Blind Guardian in der Stuttgarter Liederhalle Sadopeitsche und Pommesgabel
Blind Guardian haben am Freitagabend mit ihren Fans im Beethovensaal harten Metal und ein Gefühl von Heimeligkeit zelebriert.
Blind Guardian haben am Freitagabend mit ihren Fans im Beethovensaal harten Metal und ein Gefühl von Heimeligkeit zelebriert.
Der Bierausschank läuft schleppend in der Liederhalle am Freitagabend. Im Beethovensaal spielen sich schon Scardust aus Israel mit ihrem wuchtig melodischen Metal die Seele aus dem Leib. Doch viele Fans, die vor allem für Blind Guardian gekommen sind, müssen sich mühsam in langen Schlangen der Theke entgegen schieben, und verpassen den differenziert modulierten Gesang von Frontfrau Noa Gruman. Trotzdem kein Anflug von Unruhe oder gar Ärger, im Saal läuft alles wie geschmiert.
Nach einem flotten Umbau legen um Punkt neun Uhr Blind Guardian los. Auf durchsichtiger Gaze winden sich projizierte Drachen, begleitet von Glockenschlägen und dem bedrohlich lauten Ticken einer Uhr. Unter Trommelwirbeln und grellen Lichtblitzen entert Frontmann Hansi Kürsch mit seiner Band die Bühne, sofort reckt sich ihm ein Heer von zu Pommesgabeln geformter Fäuste entgegen. „Was ich gestern in Berlin gesagt habe, war gelogen“, freut sich Kürsch nach der Einleitung mit „Imaginations from the other Side“, „ihr seid die Geilsten“, versichert er. Und selbst, wenn er das jeden Abend sagen sollte, klingt es herzlich und aufrichtig. Er verspricht den Leuten eine Menge Spaß, „es wird schmutzig und blutig“, warnt er, das zweite Stück, „Blood of the Elves“ ist zwar präzise gehämmert, trocken in der melodischen Gestaltung, wild und schnell. Blut fließt aber keines an diesem Abend.
Hansi posiert in weit gespreizter Grätsche und wiegt seinen Kopf hin und her, während seine Kollegen an Bass und Gitarren die langen Mähnen schleudern. Die Fans jubeln begeistert, „vielen Dank!“, bellt Hansi freundlich von der Bühne herunter, während die Menge „Guar-di-an! Guar-di-an!“ skandiert. Trotz der martialischen Texte mehrerer „Sadopeitschen“, wie Kürsch die härteren Kompositionen vollmundig nennt, trotz der Pyro-Säulen an der Bühnenrampe und der aufwendigen Lichtshow kommt ein Gefühl von Heimeligkeit auf.
Hansi lobt die Menge, weil sie dem extrem laut aufgedrehten, insgesamt gut ausgesteuerten Sound standhält. „Ihr legt hammermäßig vor“, sagt er nach Songs wie dem düsteren „Script for my Requiem“ und dem hart stolpernden „Violent Shadows“, gönnt seinem Publikum aber auch Verschnaufpausen, etwa mit der Mittelalter-Romantik von „Skalds and Shadows“, wozu dichter Kunstnebel die Waden der Musiker umwabert und die Lichttechnik eine schön schummerige Atmosphäre zaubert.