Bluttat am Fasanenhof Staatsanwaltschaft prüft Mord-Videos

Von George Stavrakis 

Nach der tödlichen Schwertattacke im Stadtteil Fasanenhof prüft die Staatsanwaltschaft, ob sie gegen die Handyfilmer vorgehen kann und darf.

Anwohner haben Blumen am Tatort im Fasanenhof niedergelegt. Foto:  
Anwohner haben Blumen am Tatort im Fasanenhof niedergelegt. Foto:  

Stuttgart - Noch immer herrscht Fassungslosigkeit über die tödliche Attacke eines angeblich 28-jährigen Mannes auf einen ehemaligen Mitbewohner. Der mutmaßliche Täter hatte am Mittwochabend einen 36-jährigen Mann auf offener Straße mit einer schwertartigen Waffe getötet. In Untersuchungshaft sitzt ein Mann namens Issa M., der sich als Syrer ausgibt, tatsächlich jedoch ein Palästinenser aus Jordanien sein soll.

Einige Passanten hatten ihr Handy gezückt, als sie dem Geschehen gewahr wurden. Sie filmten, wie ein Mann mit einem Schwert auf einen anderen am Boden liegenden Mann einsticht – immer wieder. Statt die Aufnahmen der Polizei zur Verfügung zu stellen, stellten einige Hobbyfilmer ihre Mord-Videos ins Internet. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will derzeit nicht viel dazu sagen, nur so viel: „Wir haben einen Prüfvorgang angelegt, in wieweit sich diese Personen strafbar gemacht haben“, sagt Sprecher Heiner Römhild.

Kripo spürt dem Motiv nach

Die Kripo ist mit Anderem beschäftigt. Sie spürt dem Motiv für die Tat nach. Da man einen islamistischen und einen politischen Hintergrund ausschließt, kommt nur noch eine Beziehungstat infrage. Tatsächlich sollen sich der mutmaßliche Täter und das Opfer gekannt haben. Issa M. soll für einige Zeit bei dem 36-Jährigen im Stadtteil Fasanenhof gewohnt haben. Anfang dieses Jahres soll er dann in den Raum Ludwigsburg umgezogen sein. Es heißt, der Angeschuldigte mache Angaben. Über deren Inhalt schweigen sich die Ermittler vorerst noch aus.

Aus unserem Plus-Angebot: Nach der Bluttat – Ein Stadtteil rückt näher zusammen

„Wir möchten der Familie des Verstorbenen unser größtes Mitgefühl aussprechen, es ist unfassbar, dass ein Mensch einem Anderen so etwas antun kann“, schreibt der Vorstand des Bürgervereins Fasanenhof in einem offenen Brief, und: „Wir lassen uns nicht kriminalisieren und als Bewohner des Fasanenhofs diskriminieren. Wir sind und bleiben ein offener, multikultureller und friedliebender Stadtteil mit einer für Stuttgart sehr niedrigen Kriminalitätsrate.“

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