Blühendes Barock Ludwigsburg Von Uruguay zur Kürbisausstellung: Jobber erzählen ihre Geschichte

Valentina Terrazo und Martin Brum bereiten Kürbisse für das Behängen der Skulpturen vor. Immer dabei: der südamerikanische Mate-Tee. Foto: Emanuel Hege

Valentina Terrazo und Martin Brum beraten eigentlich Landwirte in ihrem Heimatland Uruguay, in den kommenden Monaten arbeiten sie aber auf der Kürbisausstellung in Ludwigsburg. Einen kleinen Kulturschock haben sie bereits verdaut.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Der Aufbau der Kürbisausstellung ist im vollen Gange, rund ein Dutzend Schüler und Studenten jobben hier in ihren Ferien, bereiten Kürbisse vor, behängen Skulpturen oder bauen den Gastronomiebereich für die kommenden Monate auf. So weit, so normal. Doch unter dem Hilfstrupp, der an diesem Vormittag tausende Kürbisstrünke mit Kabelbinder ausrüstet, fallen zwei Personen direkt ins Auge.

 

Sie sprechen Spanisch, hören laut südamerikanische Folklore-Musik und trinken  Mate-Tee aus dem klassischen Kalebasse-Becher mithilfe einer Bombilla – dem hölzernen Strohhalm, der die gehäckselten Mateblätter aus dem Tee filtert. Der Tee gehöre für sie am Morgen einfach dazu, sagt Valentina Terrazo – selbst jetzt, wenn sie 11 000 Kilometer von Zuhause entfernt ist.

Valentina Terrazo und ihr Lebensgefährte Martin Brum leben in Uruguay, arbeiten aber für die kommenden drei Monate auf der Kürbisausstellung in Ludwigsburg – das größte Abenteuer ihres Lebens. Das Paar will Europa erleben, aber vor allem Geld für ihren großen Traum vom eigenen Biobauernhof verdienen. Obwohl die beiden sehr nachhaltig leben, haben sie kein Problem mit der Ausstellung aus Nahrungsmitteln.

Verwunderung über fehlende Ticketkontrolle

Vor rund einer Woche sind die beiden Uruguayer am Stuttgarter Flughafen gelandet. „Mich hat erst einmal total überrascht, dass die Bahntickets nirgends kontrolliert wurden“, sagt Martin Brum. Den Menschen werde offensichtlich Vertrauen entgegengebracht, das gefällt dem 30-Jährigen. Die zweite Beobachtung der beiden: Alles ist sehr ruhig. „Die Uruguayer gelten eigentlich als das leiseste Volk in Südamerika, im Gegensatz zu den Menschen hier, sind wir aber viel lauter und gesprächiger“, sagt Valentina Terrazo.

Valentina Terrazo und Martin Brum beim Behängen der Skulpturen Foto: Simon Granville

Während Martin schon um die Welt gereist ist, ist es für Valentina die erste Reise nach Europa – für Uruguayer mehr als ein Urlaub. Hintergrund ist die große Einwanderungswelle Ende des 19. Jahrhunderts, hunderttausende Europäer zogen nach Uruguay, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Diese Wurzeln haben in den meisten uruguayischen Familien eine große Bedeutung, erklärt Martin Brum. Viele Menschen würden Kontakte nach Spanien, Italien oder anderen Ländern ihrer Vorfahren pflegen.

Auch die beiden haben mehrere Bekannte in Europa, vor allem Landwirte. Durch diese stießen sie vor ein paar Monaten auf Alisa Käfer von der Jucker Farm, das Veranstaltungsunternehmen der Kürbisausstellung Ludwigsburg. „Wir haben Alisa über einen Videocall kennengelernt, sie hat uns alles erklärt, und wir hatten direkt Lust mitzumachen“, sagt Valentina Terrazo. Untergebracht sind die beiden in einer extra angemieteten Wohnung in Marbach, die Schillerstadt hat es den beiden schon jetzt angetan. „Die alten Häuser sind sehr schön, wir waren auch schon unten am Fluss, alles ist so grün“, sagt die 25-jährige Valentina Terrazo.

Im Blühenden Barock wird an allen Ecken und Enden noch gewerkelt. Foto: Simon Granville

Nach dem Aufbau wechselt Martin Brum in der Großküche der Kürbisausstellung, Valentina Terrazo röstet dann in einem der Verkaufsstände Kürbiskerne. Während der nächsten Monate werden die beiden Uruguayer sechs Tage die Woche arbeiten, sie hoffen aber auch auf einige freie Tage, um Deutschland zu erkunden. Vor allem die Alpen wollen sie sehen, er sei aber auch an Geschichte interessiert, sagt Martin Brum und deutet auf das Residenzschloss.

Nach den drei Monaten Kürbisausstellung wollen die beiden durch Europa reisen, Spanien und Großbritannien stehen auf dem Plan. Das verdiente Geld wird dabei aber nicht auf den Kopf gehauen, sagt das Paar. Die beiden sparen für einen eigenen Biobauernhof, um ihr Lebensprojekt voranzubringen – ein Beratungsunternehmen für Landwirte, die auf Permakultur umstellen wollen. Eine Form der Landwirtschaft, die als die sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigste gilt.

Ihre Leidenschaft begann vor Jahren. Valentina Terrazo und Martin Brum sind in der Hauptstadt Montevideo aufgewachsen und haben dort Umweltmanagement studiert. Nebenbei bauten die Beiden Nutzpflanzen an und brauten ihr eigenes Bier. Das Interesse an Pflanzen, der Landwirtschaft und an dem ökologischen Kreislauf wuchs.

Sie belegten immer mehr Seminare außerhalb der Universität, „wir haben quasi zwei Studiengänge zur gleichen Zeit gehabt“, sagt Martin Brum. Über Kontakte zu immer mehr Biobauern kamen sie auf die Idee des Beratungsunternehmens. Das laufe bereits, jetzt fehlt dem Paar nur noch der eigene Hof.

Auf die Frage, ob die Kürbisausstellung ihrer Idee von Nachhaltigkeit entspreche, gucken sich beide an und grinsen. „Wir haben tatsächlich schon darüber geredet, ob wir hier gerade mit Nahrungsmitteln spielen“, sagt Martin Brum. „Ich finde das aber völlig in Ordnung.“ Vielleicht wecke die Ausstellung bei manchen Besuchern die Lust, sich selbst mit dem Anbau von Nutzpflanzen und mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Die Exponate hätten zudem ein zweites Leben, wenn sie doch noch als Essen auf dem Tisch landen, in der Biogasanlage Energie produzieren oder in Form von Dünger die Erde bereichern. „Mir ist eine Figur aus Kürbissen tausendmal lieber als eine aus Plastik“, sagt Martin Brum.

Infos zur Kürbisausstellung Ludwigsburg

Größte Ausstellung ihrer Art
Die Kürbisausstellung in Ludwigsburg ist die größte ihrer Art weltweit. Von Freitag, 23. August, bis Samstag, 2. November, werden im Blühenden Barock (Blüba) 200 000 Kürbisse ausgestellt, rund 80 000 davon bilden Skulpturen wichtiger Frauen der Geschichte – denn das diesjährige Thema der Ausstellung lautet „Starke Frauen“.

Preise
Um die Kürbisausstellung zu sehen, müssen Besucher reguläre Tickets zum Blühenden Barock kaufen. Die Eintrittspreise verteuern sich jedoch während der Zeit der Kürbisausstellung im Gegensatz zur restlichen Blüba-Saison. Ein reguläres Online-Ticket kostet dann unter der Woche 13 Euro, an Wochenenden 14 Euro. Senioren dürfen für 12 Euro, beziehungsweise 13 Euro rein und Kinder für 5,50 Euro, beziehungsweise 6 Euro.

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