Blick nach vorne Mini-Stadtbahn beschlossen – Stadt Ludwigsburg sollte Schaden ersetzen

Rote Ampel für die Stadtbahn – doch das Leben geht weiter. Foto: picture alliance/dpa

Die Entscheidung ist gefallen: keine Stadtbahn durch Ludwigsburg. Jetzt gilt: Auch mal den Mund halten, Verantwortung eingestehen und Rätinnen respektieren, die Mut beweisen.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Alle einmal durchatmen. Nach wochenlangen Diskussionen, neuen Aufregern und gegenseitigen Angriffen ist eine zentrale Entscheidung gefallen: Ludwigsburg verzichtet auf eine Straßenbahn durch die Stadt. Übrig bleibt nur die Lucie-Mini-Variante – von Kritikern spöttisch „Bimmelbahn“ genannt – nach Markgröningen. Zeit also, innezuhalten: Was kann die Region daraus lernen, und wie geht es jetzt weiter?

 

1. Emotionalität herunterfahren

In dieser Woche wurde besonders heftig ausgeteilt. Landrat Dietmar Allgaier, Markgröningens Bürgermeister Jens Hübner und Stadtbahn-Chef Michael Ilk warfen der Ludwigsburger Verwaltung vor, die Planungen bewusst auszubremsen. Knechts Vorschläge seien ein „Feigenblatt“, sie würden ihn besser dastehen lassen, aber jeglichen Sinn vermissen lassen. CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann attackierte wiederum den Zweckverband und sprach von einem Versagen, das weitere Ausgaben unvertretbar mache.

Jetzt braucht es verbale Abrüstung. Stadträte und Bürger sollten die hämischen Angriffe beenden, der Zweckverband wiederum akzeptieren, dass Ludwigsburg keine große Stadtbahn will. Diese Entscheidung zu treffen, ist das Recht der Stadt.

2. Zusammenraufen und Reaktivierung umsetzen

Es ist nicht mal einen Monat her, als Landrat Dietmar Allgaier eine kurze, aber bedeutende Alles-oder-Nichts-Aussage getätigt hat. Die Botschaft: Das Projekt ist nicht auf den Weg gebracht worden, um eine Bimmelbahn zu reaktivieren – die Stadtbahn wird nur als Ganzes oder gar nicht umgesetzt.

Man kann aktuell nur hoffen, dass dies nur politisches Säbelrasseln war. Aus Trotz die komplette Lucie platzen zu lassen, wäre fatal: für den ÖPNV, für die Region und für alle, die pragmatische Lösungen erwarten.

3. Lösung für Verlierer-Kommunen

In der Debatte kaum erwähnt wurde das Schicksal von Remseck, Kornwestheim, Pattonville und Schwieberdingen. Für sie ist die Stadtbahn nach heutigem Stand verloren. Jahrelange Arbeit, Planungen und Kosten sind für diese Kommunen vergeblich – das müssen sich Knecht und der Gemeinderat eingestehen.

Die Stadt Ludwigsburg sollte so schnell wie möglich Gespräche mit den betroffenen Kommunen aufnehmen und Lösungen anbieten. Schadensersatzzahlungen sind angemessen und sollten in Kauf genommen werden – dies hat man durch die schwerwiegende Entscheidung von Mittwoch bewusst in Kauf genommen. Was unbedingt vermieden werden muss: jahrelange juristische Grabenkämpfe zwischen Nachbarn.

4. Respekt für Wahlverhalten

Zwei Grünen-Rätinnen stimmten gegen ihre Fraktion und für das Aus des Gesamtprojekts – gemeinsam mit CDU, Freien Wählern, FDP und AfD. Nicht nur die Grüne Jugend machte das rasend, auch Bürger attackieren nun Arezoo Shoaleh und Christine Knoß.

Das ist die falsche Reaktion. Gerade die Kommunalpolitik lebt davon, dass Räte freier entscheiden können als im Land- oder Bundestag. Sie dürfen – und sollen – nach Überzeugung abstimmen. Ungehindert von machtpolitischem Kalkül irgendwelcher Parteispitzen. Bürger müssen diese Freiheit dann jedoch auch respektieren. Gleichzeitig müssen Räte den Bürgern zuhören – wenn diese sachlich Kritik äußern.

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