Blick zurück: der Ex-Boxweltmeister Markus Bott Kneipenbesuche statt Training

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So gut, dass er 1984 zu den Olympischen Spielen darf. 1985 wird er Vizeeuropameister. 1988 boxt er wieder bei Olympia, scheidet wieder früh aus. 1989, inzwischen Profi, schlägt er Manfred Jassman und wird Deutscher Schwergewichtsmeister. Ein Jahr später verliert er gegen Johnny Nelson, den Europameister im Cruisergewicht. Zu langsam fürs Cruisergewicht, zu leicht fürs Schwergewicht: viele trauen ihm den großen Coup nicht mehr zu. Auch, weil er lieber Camel-Zigaretten raucht als Eisenhanteln stemmt, weil er es lieber mit Kumpels in Kneipen als mit Sparringspartnern im Ring krachen lässt. „Training war nicht so mein Ding“, sagt er. Und dann stellt sich auch noch raus, dass er beim Nelson-Kampf mit Amphetaminen gedopt war.

Im Mai 1991 punktet er Ralf Rocchigiani über zehn Runden aus. Im Herbst verliert er gegen Michael Murray. Es folgen ein paar Siege gegen kaum ernst zu nehmende Gegner. Dann greift er schon nach dem WM-Gürtel. Ein hochriskantes Unternehmen. Aber Promoter Kohl wagt es.

Viele Erinnerungen hat Bott nicht an den Kampf. Was ihm in der Kabine durch den Kopf ging? „Weiß ich nicht.“ Zu welcher Musik er in den Ring marschierte? „Keine Ahnung, die hat mein Manager rausgesucht.“ Eigentlich erinnert er sich nur an die neunte von zwölf Runden. „Da spürte ich, dass ich noch genug Dampf hatte. Ich wusste, das steh ich durch. Diese Mörderdistanz war nämlich meine größte Sorge gewesen.“

Die Pokale lagern im Keller

Am Tag danach erzählt er „den Pressefuzzis“ in locker-flockigem Pforzemerisch, was sie so hören wollen. Sitzt im Frühstücksfernsehen und in Gottschalks Late-Night-Show. Gibt seinen Kumpels was aus. Kauft mit seiner Frau ein Haus im Stadtteil Ellmendingen. Schöner Garten. Trautes Glück. Dort putzt er sogar die Fenster und wienert die Eingangstür. Seine Zweizimmerwohnung, in der er jetzt lebt, ist nicht ganz so in Schuss. „Das sehe ich irgendwie nicht ein.“ Die Pokale lagern irgendwo im Keller.

Lokalwechsel. In einer seiner Stammkneipen läuft ein Evergreen von Tom Jones. Bott zündet sich eine Camel aus dem Bigpack an. Knackt seine Fingerknochen mal wieder durch. Beim rechten Daumen muss er aufpassen, der springt manchmal raus. Auch so eine Box-Spätfolge wie die ramponierte Nase und die Sache mit dem Auge. Er trinkt eine Cola nach der anderen. Linst ständig zu den Backgammonspielern am Nebentisch. Nach dem Gespräch rutscht er sofort zu ihnen rüber. Abends spielt man hier Skat und Binokel. Er guckt meistens zu, er muss sparen.

Dabei gibt es für seine erste Titelverteidigung im November 1993 gegen Nestor Giovannini die bis dahin größte Börse für einen Boxkampf in Deutschland. Alles in allem ein schwacher Fight, den der Argentinier gewinnt. „Ich war aber eindeutig der Bessere“, sagt Bott. Allen sei das klar gewesen. Nur Kohl nicht. „Der wollte Dariusz Michalczewski pushen. Mich wollte der nicht mehr, weil ich 500 000 Mark für den Kampf verlangt hatte. Das war ein Satz zu viel.“