Blickwinkel Nicht jammern, sondern einkaufen
Das Beispiel des Dorfladens in Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) zeigt, dass jeder Einzelne für die Einkaufslandschaft vor seiner Haustüre mit verantwortlich ist.
Das Beispiel des Dorfladens in Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) zeigt, dass jeder Einzelne für die Einkaufslandschaft vor seiner Haustüre mit verantwortlich ist.
Juhu, ein neuer Laden in Kirchheim am Neckar! Das mag banal klingen. Es ist aber durchaus nicht nur für die Bewohner der 6000-Einwohner-Gemeinde am nördlichsten Eck des Landkreises Ludwigsburg relevant. Denn das Beispiel Kirchheim steht exemplarisch für viele Orte – oder gar für alle. Nicht nur im Landkreis. Und das Beispiel zeigt, dass es jeden Einzelnen etwas angeht, wie es um die Einkaufswelt um ihn herum bestellt ist. Dass dafür jeder Verantwortung trägt.
Denn gegen ausgestorbene Innenstädte, leere Fußgängerzonen und triste Ortskerne hilft nur eines: lokal einkaufen gehen. Das hätte auch in Kirchheim geholfen, bevor der Dorfladen schließen musste. Doch in den vergangenen Jahren wurde die Situation immer schlechter. Immer weniger Menschen kauften dort ein, die Umsätze gingen immer weiter zurück, der Dorfladen machte immer größere Verluste.
Man kämpfte eine ganze Weile. Das Projekt lief auf halb-ehrenamtlicher Basis, zudem konnten die Bürger Anteile kaufen. Ziel war nichts Geringeres, als die Grundversorgung für die Menschen im Ortskern mit den Dingen des täglichen Bedarfs zu sichern. Integriert war ein Café für das soziale Miteinander.
Eine schöne Idee, aber einfach war es nie. Und das, obwohl der Laden nicht einmal Gewinn einfahren musste. Eine rote oder schwarze Null am Ende des Jahres reichte den Projektverantwortlichen vollends.
Im Sommer vor einem Jahr schlugen Macher des Kirchheimer Dorfladens dann Alarm. „Wenn die Bürgerschaft, für die der Dorfladen ist und die ihn trägt, da nicht einkauft, dann werden wir ihn nicht halten können. Im Moment geht es ums Überleben“, sagte Uwe Seibold damals. Der Bürgermeister war einer der drei ehrenamtlichen Geschäftsführer. Etwa 300 Kunden pro Tag hätten es gebraucht, um wieder in den grünen Bereich zu kommen. 100 mehr als zu diesem Zeitpunkt kamen. Beziehungsweise die durchschnittlichen 200 hätten um rund drei Euro mehr einkaufen müssen, statt durchschnittlich zehn dann 13 Euro ausgeben.
Beides haben die Kirchheimer nicht getan. Der Laden schloss Ende März. Das fanden alle schade. Jetzt haben die Bürger eine neue Chance, denn es gibt einen Nachfolger. Papadopoulos Stylianos und seine Frau Rosa eröffnen im September „Katerini’s – Griechische Spezialitäten“. Die sind gewürzt mit italienischen Produkten und Dingen aus der Region, Obst, Gemüse, Eier, Mehl – alles da.
Die Grundversorgung mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs in der Ortsmitte ist also wieder gesichert. Nur: Wie lange? Richtig: So lange die Kirchheimer Bürger dort fleißig einkaufen. Tun sie es nicht, werden sie bald wieder keinen Laden im Herzen des Dorfes haben. Dann ist der Aufschrei wieder groß.
Manch einer mag jetzt argumentieren, dass er sich das nicht leisten kann. Ja, es mag sein, dass ein Einkauf im kleinen Laden etwas teurer ist als im Supermarkt oder Discounter. Auch, wenn Papadopoulos Stylianos verspricht, günstige Preise anzubieten, wird vielleicht nicht jeder die Möglichkeit haben, immer seinen kompletten Wocheneinkauf dort zu tätigen.
Aber jeder sollte zumindest mal hingehen und das Angebot anschauen, es ernsthaft in Erwägung ziehen, dort mehr als nur die vergessene Milch oder das fehlende Päckchen Nudeln mitzunehmen, sondern etwas mehr. Gegen ausgestorbene Ortskerne und schließende Läden hilft nicht jammern, sondern einkaufen. Jeder ist für das Angebot vor seiner Haustür mitverantwortlich. Nicht nur in Kirchheim.