Blick in die Geschichte Das steckt hinter der kuriosen Geschichte von Kängurus in Ludwigsburg

Die Umrissradierung von Friedrich Weber zeigt eine Schafherde vor der Ruine im oberen Schlossgarten in Ludwigsburg. Am rechten Rand ist hinter dem Gitter ein Känguru zu erkennen. Foto: Ludwigsburg Museum

Die erste württembergische Königin Charlotte Auguste Mathilde ließ die Beuteltiere in die ehemalige Residenzstadt bringen. Lange hielten sie sich dort aber nicht.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Heutzutage gibt es exotische Tiere fast nur noch im Zoo. Früher waren sie auch bei Herrschern beliebt, die wilde Tiere in ihren eigenen Gärten sammelten. Das diente in erster Linie dazu, Reichtum und Macht zu demonstrieren. Man ließ sogenannte Menagerien anlegen, die als Vorgänger der modernen Zoos gelten.

 

Auch in Württemberg gab es exotische Tiere. Herzog Carl Eugen hatte etwa Merinoschafe ins Land bringen lassen, um die Wollqualität in Württemberg zu verbessern. Mit der ersten württembergischen Königin Charlotte Auguste Mathilde bekam schließlich auch Ludwigsburg im Schlossgarten recht ungewöhnliche Bewohner: Aus England wurden Kängurus geliefert.

Wunsch nach „einem Paar der Kängurus“

Charlotte Auguste Mathilde, die zweite Ehefrau von König Friedrich I., war die Tochter des englischen Königs Georg III. In einem Brief aus dem Jahr 1798 berichtete sie ihrem Vater davon, dass Ludwigsburg wieder bewohnbar gemacht werden sollte, nachdem die ehemalige Residenzstadt unter Herzog Carl Eugen vernachlässigt worden war. Für die geplante Menagerie bat sie ihren Vater um die Lieferung von „einem Paar der Kängurus“.

Eine Nahaufnahme der Umrissradierung zeigt das eingesperrte Känguru. Foto: Ludwigsburg Museum

Georg III. hatte in den 1790er-Jahren nach der Inbesitznahme Australiens Kängurus nach Großbritannien bringen lassen. Charlotte Auguste Mathilde war also bereits vor ihrer Ankunft in Württemberg mit den Tieren in Kontakt gekommen. Für die Menagerie in ihrer neuen Sommerresidenz wünschte sie sich nun auch Kängurus.

Nachwuchs für das Känguru-Paar

Georg III. kam dem Wunsch der ältesten Tochter nach und schickte ein Känguru-Paar über den Ärmelkanal, wie ein Brief aus dem Jahr 1800 belegt, in dem sich Charlotte Auguste Mathilde bei ihrem Vater für die Lieferung der Kängurus bedankte. Ein Jahr später schrieb sie dann, dass sich die Kängurus sehr guter Gesundheit erfreuten und zwei Junge geboren worden seien. „Jeder kommt, um sie zu sehen, sie werden sehr bewundert.“

Es sollte aber ein kurzes Vergnügen bleiben. Wie lange genau sich die Kängurus in Ludwigsburg erhalten haben, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass es im Jahr 1810 bereits keine mehr gab. In einer Auflistung des Tierbestands werden zwar Affen, Kamele oder Bären genannt, aber keine Kängurus. Der ehemalige Stall ist noch im Blühenden Barock zu sehen.

Heute gibt es in der Stuttgarter Wilhelma auch wieder Kängurus. Und sie faszinieren immer noch die Menschen, damals wie heute.

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