Bleib-Fair-Monatssieger aus Gerlingen Das spezielle Karma des Josip Kulijer

Josip Kulijer (li.) erhält von Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz im Kreise seiner Mannschaftskollegen einen Rucksack voller Sachpreise. Foto: Henning Maak

Josip Kulijer, Stürmer des FC Gerlingen II, verzichtet auf ein Tor und wird als „Bleib Fair“-Monatssieger März von Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz ausgezeichnet.

Josip Kulijer ist ein zurückhaltender Charakter, der sich nicht in den Mittelpunkt drängt. Doch kürzlich beim Training seines FC Gerlingen ließ es sich nicht verhindern, dass der 32-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt seiner Mannschaftskollegen stand – der Stürmer hat mit einer vorbildlichen Fair-Play-Aktion überregional für Aufmerksamkeit gesorgt und wurde dafür vom Württembergischen Fußballverband (WFV) belohnt. Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz ließ es sich nicht nehmen, dem Gerlinger Goalgetter für seine Fairness zu gratulieren und ihm einen mit Sachpreisen gefüllten Rucksack zu überreichen. „Wer so ein Gefühl für Fairness hat und so eine Entscheidung trifft, dem gebührt Riesenrespekt“, meinte Marco Fritz anerkennend.

 

An die Situation im Nachholspiel des FC Gerlingen II beim SV Gebersheim II in der Kreisliga B5 Ende Februar kann sich Josip Kulijer bestens erinnern: Beim Stand von 2:1 für seine Elf erlief der Stürmer den Ball nach einem Pass in die Tiefe und ließ seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung im Strafraum aussteigen. Dem Verteidiger rutschte ob des plötzlichen Richtungswechsels das Standbein weg, er knickte um und ging zu Boden. Josip Kulijer stoppte sofort ab und spielte den Ball ins Toraus. „Es sah ekelhaft aus, wie er umgeknickt war, ich habe es im Augenwinkel registriert“, erklärt er seinen Verzicht auf das sichere 3:1.

Lange nachdenken musste er für seine Reaktion nicht. „Das ist eine Entscheidung, die man in einer Millisekunde trifft“, erzählt er. Für ihn war sein Verhalten das einzig Richtige. „Gerechtigkeit ist für mich eine meiner Grundtugenden, da gehe ich gerne mit Vorbild voran – nicht nur für meine zwei Kinder“, führt der reflektierte 32-Jährige weiter aus. Der Stürmer glaubt fest an Karma. „Tue Gutes, und erwarte nichts dafür“, lautet sein Motto. Für diese Aktion bekam er allerdings sehr schnell etwas zurück: Nach einem zwischenzeitlichen 2:3-Rückstand gelang Josip Kulijer in Gebersheim in der 89. Minute mit einem spektakulären Fallrückzieher noch der Ausgleich für den FC Gerlingen zum 3:3-Endstand.

Profi war nie sein Ziel als Fußballer

Über Fair Play im Fußball gibt es unterschiedliche Meinungen. Lothar Matthäus hat einmal in einer Fragerunde angemerkt, wenn Rudi Völler im WM-Finale gegen Argentinien 1990 nicht über das ausgestreckte Bein seines Gegenspielers Roberto Sensini gestürzt wäre und den entscheidenden Elfmeter für Deutschland herausgeholt hätte, hätte Fußball-Deutschland das als „unclever“ gebrandmarkt. Für Josip Kulijer stellen sich solche Überlegungen nicht. Der gebürtige Kroate hat nie eine ganz große Fußballkarriere angestrebt, bis auf zwei kurze Intermezzi als Jugendlicher bei den TSF Ditzingen und als Aktiver beim TSV Eltingen ist er immer dem FC Gerlingen treu geblieben. „Ich habe mit vier Jahren bei den Bambini hier angefangen, weil meine Mutter in der Klinik auf der Schillerhöhe gearbeitet hat, als wir nach Deutschland gekommen sind und ich so schon als Kind immer auf den Gerlinger Sportplatz hinabgeschaut hatte“, erzählt der zweifache Vater, der als Personaltrainer und Ernährungsberater in Leonberg arbeitet.

Kulijer drückt dem BVB die Daumen

Dort ist er von Kunden immer wieder auf seine Fair-Play-Aktion angesprochen und gelobt worden. Er selbst will das Ganze gar nicht so hoch hängen. „Ich habe zwar schon ein bisschen mitgefiebert und mich gefreut, dass ich gewonnen habe. Aber es war mir nicht wichtig“, erzählt er. Er selbst hat auch nicht viel Werbung in eigener Sache betrieben. „Ich habe niemanden extra gebeten, bei der Online-Abstimmung für mich zu stimmen“, gibt er sich bescheiden.

Von der Wahl als Monatssieger profitiert Josip Kulijer nun jedoch gleich dreifach: Erstens nimmt er an der Wahl zum Bleib-Fair-Jahressieger teil. Und dann warten zwei Preise auf ihn, die der WFV regelmäßig auslobt: Zum einen darf er ein verlängertes Wochenende kostenlos einen Smart EQ fahren, zum anderen sich zwei Tickets für ein Heimspiel eines Vereins in Württemberg aussuchen. Da der 32-Jährige BVB-Fan ist, steht das Auswärtsspiel der Dortmunder beim VfB hoch im Kurs. Aber auch einem Besuch bei den Stuttgarter Kickers ist er nicht abgeneigt. Man darf getrost davon ausgehen, dass sein Karma ihm dabei zur richtigen Entscheidung leiten wird.

Weitere Themen