Block Party in Stuttgart Der schöne Traum vom Fassadenfestival

So geht Graffiti: Scotty 76 bei der Arbeit Foto: Achim Zweygarth 6 Bilder
So geht Graffiti: Scotty 76 bei der Arbeit Foto: Achim Zweygarth

Die Block Party der Urban Art Gallery am Rotebühlplatz in Stuttgart wird zu einer Leistungsschau im Regen. Neben Live-Musik von Franky Kubrick gibt es Live-Kunst von Scotty 76, Marc Wöhr und anderen.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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Stuttgart - Petrus scheint kein Hip-Hopper zu sein: Die Premiere der Block Party in der Urban Art Gallery am Rotebühlplatz am Samstag war vor allem eins: verregnet. Angesichts des durchwachsenen Wetters hielt sich das Interesse an der Leistungsschau der Stuttgarter Popkultur, bestehend aus Live-Musik und -Kunst und einer sehr vorzeigbaren Ausstellung in der Galerie in überschaubaren Grenzen.

Eine Block Party ist die popkulturelle Fortführung der Nachbarschaftshocketse mit anderen Mitteln. Die Block Party vom Rotebühlplatz am Samstag stellte einmal mehr unter Beweis, dass Menschen, die pauschal von einer Party- oder Vergnügungsszene sprechen, keinerlei Ahnung von deren Ausdifferenzierung haben.

Gute Nachricht für Hip-Hopper: Franky Kubrick ist zurück

Der Blick in den Innenhof der Urban Art Gallery zeigt, dass Party nicht zwingend Komasaufen und Vermüllung bedeutet, sondern auch familienkompatible Kunst und Kultur. So trotzen die vierjährige Frida und die zweijährige Anna dem Regen und bemalen eine der Leinwände in einer frühkindlichen Graffiti-Interpretation. Dass an der nächsten Leinwand Scotty 76, als ehemaliges Mitglied der Breakdance-Gruppe Southside Rockers eine lebende Stuttgarter Hip-Hop-Legende, gerade eine extrem lässige Dose sprüht, lässt die beiden Nachwuchs-Hip-Hopperinnen erfrischend kalt.

Vor der Bühne turnt derweil der vierjährige Sohn eines der Veranstalter auf dem Skateboard herum, während auf der Bühne Franky Kubrick zeigt, dass er nichts verlernt hat. Kubrick galt als eines der größten Rap-Talente der Stadt. In der zweiten Generation der 0711-Hip-Hopper nach Massive Töne und Freundeskreis legte er in den Nuller-Jahren eine fantastische Zungenfertigkeit vor, ehe es ruhig um ihn wurde.

„Ich war nie weg vom Fenster, habe immer weiter Musik gemacht, mich in den vergangenen Jahren aber auch viel mit Videoproduktion beschäftigt“, erzählt Kubrick in einem der wenigen trockenen Momente des Tages. „Im September erscheint mein neues Album, ein erwachsenes Stück Rap mit Namen ,Halbzeit’“, sagt Kubrick weiter. Außerdem arbeitet der 33-Jährige an einem weiteren musikalischen Projekt in den Tonstudios unter der Urban Art Gallery. Hier sind kürzlich die Jugglerz eingezogen, eines der erfolgreichsten ReggaeTeams in Deutschland. Die Jugglerz betreiben ein eigenes Label, eine Radioshow, und Veranstaltungen und sind in ihrem Segment wichtige Botschafter Stuttgarts.

Urban Art Gallery und Jugglerz liefern Leistungsschau

Gemeinsam mit der Urban Art Gallery ist hier also ein Kreativzentrum entstanden, das Stuttgart gut zu Gesicht steht und das man bei einer Block Party mit gutem Gewissen vorstellen kann. Betrieben wird die Urban Art Gallery von Daniel Unger und Marc Wöhr. Letzterer ist einer der bekanntesten Street-Art-Künstler Deutschlands.  Auf 300 Quadratmetern zeigen die beiden Street Art und Graffiti. „Das ist unsere Stärke, da kommen wir her“, sagt Marc Wöhr. „In unserer Galerie wollen wir zeigen, dass es in unserem Bereich nicht nur das abendländische Tafelbild gibt, sondern ein reiches Feld an Installationen und Animationen“, ergänzt Daniel Unger.

Während Unger und Wöhr erzählen, springen Ungers Söhne zwischen den Kunstwerken herum. „Stadtkinder toben eben in der Galerie herum statt im Garten“, sagt Unger. Wenn es nach den Galerie-Machern geht, wird die Block Party nicht die letzte Veranstaltung ihrer Art bleiben. Wöhr träumt sogar von mehr: „Ich würde gerne ein Fassadenfestival in Stuttgart veranstalten, bei dem verschiedene Künstler aus ganz Deutschland Häuserwände in Stuttgart gestalten.“ Für ihn sei das eine Aufwertung der Stadt, die man auch touristisch nutzen könne. „Leider fehlt in Stuttgart oft das Verständnis für Street Art“, klagt Unger. „Das ist 95 Prozent Kunstfertigkeit und nur fünf Prozent Schmiererei.“




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