Umgestaltung des Arsenalplatzes Ludwigsburg und die unzähmbare Natur
Die Umgestaltung des Arsenalplatzes in Ludwigsburg ist eine vertane Chance. Doch die Kritik von Bürgern, die noch während der Bauphase kam, blieb unberücksichtigt.
Die Umgestaltung des Arsenalplatzes in Ludwigsburg ist eine vertane Chance. Doch die Kritik von Bürgern, die noch während der Bauphase kam, blieb unberücksichtigt.
Seit seiner Wiedereröffnung ist der umgestaltete Arsenalplatz Stadtgespräch in Ludwigsburg. Wobei die negativen Urteile überwiegen. Von der Entsiegelung hatten sich diejenigen, welche die Idee grundsätzlich gut fanden und den Parkplätzen nicht hinterhertrauern, viel erwartet. Was sie dagegen nicht erwartet haben, ist das triste Graubraun des Bodens mit einem verdichteten Splitt-Sand-Gemisch, das jeden, der auf die versprochene „grüne Oase mitten in der Innenstadt“ gehofft hatte, den Kopf schütteln lässt. Stattdessen ist auch noch das Grün unter den bereits vorhandenen Bäumen verschwunden. Ebenfalls nicht erwartet haben Menschen mit einer Geh- oder Sehbehinderung, dass Stufen entstanden sind, wo vorher keine waren, und ein Blindenleitsystem, das abrupt vor einem Baum endet. Fast 20 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention ist das ein Skandal. An den genannten Punkten wird sich auch nichts ändern, wenn die neu gepflanzten Bäume erst einmal groß genug geworden sind, um Schatten zu spenden.
Dass die Platzgestaltung bei der Bevölkerung nicht gut ankommt, wurde der Stadt schon bei den Baustellenbesichtigungen zurückgemeldet. Konsequenzen hatten die Reaktionen nicht. Vielleicht war es damals schon zu spät für Änderungen, vielleicht verschloss man aber auch bloß die Ohren vor der Stimme des Volkes. Schon die Römer hätten so Straßen gebaut, wurde das Sand-Splitt-Gemisch angepriesen. Nur ist der Arsenalplatz keine Straße. Auch wenn Car-Sharing-Fahrzeuge auf dem gepflasterten Bereich im Süden noch zu den Ladesäulen fahren dürfen.
Mit geradezu hanebüchenen Argumenten wird für die misslungene Gestaltung geworben. Gras verdorre ohnehin, äußerte sich der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht – dabei sollen doch die neuen Bäume Schatten spenden. Wenn es viel regne, werde Rasen matschig, so eine Stadtsprecherin. Tja, das ist eben Natur. Verdorrtes Gras wird wieder grün, nasser Rasen trocknet wieder ab. Ganz ohne städtische Hilfe.
Die hätten dagegen die Insekten gebrauchen können. Zwar sind die Blüten der neuen Blauglockenbäume bei einigen davon beliebt – doch die Bäume blühen im Frühjahr, wenn ohnehin viel geboten ist. Im Sommer und Herbst hingegen ist für die Tiere Hungern angesagt, wenn sie nicht irgendwo Blumenwiesen oder blühende Stauden finden, die für uns Menschen zudem ein Augenschmaus sind.
Und warum stattdessen diese Tristesse? So könne man die Flächen ganzjährig nutzen, heißt es. Aber wofür eigentlich? Bei kaltem oder regnerischem Wetter wird sich ohnehin niemand auf Bänken oder Stühlen niederlassen. Bei schönem Wetter ist Gras als Untergrund schon deshalb angenehmer, weil es weniger Hitze abstrahlt und man sich, wie das Beispiel Bärenwiese zeigt, auch einmal direkt darauf setzen kann. Und was Veranstaltungen betrifft: Dafür wurde doch extra eine Fläche geschaffen, auf der bislang Bäume standen, die in den Arsenalgarten verpflanzt oder gefällt wurden. Bäume, die den Platz übrigens zuvor wunderbar zur Wilhelmstraße hin abgeschirmt und Schatten gespendet haben. Anders als die Wasserspiele, die dort jetzt zu finden sind und deren Standort von einigen als zu dicht an der Straße bemängelt wird. Warum die Sprudler nicht weiter hinten sind? Man könnte über die städtische Erklärung lachen, wenn es nicht so traurig wäre: „Sand und Splitt hätten sonst die Düsen verstopft.“