Blickwinkel Verschleppte Sanierung des Forums rächt sich jetzt
Der Ludwigsburger Gemeinderat sollte der teuren Generalsanierung des Forums am Schlosspark in Zeiten leerer Kassen zustimmen. Doch so weit hätte es gar nicht erst kommen müssen.
Der Ludwigsburger Gemeinderat sollte der teuren Generalsanierung des Forums am Schlosspark in Zeiten leerer Kassen zustimmen. Doch so weit hätte es gar nicht erst kommen müssen.
Die Entscheidung ist relativ einfach: entweder massiv Schulden aufnehmen in einer wirtschaftlich katastrophalen Lage oder eine Ruine mitten in der Stadt entstehen lassen. So lässt sich die aktuelle Debatte rund um das Forum am Schlosspark in Ludwigsburg zusammenfassen. Beide Alternativen sind nicht wünschenswert. Doch dass die Stadt jetzt vor dieser schweren Entscheidung steht, ist auch selbst verschuldet.
Zu lange wurde am Forum nichts gemacht. Sinnbildlich ist etwa, dass noch immer mit dem Betriebssystem Windows XP gearbeitet wird und dafür mittlerweile kein Update mehr möglich ist – das hätte auch schon früher behoben werden können. Dafür hätte man nicht auf eine Generalsanierung warten müssen. Genauso wie die Tatsache, dass die Haustechnik noch aus dem Jahr 1984 stammt und eigentlich nach 25 Jahren hätte ausgetauscht werden müssen. Es spricht Bände, dass das Forum schon jetzt nur noch im Duldungsbetrieb läuft.
Die Stadt hat das Forum behandelt wie ein altes Fahrrad, mit dem man so lange fährt, bis es auseinanderbricht und gar nichts mehr geht. Das rächt sich jetzt. Denn jetzt wird es teuer. Aber das Forum nun einfach dichtzumachen, nur weil die wirtschaftliche Lage gerade schwierig ist, ist auch keine Lösung.
Eine Haushaltskrise vergeht, das Prestige lässt sich aber nicht mehr so schnell zurückholen, wenn Ludwigsburg als Standort für hochkarätige Kulturveranstaltungen erst einmal weggefallen ist. Mal ganz abgesehen davon, dass wohl niemand einen Lost Place in dieser Größenordnung, noch dazu in unmittelbarer Nähe zum prächtigen Residenzschloss, haben möchte.
Es braucht jetzt mutige Entscheidungen. Gewiss, Investitionskosten von 134 Millionen Euro nickt man nicht mal so nebenbei ab, wenn gerade erst eine Haushaltssperre beschlossen wurde. Und dass man diese Kosten dank Bundes- und Landesförderungen auf 45 Millionen Euro drücken kann, gleicht eher einem Wunschdenken der Verwaltung.
Doch selbst wenn die Kosten am Ende bei 100 Millionen Euro liegen, wäre es eine Investition, die sich langfristig auszahlt. Manche Entscheidungen müssen unabhängig von der aktuellen Haushaltslage getroffen werden. Die Forumsfrage gehört dazu. In Frankreich würde auch niemand Schloss Versailles veröden lassen, weil das Land aktuell kein Geld mehr hat.
Es ist ein Muster, das wir auch an vielen anderen Stellen sehen: Eigentlich sollte in guten Zeiten in die Zukunft investiert werden, doch die Realität in Verwaltung und Politik sieht meistens anders aus. Es ist ein Problem, dass Politikern oft der Weitblick fehlt. Eine Politik, die sich nur auf das Morgen und nicht auf das Übermorgen fokussiert, geht nicht ewig gut. So passiert es, dass gerade in angespannten Zeiten wie diesen schmerzhafte Entscheidungen anstehen.
Wir als Bürger müssen diesen Widerspruch nun aushalten: Während auf der einen Seite Zuschüsse für Sport- oder Kulturvereine gekürzt werden, sollen wir gleichzeitig Millioneninvestitionen in das Forum mittragen. Es ist absolut nachvollziehbar, dass das Frust auslöst. Doch wir tun gut daran, nicht das eine gegen das andere auszuspielen. Wer eine lebendige Stadt will, muss auch bereit sein, in seinem eigenen Bereich zurückzustecken.