Anfangs fuhr Francesco Moro seine importierten Lebensmittel noch aus. Später entstand ein Lebensmittelhandel – und in der Folge das Restaurant, das es heute noch gibt. Foto: Ludwigsburg Museum
Francesco Moro kam 1950 der Liebe wegen nach Deutschland. In Ludwigsburg erlebte er zunächst Ausgrenzung – bis er das wirksamste Mittel der Integration fand: Essen.
Erst vor kurzem war das deutsch-italienische Anwerbeabkommen in aller Munde. Anlässlich des 70. Jahrestags der Unterzeichnung wurden in den Medien zahlreiche Geschichten von Einzelpersonen erzählt, die als Gastarbeiter ins Land gekommen sind. Fast vergessen ist, dass bereits lange zuvor ein Italiener nach Ludwigsburg kam – und deswegen als erster Gastarbeiter der Bundesrepublik gilt.
Die Spuren von Francesco Moro finden sich noch heute in der Barockstadt. Genauer gesagt auf dem Marktplatz, wo im Restaurant „La Signora Moro“ sein Erbe mittlerweile in dritter Generation fortgeführt wird. Denn in Erinnerung bleiben wird Moro auch deshalb, weil er Spaghetti und Mozzarella nach Ludwigsburg gebracht hat.
Diskriminierung auf dem Bau
Ursprünglich kam Francesco Moro aber wegen der Liebe nach Deutschland. In Rom hatte er Hedwig, eine junge deutsche Frau, kennengelernt. Er folgte ihr 1950 nach Ludwigsburg und heiratete sie. Moro sprach zwar kaum Deutsch, fand aber auf dem Bau schnell Arbeit. Es begann eine nicht immer einfache Zeit.
Die Familie Moro – der Großvater der heutigen Besitzer des Restaurants „La Signora Moro“, Francesco Moro, sitzt ganz links. Foto: Ludwigsburg Museum
Denn kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Deutschland noch gering. Die ersten Ankömmlinge waren mit Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert. Heute gehören Italiener zu Deutschland wie die Schwaben zu Baden-Württemberg – auch aus kulturellen Gründen. Wo wiederum Moro ins Spiel kommt.
Lebensmittelhandel wird Restaurant
Auch Francesco Moro wurde auf dem Bau als „Spaghetti-Fresser“ und „dreckiger Ausländer“ beschimpft. Er entschied sich deswegen, seinen Unterhalt anders zu verdienen, nämlich als fliegender Händler. Mit dem Fahrrad fuhr er durch die Region und verkaufte zunächst selbst gebastelte Gipsfiguren und Kunstblumen aus Kartoffeln, ehe er die Idee hatte, die sein Leben verändern sollte.
Viele italienische Gastarbeiter, die in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre ins Land gekommen waren, sehnten sich nach ihrer Heimat. Also beschloss Moro, italienische Produkte zu importieren und in Ludwigsburg zu verkaufen. Schon bald entstand ein erster Lebensmittelhandel in der Asperger Straße, in dem die Gäste auch bewirtet wurden – der Anfang des Restaurants, das noch heute besteht.
Nachdem zunächst vor allem Landsleute bei ihm einkauften, kamen bald auch Deutsche, um Spaghetti, Mascarpone und Parmaschinken zu kaufen. 1994 zog das Restaurant dann auf den Marktplatz, wo es auch blieb. Nachdem zunächst Sohn Germano Moro übernahm, sind mittlerweile die Brüder Francesco und Adriano Moro in dritter Generation für das Restaurant verantwortlich. Italien und Ludwigsburg – es hat irgendwie schon immer zusammengepasst.