Testauflagen nehmen weiter zu
Das hat Auswirkungen auf den Betrieb und die Wirtschaftlichkeit. Denn die Anforderungen des Paul-Ehrlich-Instituts, etwa was die Testung des gewonnenen Blutes angeht, wachsen. „Die regulatorischen Auflagen werden im Interesse der Sicherheit immer höher“, sagt Jan Steffen Jürgensen. Dazu braucht es Personal und teure Geräte. Und auch wenn der Klinikchef nicht versäumt, die vielen Spenderinnen und Spender zu loben, dank deren Treue es hier bisher nicht, wie teils andernorts, zu Engpässen in der Blutversorgung gekommen sei: Auch in Stuttgart nehmen die Blutspenden stetig ab.
Im Jahr 2009 waren es noch 43 099, im Vorjahr dann 34 626, das ist ein Minus von knapp 20 Prozent. Das liegt im Rahmen eines bundesweit festzustellenden Rückgangs pro Jahr von zwei Prozent. Das hat einen Grund darin, dass „immer mehr langjährige Spender die Altersgrenze erreichen“, sagt Klinikchef Jürgensen. Blutspenden kann man zwischen dem 18. und dem 68. Lebensjahr.
Künftig Arbeitsteilung mit dem DRK Ulm
Deshalb hat sich das Klinikum zu einem Schritt entschlossen, den andere große Krankenhäuser wie die Unikliniken im Land bereits vollzogen haben: Man kooperiert künftig mit dem Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen des DRK. Dies bedeutet schon von Anfang September an, dass die beiden Partner arbeitsteilig vorgehen. Das Klinikum organisiert weiter die Blutspenden in Stuttgart. „Für die Spender ändert sich gar nichts“, betont Jan Steffen Jürgensen. Der nächste Schritt, die sogenannte „Fraktionierung von Vollblut“, wird künftig aber im DRK-Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie in Ulm vorgenommen. Dieses sei als einzige Einrichtung „in Baden-Württemberg zuständig für die Herstellung der Blutpräparate“, sagt Wolfgang Rüstig, der kaufmännische Geschäftsführer des Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen. In Ulm wird das Blut in seine Bestandteile zerlegt, in rote und weiße Blutplättchen und in das Plasma. Rund 400 000 Blutspenden werden hier pro Jahre aufbereitet, die aus der Landeshauptstadt machen also nicht einmal zehn Prozent davon aus.
OP-Methoden werden unblutiger
Für das Klinikum der Stadt bringt die Kooperation mehrere Vorteile. Die Versorgungssicherheit steige, man könne sich auf die Blutspenden konzentrieren und die langjährige Expertise des DRK und dessen günstigere Einkaufskonditionen nutzen, sagt Klinikumschef Jürgensen. Und man spart im Jahr überdies 100 000 bis 200 000 Euro.
Zurück geht im Übrigen nicht nur das Blutspenden, sondern um etwa „zwei bis drei Prozent“ jährlich seit etlichen Jahren auch der Bedarf an Blutprodukten, sagt Jan Steffen Jürgensen. Grund dafür seien schonendere, unblutigere OP-Verfahren, etwa minimalinvasive Eingriffe, eine bessere Blutstillung sowie das sogenannte Patient Blood Management, das individuell etwa durch die Vermeidung von Anämien bei Patienten den Einsatz von Blutprodukten reduziert. Allerdings nimmt dieser Einsatz nach Angaben von Wolfgang Rüstig inzwischen insgesamt „durch den demografischen Wandel wieder leicht zu“.
DRK steuert Spendenaufkommen
Der Blutspendedienst ist bisher gut durch die Pandemie gekommen. „Es gab keinen Rückgang an Spenden, die Entnahme wurde bedarfsgerecht gesteuert“, betont der DRK-Geschäftsführer. „Die Aufrufe zur Blutspende trafen in jeder Phase der Pandemie auf große Resonanz.“ Dies sei gelungen aufgrund von Aktionen zur „Spendergewinnung“, durch den frühzeitigen Einsatz eines digitalen Terminreservierungssystems und dank des Engagements der vielen schon „sensibilisierten Spendewilligen“.
Auch in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres habe der Bedarf an Blutprodukten aber noch um etwa zwei Prozent unter dem vor der Coronapandemie gelegen, erklärt Wolfgang Rüstig, „da elektive Eingriffe in vielen Häusern zugunsten der Covid-Intensivpatienten verschoben worden sind“. Inzwischen versuchten viele Kliniken, diese Eingriffe aber nachzuholen, und verbrauchten seit Mai deshalb wieder „deutlich mehr Blutprodukte“.
Krebsbehandlung benötigt die meisten Blutprodukte
Klinikum
Im städtischen Klinikum wurden 2009 insgesamt 43 099 Blutspenden registriert, im Vorjahr waren es 34 626, das waren noch 80,3 Prozent des 2009er-Wertes. Pro Jahr gehen die Blutspenden bundesweit um etwa zwei Prozent zurück. Mit dem in Stuttgart erzielten Überschuss an Blutspenden hat das Klinikum der Stadt bisher etwa das Diakonie-Klinikum, das Klinikum Ludwigsburg, die Göppinger Klinik am Eichert und örtliche onkologische Praxen beliefert.
Tagesbedarf
Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden in Deutschland etwa 15 000 Blutspenden pro Tag benötigt. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts sind die Spenden von 95 pro 1000 Einwohnern im Jahr 2011 auf noch 79 im Jahr 2019 zurückgegangen, das ist ein Minus von 16,8 Prozent. Ein Grund: Viele langjährige Spender erreichen die Altershöchstgrenze für das Spenden von 68 Jahren.
Lagerung
Nach Angaben des DRK ist ein kontinuierliches Spendeaufkommen schon wegen der zum Teil kurzen Haltbarkeit der Blutprodukte wichtig, die je nach Präparat von fünf Tagen bis zu fünf Wochen reiche.
Verwendung
Laut DRK werden rund ein Fünftel aller benötigten Blutpräparate in der Krebsbehandlung der Onkologie benötigt, dies sei der größte Einzelposten. Weiter werden viel Blutkonserven gebraucht bei Organtransplantationen, bei Gelenkaustausch, Herzoperationen, in der Unfall- und Gefäßchirurgie sowie bei Immundefekten.
Spender
Nach den Geschlechtern betrachtet halten sich bei den Blutspenderinnen und Blutspendern Frauen und Männer „in etwa die Waage“, erklärt das DRK. Das Durchschnittsalter liege derzeit zwischen 40 und 50 Jahren.