Blockheizkraftwerk Klärwerk versorgt sich selbst mit Energie

Von jen 

Eine neues Blockheizkraftwerk in der Kläranlage Fleinsbach produziert aus Klärgas, einem Abfallprodukt bei der Abwasserreinigung, Wärme und Strom.

  Foto: Jens Noll
  Foto: Jens Noll

Sielmingen - Klärwerke sind nicht als Orte bekannt, die von Menschen gern aufgesucht werden. Vergangene Woche haben dennoch etwa 15 Bürger, einige Stadträte, Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker und Erster Bürgermeister Andreas Koch der Kläranlage Fleinsbach zwischen Sielmingen und Neuhausen einen Besuch abgestattet. Der Grund: In dem Klärwerk hat ein neues Blockheizkraftwerk (BHKW) den Betrieb aufgenommen. Es verwandelt ein Abfallprodukt, Klärgas, in Wärme und Strom.

„Die Anlage läuft seit mehr als einem Monat und sie läuft sehr gut“, berichtet Guido Rudolf, technischer Leiter der Stadtwerke Filderstadt. Das neue Modul ergänzt ein BHKW, das bereits seit 1999 in der Kläranlage Bioenergie aus Abwasser umweltschonend verwertet. Beide Kraftwerke zusammen decken nun nahezu den kompletten Strombedarf der Kläranlage. Und: „Die Wärme wird für die Beheizung des Faulturms und der Gebäude genutzt“, erklärt Rudolf.

OB Dönig-Poppensieker weiß: „Die Bakterien frieren nicht gern.“ Sie spricht damit den biologischen Gärprozess an, der sich im Faulturm abspielt. Dabei entsteht der Brennstoff, der die BHKW antreibt. Im Detail funktioniert das so: Nachdem das Abwasser mehrere Reinigungsstufen durchlaufen hat, bleibt Klärschlamm zurück. Dieser sammelt sich im Faulturm. Dort wird unter Luftabschluss ein Gärprozess in Gang gesetzt, für den idealerweise eine Temperatur von 36 Grad herrschen sollte. Dabei bildet sich Klärgas. Dessen Hauptbestandteil ist Methan, ein sehr klimaschädliches Gas, das verbrannt werden muss.

930 Tonnen weniger Kohlendioxid

Aufgrund seines vervorragenden Heizwerts eignet sich Methan auch als hochwertiger Brennstoff. In der Kläranlage Fleinsbach wird das Gas deshalb über Leitungen zu den BHKW-Modulen und zu einem Heizkessel weitergeleitet. Letzterer wird jedoch nur zu Spitzenlastzeiten benötigt. Die regenerative Energieerzeugung trägt zum Klimaschutz bei. „Ohne BHKW würden wir hier pro Jahr 930 Tonnen mehr Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre jagen“, sagt Dönig-Poppensieker. Dies entspreche dem jährlichen CO2-Ausstoß von 35 vierköpfigen Familien für Energie und Verkehr bei üblichem Konsumverhalten.

250 000 Euro hat das neue BHKW samt Installation gekostet. „Man darf nicht nur das Geld sehen“, gibt die Rathauschefin zu bedenken, „man muss sehen, dass das für die Umwelt wichtig ist.“ Die OB kündigt bereits an, welche Investition als nächste in der Kläranlage Fleinsbach ansteht: „Das alte BHKW wird im kommenden Jahr saniert.“

Wie Klärwerksmeister Martin May erklärt, kann die Stadt dafür an anderer Stelle 100 000 Euro einsparen: „Wenn wir den ganzen Klärschlamm entsorgen müssten, dann hätten wir ein um Drittel höhere Kosten.“ Laut May geht ein Drittel des Klärschlammes in die Gasphase über. Der restliche Schlamm, der als Endprodukt der biologischen Zersetzung eine fast geruchslose Masse ist, wird in einem Kraftwerk bei Heilbronn verbrannt.

Das für Bernhausen und Sielmingen zuständige Klärwerk verwertet übrigens nicht nur den eigenen Klärschlamm. Per Lastwagen wird der „Rohstoff“ auch aus der Kläranlage Bonlanden angeliefert.

Kläranlage Bonlanden: Umbau für elf Millionen Euro

Baumaßnahmen
: Während des laufenden Betriebs wird derzeit die Kläranlage Bonlanden generalsaniert. Unter anderem sind folgende Maßnahmen geplant: der Bau eines Schlammeindickers, eine Ringleitung für die Strom- und Wasserversorgung, ein neuer Schacht für das Ablaufwasser und ein neues Nachklärbecken, die Betonsanierung von Becken und Gebäuden sowie der Austausch veralteter Maschinentechnik.

Sanierungsgründe:
Laut Abwassermeister Sven Gayring entspricht das Klärwerk bautechnisch größtenteils dem Stand von 1974. Gebäude, Technik, Reinigungsleistung und Energieeffizienz seien längst veraltet. Vom Gesetzgeber geforderte Grenzwerte und Richtlinien können nur noch mit Mühe eingehalten werden. Zudem ist eine Genehmigung des Landratsamts abgelaufen. Sie wurde für den Umbau verlängert.

Zahlen:
Die Anlage im Bombachtal reinigt das Abwasser aus Bonlanden und Plattenhardt. Sie ist für rund 19 000 Menschen plus die örtlichen Betriebe ausgerichtet. Pro Jahr durchlaufen rund 2,4 Millionen Kubikmeter Wasser die Reinigungsstufen des Klärwerks. Die Generalsanierung kostet rund elf Millionen Euro. Die Arbeiten wurden im vergangenen Herbst begonnen und sollen im Jahr 2015 abgeschlossen sein.




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