnen aber mit weiteren Fällen“, so die Behörde. Im Landkreis Ludwigsburg ist in zwei Betrieben laut dem Landratsamt die Blauzungenkrankheit ausgebrochen(Stand 28. August). Außerdem gebe es einen Verdachtsfall. Beim Schäferlauf in Markgröningen am vergangenen Wochenende musste das Leistungshüten wegen der Blauzungenkrankheit abgesagt werden.

Ministerpräsident Kretschmann sagt Unterstützung zu

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sicherte beim Markgröninger Schäferlauf Unterstützung bei den Impfungen zu. Wie will das Land den Betriebe konkret helfen? Das Landwirtschaftsministerium nehme die Sorgen der viehhaltenden Betrieb ernst, stehe im engen Austausch und werde weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Betriebe prüfen, teilt die Behörde auf Anfrage mit.

Gegen den Serotyp 3 gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Durch eine Eilverordnung des Bundes für drei Impfstoffe können Betriebe dennoch ihre Tiere dagegen immunisieren. Um eine Infektion zu vermeiden, seien diese Impfstoffe zu empfehlen, so das Ministerium. Vom Land und von der Tierseuchenkasse gibt es Zuschüsse für Impfungen gegen das Blauzungenvirus.

Zum jetzigen Zeitpunkt könne man noch nichts über weitere Hilfen sagen, erklärt Annette Wohlfarth vom Landesschafzuchtverband. „Das Land unterstützt mit der Impfung und den Rest müssen wir jetzt in Gesprächen klären.“ Das Landesministerium sei auf den Verband zugekommen und man habe kurzfristig einen Gesprächstermin bekommen. „Nicht alles ist gut. Aber die Bereitschaft vom Land, die Schäfer anzuhören und zu unterstützen, die ist da.“

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