Das Entschärfen klappt nicht. Und erst bei der zweiten Sprengung gelang es den Fachleuten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes am Sonntag auf der Waldau, eine englische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu zerstören. Das ist in dieser Kombination selten.
Wann wurde in Stuttgart zuletzt ein gefährliches Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt?
Vor zwei Jahren geschah das im kleinen Rahmen: Auf der Stuttgart-21-Baustelle am entkernten Hauptbahnhof wurde gesprengt, erläutert Ralf Vendel, der Dienststellenleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Ein Bombenboden, also quasi nur der hintere „Deckel“ einer Bombe mit etwa einem halben Kilogramm Sprengstoff wurde dort kontrolliert gesprengt. Das ist kaum vergleichbar mit der 500-Pfund-Bombe im Wald beim Fernsehturm am Wochenende. Eine ähnliche Sprengung kam in Stuttgart zuletzt 2007 bei Möhringen vor, erinnert sich der Feuerwerker Christoph Rottner. Kleinere Überbleibsel aus dem Krieg wie Stabbomben oder Granaten würden häufiger am Auffundort gesprengt.
Mit welcher Art Bombe hatten es die Feuerwerkerin und die Feuerwerker am Wochenende zu tun?
Die nicht detonierte Fliegerbombe beim Fernsehturm war eine von den Engländern im Zweiten Weltkrieg abgeworfene. Die Fachleute sprechen von einer MC 500 – eine Bombe mit „Medium Capacity“, die 500 Pfund schwer ist – tatsächlich handelt es sich um rund 240 Kilogramm. Der Zünder war mechanisch.
Was machte die Sprengung notwendig?
Die Feuerwerkerin und Feuerwerker konnten den Zünder gut entfernen. Das sei also nicht das Problem gewesen. Es stecke jedoch hinter dem Zünder noch ein sogenannter Detonator in den Bomben. Auf diesen schlägt der Zündnadel des Zünders auf und löst die Ladung im Detonator aus. Diese soll dann die große Ladung TNT in der Bombe zur Explosion bringen. Der Detonator hatte sich verklemmt und konnte deswegen nicht gefahrlos gezogen werden. Deswegen entschieden die Fachleute sich für die kontrollierte Sprengung.
Wie kommt es zu so einem Zustand? Durch den Aufschlag oder durch das lange Liegen der Bombe?
Das Problem mit dem verklemmten Detonator kann mehrere Ursachen haben, erläutert Ralf Vendel. Zum einen liege die Bombe nun schon gut 80 Jahre im Boden. Zum anderen seien die Bomben als Kriegsmunition „massenhaft und im Akkord“ hergestellt worden. Daher habe es auch viele Blindgänger gegeben – wie die am Wochenende gesprengte Bombe.
Wie schützt man die Umgebung vor der Sprengung?
Die Bombe wurde wieder eingegraben – mit einer Sprengladung und Zündschnur. Auf die abgedeckte Bombe kam ein sogenannter Flexipack aus Folie mit 18 000 bis 20 000 Liter Wasser – in den Pack würden 24 000 Liter passen. Das Wasser diene zwei Zwecken: Zum einen dämpfe es die Detonation. Zum anderen lösche das Wasser einen Feuerball, der entstehen könnte. Zum Schutz der Menschen im Umfeld haben Polizei und Feuerwehr gemeinsam gesorgt. Der Wald, die Sportstätten und Restaurants sowie eine Flüchtlingsunterkunft wurden geräumt. Bis zur Entwarnung durfte niemand mehr in den gesperrten Bereich. „Wenn die Bombe freigelegt ist, sind nur noch ein oder zwei Feuerwerker an der Einsatzstelle“, erläutert Ralf Vendel. Sie gehen mit höchster Vorsicht vor und wenden möglichst wenig Gewalt an, um sich selbst zu schützen. „Man darf nicht vergessen: Diese Bomben wurden hergestellt, um deutsche Städte zu zerstören.“