Blick in die Geschichte Ständig Geldmangel, jetzt Wahrzeichen: Stadtkirche Ludwigsburg wird 300 Jahre

Die evangelische Stadtkirche prägt seit mittlerweile 300 Jahren das Bild der Ludwigsburger Innenstadt. Foto: imago/Depositphotos

Erst wurde in Ludwigsburg im Schloss gebetet, dann kam der Wunsch nach einer eigenen Kirche auf. Stadtgründer Herzog Eberhard Ludwig wollte dafür jedoch kein Geld locker machen.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Die Silhouette der evangelischen Stadtkirche ist fast genauso charakteristisch für Ludwigsburg wie die des Schlosses. Im Winter bietet sie die Kulisse für den berühmten Barock-Weihnachtsmarkt, im Sommer schlürfen die Menschen vor ihren markanten Türmen auf dem Marktplatz einen Kaffee. Seit nunmehr 300 Jahren prägt die Stadtkirche das Ludwigsburger Stadtbild – trotz ständigem Geldmangel.

 

Die Kirche ist ein Werk des italienischen Hofbaumeisters Donato Giuseppe Frisoni, der die ganze Stadt auf dem Reißbrett entwarf. Heute stehen der Marktplatz mit der Stadtkirche und der gegenüberliegenden Dreieinigkeitskirche exemplarisch für das italienische Flair, das die ehemalige Residenzstadt vermittelt. Dabei waren einige Kämpfe notwendig, bis die Bürger ihre eigene Kirche bekamen.

Von der „Pomeranzenkirche“ zum Marktplatz

Laut einem Essay des mittlerweile verstorbenen Ludwigsburger Lokalhistorikers Albert Sting versammelte sich die junge Gemeinde in den Anfangsjahren für Gottesdienste im Schloss, später im Orangeriegebäude. Das wurde deswegen im Volksmund bald schon „Pomeranzenkirche“ genannt. Es war klar, dass das keine Dauerlösung sein konnte. Eine Kirche musste her – nur: Woher sollte das Geld kommen?

Auf finanzielle Unterstützung von Herzog Eberhard Ludwig, dem Erbauer des Schlosses und Stadtgründer, konnten die Ludwigsburger nicht hoffen. Er war zwar offen für eine neue Kirche in der Stadt, wollte jedoch nur in sein Schloss investieren, was teuer genug war. Für eine Kirche sollte, wenn dann schon, der Kirchenrat zahlen. Doch der hatte ja selbst kein Geld.

Der Innenraum der Stadtkirche wird vom Eichenholz-Kruzifix dominiert, das seit 1951 hinter dem Altar steht. Foto: Julian Meier

Am 25. August 1718, dem Namenstag des Herzogs, fand die Grundsteinlegung statt. Im selben Jahr verlegte Eberhard Ludwig auch seine Residenz von Stuttgart nach Ludwigsburg. Doch weil das Geld fehlte, zog sich der Kirchenbau hin. Zwischenzeitlich drohte der Herzog den Kirchenräten sogar damit, ihre Besoldung einzubehalten, damit die Kirche endlich fertiggestellt wird.

Vor der Einweihung ließ sich Eberhard Ludwig dann aber doch nicht lumpen und stiftete der Kirche noch vier Glocken aus eigenen Mitteln. Am 18. September 1726, dem Geburtstag des Herzogs, wurde die Stadtkirche schließlich eingeweiht.

Erst 1730 war die Kirche komplett fertig

Das Fazit aller Beteiligten war aber ernüchternd: Das Äußere der Kirche empfanden so gut wie alle als nicht angemessen für eine Residenzstadt. Also musste nochmal nachgearbeitet werden. Unter anderem wurden die Türme erhöht und der prachtvolle Giebel mit den Initialen des Stadtgründers errichtet.

1730 war die Kirche damit vollständig fertiggestellt. Um die zusätzlichen Maßnahmen zu finanzieren, öffnete Ludwig Eberhard seine Finanzschatulle jedoch nicht ein zweites Mal. Stattdessen widmete er Gelder, die für das Waisenhaus in Stuttgart bestimmt waren, um. Auch das zeugt davon, wo seine Prioritäten nach dem Umzug von Stuttgart nach Ludwigsburg lagen.

Teure Restaurierungsmaßnahmen

Die Feindschaft zu den Katholiken prägte die Anfangszeit der Stadtkirche. Die Katholiken hatten auf dem Marktplatz mit der Dreieinigkeitskirche ein eigenes Gotteshaus erhalten. Doch Glocken bekamen sie nicht, läuten durften nur die Protestanten – aber nicht für Katholiken. Selbst als der katholische Planer der Stadt Ludwigsburg, Giuseppe Donato Frisoni, verstarb, wurde ein Trauergeläut verweigert.

Die drei Jahrhunderte seit der Einweihung der Stadtkirche waren auch geprägt von zahlreichen Restaurierungen und noch mehr Diskussionen darüber. 1889 hatte der Kirchenrat eigentlich nur 3064 Mark für die Arbeiten eingeplant, doch nachdem das gesamte Ausmaß der erforderlichen Maßnahmen deutlich geworden war, wurden aus den 3064 plötzlich rund 125.000 Mark.

Eine Krone über den württembergischen Hirschstangen: Auch die Kirchenfassade ist eine Demonstration der Macht der Herzöge. Foto: imago/Dreamstime

Zum Glück war der damalige Kronprinz Wilhelm etwas spendabler als noch Eberhard Ludwig: Weil er und seine Tochter Pauline 1889 ein Pistolenattentat unverletzt überlebt hatten, spendete er aus Dankbarkeit 7000 Mark für die Erneuerung der Kirche.

Nur geringe Schäden während des Zweiten Weltkriegs

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadtkirche mit nur geringen Schäden, einzig die Fenster wurden zerstört. Die anschließende großangelegte Restaurierung brachte allerdings eine erhebliche Verschlechterung der Raumakustik mit sich, die bis heute geblieben ist, da das für Stuck gehaltene Pappmaché an den Wänden einfach abgerissen wurde. Auch mit der neuen Farbgebung waren viele nicht zufrieden.

In den 90er-Jahren folgte eine weitere Restaurierung. Damit ist die Kirche nun erstmal für die Zukunft gerüstet. Denn Geld für weitere Arbeiten in Zeiten von rückläufigen Mitgliederzahlen aufzutreiben, ist immer schwieriger – womit sich der Kreis mit dem Geldmangel schließt.

Weitere Themen